Berlin/Hamburg

Zwölf Brandanschläge auf die Bahn

Vor G20-Gipfel: Linksextremisten bekennen sich zu deutschlandweiten Attacken. Auch S-Bahn in Berlin betroffen

Berlin/Hamburg.  Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben Unbekannte in mehreren Bundesländern Brände an Bahngleisen gelegt. Auch Berlin war betroffen, dort wurde am frühen Montagmorgen ein Anschlag auf die S-Bahn-Strecke zwischen Treptower Park und Baumschulenweg verübt. Auf der linksextremen Internetseite "Indymedia" tauchte kurz darauf ein Bekennerschreiben auf. Nach Informationen der Berliner Morgenpost prüft die Bundesanwaltschaft die Aufnahme von Ermittlungen.

In offenbar abgestimmten Aktionen sind nach Angaben der Bundespolizei in ganz Deutschland mindestens zwölf Anschläge verübt sowie zwei verhindert worden. Ziel waren vor allem Kabel an Bahngleisen. Es kam dadurch zu Signalstörungen und Ausfällen in der Stromversorgung, zahlreiche Zugfahrten fielen aus, Hunderttausende mussten deutschlandweit mit Verspätungen zurechtkommen.

In Berlin hatten Bahnmitarbeiter gegen 3.30 Uhr einen Brand in einem Kabelkanal unmittelbar am S-Bahnhof Treptower Park bemerkt. Es kam dort zu einem Stromausfall. Infolge der Löscharbeiten und der anschließenden Ermittlungen der Bundespolizei war der S-Bahn-Verkehr in diesem Bereich mehrere Stunden lang vollständig unterbrochen. Betroffen waren davon die Ringbahnlinien S41/42 sowie die S8, S85 und der Flughafen-Zubringer S9. Mit einiger Verzögerung richtet die S-Bahn einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Zehntausende Reisende mussten dennoch erhebliche Verspätungen auf ihrem Weg zur Arbeit oder zu anderen Terminen in der Stadt in Kauf nehmen.

Reparaturarbeiten werden erst heute abgeschlossen

Am Vormittag konnte die S-Bahn den Zugverkehr zumindest teilweise wieder aufnehmen, die Ringbahn fuhr zunächst aber nur alle zehn Minuten statt im üblichen Fünf-Minuten-Takt. Während die S8 und S9 verkürzt wurden, blieb der Zugbetrieb der S85 (Waidmannslust–Grünau) den gesamten Tag über eingestellt. Auch am heutigen Dienstag müssen sich die S-Bahn-Nutzer noch auf Einschränkungen einstellen. Die Reparaturen werden voraussichtlich erst am Dienstagnachmittag abgeschlossen sein. Bis dahin werden zwischen Treptower Park und Baumschulenweg weiter Busse statt Bahnen fahren.

Weitere Anschläge ereigneten sich nach Angaben der Bundespolizei unter anderem in Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig, Dresden sowie Bad Bevensen in Niedersachsen. Betroffen davon war auch die IC-Linie Hamburg–Berlin–Dresden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, die Kabelbrände gingen auf unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zurück. Die Anschläge trafen die Bahn an einer Stelle, die kaum flächendeckend zu schützen ist. Auf dem 40.000 Kilometer umfassenden deutschen Schienennetz werden nur einige zentrale Kabelschächte videoüberwacht.

Auf der linksextremen Internetplattform "Indymedia" tauchte ein mögliches Bekennerschreiben auf. Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte, das Schreiben sei bekannt und werde geprüft. In einem unter dem Pseudonym "Shutdown G20" verfassten Beitrag heißt es: "Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrere Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt."

Bereits jetzt blicken die Sicherheitsbehörden mit Sorge auf den bevorstehenden G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg. Man rechne damit, dass allein aus Berlin Hunderte Linksextreme zum Treffen der Staatschefs in die Hansestadt reisen werden. Seit mehr als einem Jahr beobachte man, wie die Szene sich warmlaufe, heißt es. In Berlin hatte es in den vergangenen Wochen mehrere Autobrände, Farb­attacken und weitere Sachbeschädigungen mit Bezug zum G20-Gipfel gegeben. In den Behörden rechnet man damit, dass die Schlagzahl linksextremer Aktionen sich in den nächsten Wochen noch erhöhen werde. Dass die Täter dabei gut organisiert vorgehen, hätten die Anschläge auf die Bahn gezeigt.

Bereits im Oktober 2010 und im Mai 2011 hatte es in Berlin Brandattacken auf das Schienennetz gegeben. Auch damals bekannten sich Links­extreme zu den Taten. Seiten 2 und 10

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