Berlin

Staatssekretär wird neuer BER-Chef

Engelbert Lütke Daldrup folgt auf Karsten Mühlenfeld. Der Regierende Bürgermeister verlässt den Aufsichtsrat

Berlin. Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld muss wegen eines tief sitzenden Zerwürfnisses mit weiten Teilen des Aufsichtsrates gehen. Sein Nachfolger wird Berlins Flughafenstaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD), wie der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) am Montag nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums bekannt gab. Es ist der vierte Geschäftsführer, der sich seit der geplatzten Eröffnung 2012 daran versucht, den Flughafen BER in Schönefeld zu Ende zu bauen.

Müller sagte, das Kontrollgremium habe dem Vorschlag einstimmig zugestimmt. Lütke Daldrup sei „am nächsten dran“ an der Baustelle und sichere eine personelle Kontinuität, so die Begründung. Der 60-Jährige werde bereits ab diesem Dienstag seine neue Aufgabe wahrnehmen. Der von Mühlenfeld abberufene Bauleiter Jörg Marks kehrt zurück und nimmt seine Arbeit sofort wieder auf. Ob der von Mühlenfeld als sein Nachfolger angeheuerte Christoph Bretschneider eine Rolle im Projekt spielen wird, ließ Müller offen. Das müsse der neue Chef entscheiden. Müller selbst kündigte an, nach dem Seitenwechsel seines Vertrauten Lütke Daldrup aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden. „Das war heute meine letzte Aufsichtsratssitzung“, sagte der Regierende Bürgermeister. 2014 hatte er nach einigem Zögern als Nachfolger von Klaus Wowereit auch diesen Posten übernommen.

Nun sprächen „Compliance-Gründe“ dagegen, dass er seinen früheren Staatssekretär kontrolliere, sagte Müller. Die Vertragsgestaltung für den neuen Geschäftsführer soll am 17. März zur nächsten Aufsichtsratssitzung vorliegen. Die stellvertretenden Chefs des Kontrollgremiums, Rainer Bret­schneider aus Brandenburg und Holger Rößler, Arbeitnehmervertreter von Verdi, sollen die Details aushandeln. Bretschneider wird voraussichtlich bei der nächsten Sitzung zum Vorsitzenden gewählt. Wer Berlins Plätze besetzen wird, ist noch offen.

Über das Wochenende hatten sich Pläne zerschlagen, einen erfahrenen externen Manager für den Weiterbau zu engagieren. Am Ende waren dann alle im Aufsichtsrat geneigt, Müllers Vorschlag zuzustimmen und Lütke Daldrup zu nominieren. Am Mittwoch, beim ersten Teil der Sondersitzung zur Mühlenfeld-Ablösung, hatte sich Brandenburg noch gegen den Vorschlag gestemmt, am Wochenende jedoch Einverständnis signalisiert. Am Montag war es dann der Bund, der bis zuletzt Bedenken äußerte, ehe die Vertreter dann einlenkten.

Mühlenfeld hatte sich mit dem Aufsichtsrat überworfen, als er in der vorvergangenen Woche überraschend BER-Bauleiter Marks abberief. Zwei Wochen zuvor hatte der Aufsichtsrat noch der gesamten Geschäftsführung und damit auch Marks das Vertrauen ausgesprochen, obwohl technische Schwierigkeiten mit Türen und Sprinklern zur Absage des angepeilten Starttermins Ende 2017 geführt hatten. Zuletzt tauchte ein anonymes Papier auf, das angebliche Versäumnisse Marks’ sowie weitere technische Probleme an der Schnittstelle zwischen Brandmeldeanlage und dem Sprinklersystem auflistete. Dieses Papier habe aber im Aufsichtsrat keine Rolle gespielt, sagte Müller.

Mühlenfeld hatte bereits am Wochenende einen Aufhebungsvertrag mit den Gesellschaftern ausgehandelt, seinen Widerstand gegen seine Ablösung gab der Manager auf. Dem Vernehmen nach erhält Mühlenfeld 800.000 Euro aus seinem bis 2020 laufenden Vertrag als Abfindung ausgezahlt. Der Geschäftsführung gehört weiter die bisherige Finanzchefin Heike Fölster an. Hinzukommt neu ein Arbeitsdirektor, der auf Vorschlag der Arbeitnehmer am 17. März zur Wahl steht.

Nach Ansicht der Berliner CDU kommt das BER-Projekt mit dem neuen Geschäftsführer vom „Regen in die Traufe“, sagte Fraktionschef Florian Graf: „Nun sollen noch mehr Politiker den Großflughafen fertigstellen. Müller stiehlt sich davon, nicht jedoch ohne weiteren roten Filz zu verbreiten.“ Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte alle Beteiligten auf, „an einem Strang zu ziehen“. Entscheidend sei, dass das BER-Projekt vorankomme.Seiten 2 und 3