Monbijou Theater

Kampfgeschehen in der Open-Air-Arena

Bereits als Shakespeare 1606 seinen "Macbeth" schrieb, war die Erzählung über 500 Jahre alt. Heute noch berührt uns diese schnörkellose Geschichte wie kaum eine andere – wenn sie gut erzählt wird. Es ist ein böser Spaß, den sich die drei Hexen mit Macbeth und seiner Welt erlauben und die uns die Abgründe menschlichen Tuns vor Augen führen. Und dennoch verlieben wir uns beim ersten Auftritt in den starken, kampfbereiten Macbeth. Und staunend bewundern wir Lady Macbeths zwingende Worte. Der serbische Regisseur Darijan Mihailovic reiht die Kampfszenen, Morde, Hexenerscheinungen und Prophezeiungen wie Zirkusnummern aneinander und Shakespeares größte Tragödie nimmt ungebremst und unaufhaltsam ihren Lauf. Goethe hielt "Macbeth" für Shakespeares Meisterwerk. Zusammen mit Friedrich Schiller wollte er das Stück 1800 in Weimar auf die Bühne bringen, doch niemand am Hof sprach Englisch. Drei Wochen später lag überraschend Schillers Übersetzung auf seinem Schreibtisch. In dieser Fassung ist die Tragödie jetzt im Monbijou Theater zu sehen. Die zweite Neuinszenierung des Sommers ist Goethes "Faust", der, wie wenige wissen, 1819 im Schloss Monbijou uraufgeführt wurde. Regisseur und Dramaturg Maurici Farré inszeniert "Faust" ebendort an seinem Ursprungsort, das Monbijou-Ensemble spielt den schweren Stoff ungewohnt heiter und leichtfüßig. Gemalte Bühnenprospekte nach Friedrich Schinkels Originalentwürfen führen das Publikum an Orte wie Fausts Laboratorium oder Gretchens Zimmer. Es gibt Handpuppen und sprechende Statuen. Auch Hanswurst und sogar die Gräfin Monbijou tauchen auf. Wer hätte gedacht, dass Goethes "Faust" so lustig sein kann?

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