Die Szenebezirke sind bei Studenten stark gefragt – aber wo wohnen sie wirklich?

Wenn ’s geht, bitte innerhalb des S-Bahnrings

Berliner Studenten leben am liebsten in den Szenebezirken.Doch der Wohnraum wird knapper – Alternativen sind gefragt

MAX MÜLLER

„Suche WG-Zimmer in Neukölln“, flattert es von einem Zettel, der an einer Ampel am Hermannplatz hängt – halb abgerissen, leicht bekrakelt. Wer weiß, wie lange dieser Zettel dort schon hängt, ob der Suchende fündig geworden ist? Klar ist nur, der Wohnungsmarkt, insbesondere für Studenten, er wird nicht einfacher.

Das bestätigt auch eine aktuelle Studie des Moses Mendelssohn Instituts, die in Kooperation mit der Wohnungsplattform wg-gesucht.de erstellt wurde. Im sogenannten Anspannungsindex logiert Berlin mit 61 von 100 Zählern hinter München, Frankfurt am Main und Köln zwar nur auf Rang sechs, doch sind gerade in der Hauptstadt die Mietpreise für kleine Wohnungen und WG-Zimmer in den letzten Jahren enorm angezogen – Tendenz steigend.

In der Hauptstadt macht sich das insbesondere in den Szenebezirken, die innerhalb des S-Bahnrings liegen, bemerkbar. In Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln, aber auch in Mitte, Charlottenburg und seit einigen Jahren Moabit wird die Wohnraumverknappung allerorts sichtbar. Die Folge sind überzogene WG-Castings, Massenbesichtigungen und ein Ansturm auf Wohnungsgenossenschaften.

Doch je schwerer es auf dem Berliner Markt wird, desto mehr schauen sich Studenten nach Alternativen um. So scheint sich nach 17 Jahren der Milleniums-slogan „Der Wedding kommt“ endlich zu bewahrheiten, wofür einiges getan wurde. Vom Leopoldplatz etwa wurde die Trinkerszene verbannt, der Raum umgestaltet – seitdem zieht es auch immer mehr Studenten in den Kiez. Auf dem lange brach liegenden Gelände rund um den Plänterwald wächst das erste studentische Containerdorf kontinuierlich, Rummelsburg und Lichtenberg gelten nicht mehr als verschnarcht, sondern als letzte Bastion der Kreativen – und auch als gute Wohnadresse für junge Familien. Selbst Marzahner Platte rückt in den Fokus junger Menschen.

Das alles passiert, ohne dass die Politik großartig interveniert. Der Andrang, der „Hype“ um die Hauptstadt, ist einfach zu gewaltig. Der neuste Trend sind sogenannte Mikroapartements (s. Seite 18), für die mitunter nicht einmal Besichtigungen nötig sind, sondern Studenten selbst von der Ferne mit einem Klick zum ersehnten Mietvertrag kommen. Doch kostet die Vollmöblierung auch deutlich extra.

Der studentische Wohnungsmarkt, er bleibt spannend und voller Anspannung, denn Berlin bewegt sich unaufhörlich.

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