Berlin

Rot-Rot-Grün will mehr Geld für den Berliner Sport ausgeben

Hochschulverträge als Modell: Koalition will mit Sportbund Kontrakt über Ziele und Finanzierung abschließen

Berlin. Die künftige Landesregierung von SPD, Linken und Grünen plant eine grundsätzlich neue Finanzierung des Breiten- und Leistungssports in der Stadt. Ähnlich wie bei den Hochschulen, will die Koalition einen Vertrag mit dem Landessportbund (LSB) abschließen, der die Finanzierung sichert. Dabei soll es mehr Geld geben als bisher. Damit entspricht die Koalition einer langjährigen Forderung der Vereine.

Bislang wurde der Sportbetrieb vor allem aus Lottomitteln finanziert. Durch die weitgehende Öffnung des Glücksspielmonopols vor allem bei Sportwetten sind die Einnahmen daraus aber seit Jahren rückläufig. Der Finanzierung des Leistungs- und Breitensports gingen in den vergangenen Jahren deshalb jeweils langwierige Verhandlungen voraus. Der LSB forderte dagegen eine mittelfristige Absicherung der Finanzen, um mehr Planungssicherheit zu haben.

Das sagen die künftigen Koalitionspartner nun zu. Die Sportförderung soll unabhängiger von Lottomitteln gestaltet werden. „Um dem organisierten Sport verlässliche Rahmenbedingungen zu bieten, wird die Koalition mit dem Landessportbund einen mehrjährigen Vertrag über qualitative und quantitative Ziele und die Finanzierung schließen“, heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, Linkspartei und Grünen. „Dieser Globalsummenzuschuss wird aufgrund der stark gestiegenen Zahl von organisierten Sportlern in der Stadt erhöht.“ Die prozentuale Zuweisung der Lottomittel soll zwar wie bisher bestehen bleiben, wird dann aber durch Landesmittel entsprechend aufgestockt.

Der Landessportbund zeigte sich am Wochenende angesichts der Ankündigung sehr zufrieden. „Wir begrüßen das außerordentlich“, sagte LSB-Präsident Klaus Böger der Berliner Morgenpost. „Wir erwarten jetzt, dass die künftige Koalition auch Wort hält und eine Fördervereinbarung nach dem Vorbild der Hochschulverträge mit dem Sport abschließt.“ Frühere Landesregierungen hätten ähnliche Versprechungen abgegeben, ihnen aber keine Taten folgen lassen.

Den Hintergrund für die Forderung des Sports bildet der Rückgang der Einnahmen aus dem Lottogeschäft. 25 Prozent dieser Einnahmen fallen an den Sport, doch sie sinken seit Jahren. Erhielt der Landessportbund im Jahr 2002 noch 10,7 Millionen Euro aus Lottomitteln, waren es zuletzt nur noch acht Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum stieg die Mitgliederzahl der Vereine jedoch von 537.000 auf 620.000. Dazu kommen noch rund eine halbe Million Berliner, die zwar regelmäßig Sport treiben, aber nicht in einem Verein organisiert sind.

Im Koalitionsvertrag sichert die neue Regierung zudem zu, das Sportstättensanierungsprogramm in der Höhe des Etats für 2017 fortzuführen. Der LSB beklagt seit Jahren einen enormen Sanierungsstau an den Sportanlagen. Insgesamt wären nach seinen Angaben 160 Millionen Euro nötig, um sie zu sanieren. In diesem Jahr stehen 13,5 Millionen Euro für 68 Vorhaben zur Verfügung. Die Investitionsbank Berlin (IBB) soll nach den Plänen von Rot-Rot-Grün auch Förderprogramme für Sportvereine auflegen. So sollen mehr Vereine Grundstücke zu ermäßigten Sätzen für 50 bis 99 Jahre in Erbpacht erhalten können. Für Olympiapark, Sportforum Hohenschönhausen und Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sollen „zeitnah“ Konzepte entwickelt und die Sanierung sichergestellt werden. Seiten 2 und 10