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Ein Design-Tempel in Charlottenburg

Frischer, jünger, zeitgemäßer: Mit wechselnden Ausstellungen schlägt Tobias Hoffmann, Direktor des Bröhan-Museums in der Schloßstraße, einen Bogen vom klassischen Jugendstil bis in die hippe Gegenwart. Mit Erfolg

Im Bröhan-Museum wird dieser Tage Silber geputzt. Tobias Hoffmann möchte den Schaudepotraum nämlich in eine echte Schatzkammer verwandeln. Noch sind hier Exponate aus Glas zu sehen. Doch das wird sich bald ändern. „Wir haben sehr schöne Gebrauchsgegenstände aus Silber. Vor dem blauen Hintergrund wird das ein glänzender Augenschmaus“, freut sich der Direktor.

Den Schaudepotraum hat er einrichten lassen, um Schwerpunkte der Sammlung zu präsentieren. Die umfasst gut 30.000 Exponate. Darunter Möbel, Gemälde, Grafiken, Porzellan, Glas, Keramik und Teppiche. Es ist so ziemlich alles dabei. Von großformatigen Bildern bis zum winzigen Mokkalöffel. „Das Museum hat viel Vitrinenware. Die auszustellen, ist gar nicht so leicht“, sagt Tobias Hoffmann. Schließlich geht es dabei nicht um schiere Masse, sondern darum, jedes Objekt funkeln zu lassen und ihm angemessenen Raum zu geben. „Entstanden ist das aus der Sammlerhistorie. Man beginnt mit einer Vase, dann kommen noch Gläser und Gemälde hinzu“, erklärt der Direktor.

Namensgeber des Museums ist denn auch der Kunstsammler und Gründer Karl H. Bröhan (1921–2000). Von 1966 an baute er seine Sammlung kontinuierlich auf. Anlässlich seines 60. Geburtstags schenkte Bröhan einen Großteil seiner Sammlung dem Land Berlin. Seit Oktober 1983 ist sie in einem spätklassizistischen ehemaligen Kasernengebäude zu sehen, das zum Charlottenburger Schloss-Ensemble gehört.

Heute ist das Bröhan-Museum das Berliner Landesmuseum für Jugendstil, Art déco und Funktionalismus. „Unsere Sammlung ist einzigartig und von Weltrang. Damit haben wir einen starken Stand“, sagt Hoffmann selbstbewusst. Wer durch die Räume wandelt und dabei etwa den Schergentanz mit fünf edlen weißen Porzellanfiguren in dynamischer Drehung betrachtet, wird Hoffmann sofort zustimmen. Gestaltet von Hector Guimard, findet sich gleich daneben eines jener berühmten gusseisernen Schilder mit verflochtenen Elementen, die man von den Eingängen der Pariser Metro kennt.

Neues wird aus dem Depot geholt, anderes verschwindet

Hier im Erdgeschoss, wo der Sammlungsbestand gezeigt wird, liegt der Schwerpunkt seit dem vergangenen Sommer auf der Dualität von Deutschland und Frankreich zur Zeit des Jugendstils. Auf der Weltaufstellung 1900 wurde das Deutsche Reich noch für sein altmodisches Kunstverständnis international verspottet. Fortan setzte man auf moderne Gestaltung. Bald schon lieferten sich beide Länder einen kreativen Wettbewerb. Teils mit harten Bandagen, wie bissige Sprüche an den Wänden zeigen. Alle zwei bis drei Jahre ändert sich der Schwerpunkt. „Neues wird aus dem Depot geholt, anderes verschwindet dorthin“, so Hoffmann. Für das Museum eine gute Möglichkeit, mit der Vielfalt seines Bestandes zu wuchern.

Außerdem hat Tobias Hoffmann die Sammlung im Bereich des Funktionalismus um neue Objekte erweitert. Darunter die Frankfurter Küche, die erste Einbauküche überhaupt, und den dazugehörigen Serien für Aufbewahrungsmöbel, eine Art Billy-System der 20er-Jahre. Schlicht und funktional, allerdings aus hochwertiger Vollholz-Qualität. „Gut gestaltet und so günstig wie möglich, ist das ein Gegenentwurf zum Bauhaus, das eher mit dem Luxus geliebäugelt hat“, erzählt Hoffmann. Für ihn ist das Thema Gestaltung in der Stadt unterrepräsentiert. Zumal das Bauhaus-Archiv bald wegen Sanierung schließt. „Dabei führt Berlin den Unesco-Titel ‚City of Design‘. Wir sind bemüht, diese Lücke zu füllen“, bekennt der Direktor.

Der gebürtige Münchner Tobias Hoffmann übernahm die Leitung des Hauses im Februar 2013. Zuvor war er Leiter des Museums für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt. Von Anfang an hat er daran gearbeitet, das Bröhan-Museum frischer, jünger und zeitgemäßer zu präsentieren. In der Vergangenheit fanden vorwiegend ältere Jahrgänge Gefallen am Jugendstil. Jener Stilrichtung also, die sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts gegen althergebrachte Formen wandte. Kennzeichnend sind dekorativ geschwungene Linien sowie florale Ornamente.

Tobias Hoffmann war es wichtig, mit großen Ausstellungen im ersten Stock den thematischen Bogen vom Jugendstil bis zur Gegenwart zu schlagen. Gleich seine erste Sonderschau war ein Paukenschlag: „Schrill. Bizarr. Brachial. Deutsche Designer der 80er-Jahre“. Ab dem 15. Juni ist hier die Ausstellung „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ zu sehen, kuratiert von Anna Grosskopf.

Die legendären Plakate des Grafikers Günther Kieser

Zudem hat Tobias Hoffmann in der dritten Etage eine Blackbox für Design eingerichtet. Aktuell wird hier noch bis zum 23. Juni die Ausstellung „Kieser, Plakate“ gezeigt. Günther Kiesers legendäre Jazz- und Rock-Plakate, wie etwa das weltberühmte Motiv von Jimi Hendrix oder die zahlreichen Arbeiten für das JazzFest Berlin entstanden alle analog. Kaum vorstellbar in unserer digitalen Zeit. Die zweite Etage gehört nicht zum Museum, sondern wird von einem Forschungslabor genutzt. Noch, bis 2019. Dann wird das Museum erweitert. Es bleibt spannend im Bröhan-Museum.

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