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Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört

Der Bau-Boom in der City West hält an. Kudamm und Campus Charlottenburg verbinden sich kontinuierlich

TOBIAS VON HEYMANN

Wo genau die City West anfängt und wo sie endet, ist nicht so klar. Stadtplaner des Regionalmanagements gliedern das westliche Zentrum Berlins jedoch in zwei wesentliche Funktionsbereiche: Der eine beschreibt das Einzugsgebiet des gesamten Kudamms in seiner Rolle als Hotspot des Einzelhandels. Der andere erstreckt sich mit dem Campus Charlottenburg um den Ernst-Reuter-Platz und die Technische Universität.

Diese beiden Zonen möchte das Regionalmanagement in Zukunft weiter verbinden. "Mit der Eröffnung des Zoofensters Anfang 2013 begann der Startschuss für die neue City West so richtig", sagt Thomas Krahl, Assistent des Regionalmanagements. So revitalisierten sich Bestandsbauten wie das Bikinihaus, das seit 2014 komplett modernisiert als Einkaufszentrum neu eröffnete. An Otto-Suhr-Allee und Fraunhofer Straße entstanden mit dem Carré Charlotte insgesamt 134 Wohnungen in Nähe des Ernst-Reuter-Platzes.

Sowieso ist die Bautätigkeit zwischen Zille- und Bismarckstraße unübersehbar. Wo früher teilweise noch eingeschossige Nachkriegsbauten standen, wachsen nun Wohn- und Bürohäuser, so dass halbe Straßenzüge ihr Gesicht verändern. Auch ab Höhe der Katharinenstraße sind größere Baustellen unübersehbar. Und an der nahen Heilbronner Straße gehen die Bauarbeiten am "High End" mit seinen fünf Gebäuden mit insgesamt 121 Eigentumswohnungen dem Ende entgegen – der überwiegende Teil der Apartments ist bereits verkauft.

"Wir wollen den Campus Charlottenburg als wichtigen Standort für Forschung, Technologie und Kultur besonders pushen", sagt Krahl. So soll das 2010 eröffnete Centre for Entrepreneurship der TU seine Rolle als Anlaufstelle für junge Firmengründer weiter ausbauen. Das Charlottenburger Innovations-Centrum "CHIC" ist seit Eröffnung der Erweiterungsbauten an der Bismarckstraße 2015 unter der Woche mehr als gut besucht. Zusätzlich zu diesem auch baulich weiter wachsenden Forschungs- und Technologiestandort kommen Kultur und Lifestyle zum Zug. So etabliert sich die Kantstraße als Designmeile rund um den Magneten Stilwerk. Galerien hübschen ihr Gesicht auf. Im Yva-Bogen baut die Yorck-Kinogruppe ein neues Arthouse-Kino mit sieben Sälen. Es tut sich jede Menge in der West-City.

Gottfried Kupsch vom Vorstand der AG City begrüßt den Boom im Westen der Hauptstadt. "Gerade die Verdichtung der Räume ist außerordentlich wichtig", sagt er. "Das entlastet den Verkehr und die Menschen profitieren von kurzen Wegen."

Gleichzeitig solle aber auch Identität und Charakter des Gebiets erhalten bleiben. "In der City West findet sich ein hoher Prozentsatz an inhabergeführten Geschäften", sagt Kupsch. "Davon lebt der Stadtteil, das ist das Salz in der Suppe." Und auch die Restaurant- und Cafébetreiber werden vom Zuzug profitieren – für die kommenden Jahre sagen Prognosen voraus, dass die Einwohnerzahl von Charlottenburg um 2,2 Prozent steigt. "Aktuell beschäftigt uns außerdem das Thema, was sich für die sogenannte letzte Meile beim Lieferverkehr verbessern lässt", sagt Kupsch. "Hier überlegen wir, ob zum Beispiel mehr Lastenfahrräder zum Einsatz kommen können." Außerdem solle die City West insgesamt fahrradfreundlicher werden. Gerade auf dem Tauentzien sollte ihnen mehr Platz eingeräumt werden.

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