Live täglich

Wenn die Wände Ohre kriegen

Immer öfter sprechen wir mit Maschinen oder sie mit uns. Unsere Smartphones sowieso, inzwischen auch Autos, Kühlschränke und die digitalen Assistenten wie Siri, Echo, Alexa, Google Now und Co. Sie sind für einige bereits Teil ihres Alltags geworden. „Noch werden sie ja meistens dafür genutzt, um sich den Wecker zu stellen oder nach dem Wetter zu fragen oder Musik abzuspielen“, sagt meine Frau. „Aber diese Geräte können auch schon die fehlende Milch auf die Einkaufsliste schreiben, und da kommt noch viel mehr.“ Das beunruhigt sie. „Alexa ist in der Cloud entwickelt, sie wird also immer intelligenter. Je mehr Kunden Alexa nutzen, desto mehr gewöhnt sie sich an Sprachmuster, Wörter oder persönliche Vorlieben“, heißt es von Amazon.

Ein Albtraum nicht nur für meine Frau, sondern auch für Datenschützer: Dank der Mikrofone können die Dinger nämlich zuhören. Vor Kurzem machte ein Video in den sozialen Netzwerken die Runde, in dem die Sprachassistenten ausflippten und dank der Informationen, die sie gesammelt hatten, das feindliche Regime über die Familie übernahmen. Die Menschen konnten sich kaum aus den Fängen der bösartig gewordenen und außer Kontrolle geratenen Maschinen retten. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen, sagen die einen, die anderen warnen laut, dass die digitalen Assistenten zum ernsten Problem werden: „Je mehr wir sie in unseren Alltag integrieren und ihnen anvertrauen, desto mehr Potenzial für Missbrauch besteht“, sagt Jürgen Geuter, ein Informatiker und Philosoph, der sich mit der Schnittstelle Mensch-Maschine beschäftigt. „Da kann es auch beginnen, eine Art übergriffigen Charakter anzunehmen.“

Es zwingt uns niemand, so ein Ding zu kaufen! Wer nicht will, der lässt es. Worüber ich aber an dieser Stelle nachdenken muss, ist, dass in jedem Smartphone mindestens ein Mikro steckt, im iPhone 5 sind es sogar drei.