Bühnen

Theater um die Spielstätte

Der Mietvertrag des Theaters ohne Namen (o.N.) droht nicht verlängert zu werden

KERSTIN ROOSE

Zum Gehen gezwungen, aber zum Bleiben gewillt: Seit März steht fest, dass das Theater o.N. seine Spielstätte in der Kollwitzstraße 53 verlassen soll. Nach langjährigem Streit um die Lautstärke des Theaterbetriebs haben sich die Eigentümer des Hauses entschieden, den im Juli auslaufenden Mietvertrag nicht zu verlängern. In einer Gegend, in dem Veränderung die einzig verlässliche Konstante ist, sorgt die Entscheidung für Unmut. Denn sie betrifft eine kulturelle Institution, die maßgeblich zur lokalen Tradition des Viertels gehört.

Das Theater o.N. blickt auf eine lange Tradition zurück. Drei Mitglieder des 14-köpfigen Ensembles gehörten zum bereits 1979 in der DDR gegründeten Theater Zinnober, aus dem das Theater o.N. in den 90er-Jahren hervorging. Seit 20 Jahren spielt das Ensemble in der Kollwitzstraße, vor allem für Kinder. Stücke für Zuschauende ab zwei Jahren stehen auf dem Spielplan. Die Konsequenzen eines Standortwechsels würde diese Zielgruppe besonders spüren. Kurzen Beinen sind lange Wege durch die Innenstadt kaum zuzumuten.

Der Streit um das Theater
o.N. markiert die Möglichkeiten und Grenzen urbanen Miteinanders. Wo notorisch verschiedene Bedürfnislagen auf engem Raum zusammentreffen, ist Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten gefordert. Das zeigte jüngst die Beilegung des Konflikts um die Kudamm-Bühnen, die nur mit räumlichen Einschränkungen für das Theater möglich wurde.

Im Theater o.N. richten sich die Bemühungen und Hoffnungen des Ensembles nun darauf, doch noch eine Verlängerung des Mietvertrags zu erreichen. Große Unterstützung erhält es dabei sowohl von öffentlicher als auch von kulturpolitischer Seite. Der Senat hat die Finanzierung eines weiteren Gutachtens sowie eines Planungskonzepts für Schallschutzmaßnahmen bewilligt, nachdem das erste Gutachten den Eigentümern nicht genügt hatte. Zudem hat sich Kultursenator Klaus Lederer schriftlich an die Eigentümer gewandt und um ein Gespräch gebeten, das Ende April stattfinden soll.

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