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Bissige Polit-Satire sorgt für Lacher

Margie reicht es! Erst flattert ein magerer Rentenbescheid ins Haus, dann soll sie auch noch aus ihrer Wohnung fliegen. Der wohl einzigen nicht luxussanierten Bleibe in ganz Mitte. Notorisch klamm, proklamiert sie deshalb gemeinsam mit Sohn Kevin und ihrem Untermieter einen eigenen Staat: die Freie Republik Dorotheanien. Seine Probleme ist das anarchische Trio damit allerdings nicht los. Es kommen sogar noch mehr dazu. Und zwar komplizierte, von der staatstragenden Sorte.

Mit dem neuen Programm "Zwei Zimmer, Küche: Staat!" in der Regie von Dominik Paetzholdt gelingt dem Kabarett-Theater Distel ein echter Bühnenhit. Temporeich, mit hoher Gagdichte und einer Underdog-Story, die wie gemacht ist für bissige Polit-Satire. Mit Dagmar Jaeger und Michael Nitzel steht das Dreamteam des Hauses auf der Bühne, tatkräftig unterstützt von Ensemble-Neuzugang Rüdiger Rudolph. Der überzeugt unter anderem als präpotenter, realitätsfremder US-Präsident Trump auf Überraschungsbesuch. Für musikalische Akzente sorgen Matthias Lauschus und Fred Symann.

Fast schon nebenher wird eine kunterbunte Palette aktueller Themen abgehandelt: Populisten, Eurokrise, Reichsbürger, Diktatoren oder Flüchtlinge. Das Augenmerk gilt aber natürlich der neuen Republik. Etwa, wenn Kevin als Innenminister den Kneipengang zum Staatsbesuch erklärt und die Zeche schuldig bleiben will.

Während Dagmar Jaeger mit herrlich selbstironischem Spiel von der verzweifelten alten Schachtel zur Kanzlerin wider Willen mutiert, dürfen ihre Mitstreiter in wechselnden Rollen alle Register ziehen. Kahlkopf Nitzel etwa verwandelt sich mit Perücke in den öligen Spekulanten Böhm. Allein die Kostüme (Hannah Hamburger) sind schon einen Lacher wert.

Distel Friedrichstr. 101, Mitte, Tel. 204 47 04, Termine 6. & 13.5., 3. & 24.6., 17 & 20 Uhr, 8.– 12.5., 29.5.–2.6., 4.6., 19.–23.6., 20 Uhr, Karten ab 16 Euro

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