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Der Geldzählerbrunnen am Pappelplatz

Eigentlich müsste der überlebensgroße, steinerne Athlet Laubbäume zählen. Schließlich ist sein Standort der Pappelplatz in Mitte. Doch für Bäume hat der kniende Riese keinen Blick übrig. Vielmehr beschäftigen den muskulösen Mann die vermeintlichen Münzen, die er von einer Hand in die andere legt. Der Bildhauer Ernst Wenck (1865–1929), der auch zweiter Vorsitzender der Berliner Sezession sowie Mitglied der Akademie der Künste war, hat den Geldzählerbrunnen im Rahmen eines Wettbewerbs der Bildhauervereinigung zur Verschönerung des Platzes entworfen. Von ungefähr kommt das Motiv nicht. Das Areal zwischen der Invaliden- und Ackerstraße sowie der südöstlichen Seite des II. Sophien-Friedhofs in der damaligen Oranienburger Vorstadt wurde einst als Marktplatz genutzt. Anfang der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts als Grünanlage umgestaltet, weiterhin teils als Markt bespielt, wurde 1912 Wencks Siegerentwurf, der 3,25 Meter hohe, aus vier Seiten in ein Becken und einen achteckigen Sockel sprudelnde Brunnen mit Geldzählerskulptur enthüllt. Vor elf Jahren gab es eine Neugestaltung des Platzes nach historischem Vorbild. Dabei wurde auch der Geldzähler von Schmutz und Graffitis befreit. 168.000 Euro hatte die denkmalgerechte Wiederherstellung damals gekostet. Wahrscheinlich würde der Geldzähler auch gerne Euros und Cent in den Händen halten, doch der Umstand seiner frühen „Geburt“ bescherte ihm Mark und Pfennige. Wäre der Geldzähler nicht aus Stein und auf der Suche nach einer Frau, könnte er sich bei den Werken seines Erschaffers umtun. Vor dem Stadtbad Schöneberg hat Erst Wenck 1928 mit der „Schwimmerin“ eine ebenfalls nackte Sportlerin geschaffen.

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