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„Der Verein ist wie eine zweite Familie“

Landessportbund und Feuersozietät verleihen zum zweiten Mal den „Sonderpreis für besondere ehrenamtliche Verdienste“. Die Zahl der Bewerber hat sich verdoppelt

Dass Michael Weber durch und durch Sportler ist, beweist er während unseres Interviews: Scheinbar mühelos strampelt er den Prenzlauer Berg hoch, direkt zum Training, und redet trotz der Anstrengung beflügelt über das Phänomen Sport. Radeln, erzählt er, sei ein geliebtes Hobby. „Ich weiß noch, dass ich als Jugendlicher eine Krise durchlebt habe und zu meiner Mutter sagte: ‚Ich höre auf, ich mache jetzt Radsport‘“. Doch seine eigentliche Leidenschaft konnte und wollte er doch nicht so schnell vergessen: den Florettsport. „Am Fechten liebe ich besonders, dass jedes Gefecht anders ist. Ein gutes Duell ist abwechslungsreich, dynamisch, einfach spannend, eine Herausforderung, bei der alles erprobt und alles gegeben wird.“ Auch für seinen Verein gibt Weber alles: Seit annähernd 20 Jahren ist der passionierte Sportler Präsident der Fechtgemeinschaft Rotation Berlin e.V. Zweimal wöchentlich trainiert er Kinder und Jugendliche, organisiert Turniere und arbeitet als Kampfrichter. Für sein Engagement wird Michael Weber nun belohnt. Als einer von vier Preisträgern erhielt er am vergangenen Donnerstag in der Spandauer Villa Schützenhof den mit 500 Euro dotierten „Sonderpreis für besondere ehrenamtliche Verdienste“.

Der Name wirkt auf den ersten Blick ungelenk. Doch die Auszeichnung, die der Landessportbund Berlin (LSB) in Kooperation mit der Feuersozietät Berlin Brandenburg verleiht, erfreut sich dennoch überraschend großer Popularität. Nachdem der Preis im vergangenen Jahr zum ersten Mal vergeben wurde, hat sich mit 70 Institutionen die Anzahl der Bewerbungen nun fast verdoppelt. Aus diesem Grund entschieden sich die Stifter auch, einen weiteren Preisträger zu benennen und die Zahl der Auszeichnungen von drei auf vier zu erhöhen. „Ich freue mich über die große Anzahl der sehr guten Bewerbungen in diesem Jahr“, sagt LSB-Präsident Klaus Böger. „Viele hätten den Sonderpreis verdient. Dennoch musste sich die Jury entscheiden. Die vier ausgewählten Preisträger setzen Maßstäbe für freiwilliges Engagement. Sie vertreten beispielhaft insgesamt rund 60.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Rückgrat des Berliner Vereinssports sind.“ Einige weitere dieser Ehrenamtlichen, zumeist langjährige Vereinsmitglieder, erhielten bei der Gala Ehrennadeln und -Plaketten.

Dass man sich jedoch nicht erst Jahrzehnte in einem Verein engagieren muss, um für seine ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet zu werden, beweist Malin Krainich. Die 24-jährige Wirtschaftspsychologie-Studentin „wirkt bereits den Großteil ihres Lebens aktiv am Vereinsleben mit“, heißt es im Bewerbungsporträt. „Über eine Schularbeitsgemeinschaft bin ich in ein bereits bestehendes Team hereingerutscht und ziemlich schnell im Wettkampfgeschehen gelandet“, erzählt sie selbst. „Mein Verein, der Basketball Berlin Süd e.V., wurde zu einer zweiten Familie. Nach einem Freiwilligenjahr habe ich zunächst aushilfsweise ein Kinderteam trainiert, später bin ich als Trainerin geblieben und so auch in den Vereinsvorstand gerutscht“, fügt sie hinzu. Malin Krainich kümmert sich an der Vereinsspitze in erster Linie um die Trainer. „Als Vorstandsmitglied bin ich für die Personalauswahl, aber auch die Schulung und Motivation neuer Trainer verantwortlich“. Dieses Engagement half ihr am Ende sogar, ein Thema für ihre Bachelor-Arbeit zu finden, die den Titel „Motive für ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe“ trägt. Einen besonderen Stellenwert hat für sie die Arbeit mit jungen Mädchen, die häufig nicht von sich aus zum Basketball finden. „Ich freue mich insbesondere darüber, dass wir nach einigen schwächeren Jahren wieder die Arbeit mit Acht- bis Elfjährigen intensiv aufgenommen haben und in der kommenden Saison sogar zwei Mädchenteams aufstellen“, konstatiert sie sichtlich stolz.

Mit dem weiblichen Nachwuchs hat der TSV Berlin-Wittenau 1896 e.V. keinerlei Probleme. Vor allem nicht Brigitte Sandow, die fast jeden Tag gut 35 Kinder trainiert und mit der unglaublichen Zahl von 99 Gymnastinnen am diesjährigen Turnfest teilnahm. Kein Wunder, dass ihr Verein resümiert, sie sei schlichtweg unersetzlich.

Unersetzlich ist auch der vierte im Bunde, Paul Mundstock, vor allem für seinen Verein, den Pfeffersport e. V. „Pfeffersport ist der Verein, in dem ich aufgewachsen bin, in dem ich gute Freunde gefunden habe und in dem ich dann auch ermutigt wurde, Übungsleiter zu werden. An der Bildung meines Selbstbewusstseins hat Pfeffersport einen nicht unerheblichen Anteil. Der Verein bedeutet mir sehr viel“, erzählt der Teamplayer, der sogleich auch die Vorzüge des Sports passend zusammenfasst. „Jeder Mensch braucht Bewegung und soziale Kontakte. Sporthallen und -plätze sind daher ideale Orte um unterschiedlichste Menschen zusammenzubringen. Im Sport lernt man sich kennen und entwickelt gegenseitiges Verständnis.“ Diesen Geist leben die vier Ausgezeichneten vor und zeigen: Ohne ehrenamtliches Engagement wäre der Breitensport verloren. Seine Vitalität verdankt er all den Helfern, die sich unentwegt für ihn engagieren.

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