Berlin

Pendeln teurer: Neue Preise bei Bus und Bahn

Verkehrsverbund beschließt neue Ticketpreise für 2017. Monatskarte für das Umland kostet mehr als 100 Euro

Berlin. Bus- und Bahnfahren in Berlin wird abermals teurer. Am Donnerstag beschloss der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) neue Ticketpreise. Sie gelten ab dem kommenden Jahr für die Fahrgäste von Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), Berliner S-Bahn sowie den 42 öffentlichen und privaten Verkehrsunternehmen aus Brandenburg.

Innerhalb des Tarifgebiets AB bleiben die Preise weitestgehend stabil. Allein der Einzelfahrschein verteuert sich um zehn Cent auf 2,80 Euro. Die besonders bei Berlinern beliebte Vier-Fahrten-Karte kostet weiterhin neun Euro, sprich 2,25 Euro pro Fahrt. "Im Prinzip werden Einzelfahrscheine damit nicht teurer", heißt es beim VBB. Auch die Monats- und Jahreskarten im Tarifgebiet AB steigen nicht im Preis, egal ob im Abonnement oder nicht. Ebenfalls keine Erhöhung gibt es bei den Fahrradtarifen und bei der Kurzstrecke. Einen verhältnismäßig hohen Anstieg gibt es bei der Kleingruppen-Tageskarte, die sich etwa im Gebiet AB um 13,1 Prozent auf 19,90 Euro verteuert.

Vor allem Pendler aus dem Umland zahlen drauf. Der Einzelfahrschein ABC kostet ab Januar 3,40 statt 3,30 Euro. Gleiches gilt für die Monatskarte ABC, die sich um 60 Cent auf 100,50 Euro verteuert. Eine vergleichsweise geringe Erhöhung, allerdings wird damit erstmals die psychologisch bedeutsame 100-Euro-Grenze überschritten. Der Preis für die Jahreskarte ABC steigt um sechs auf 976 Euro. Neu ist die Vier-Fahrten-Karte ABC für 13,20 Euro.

Im Gegenzug versucht der VBB, Familien mit Kindern entgegenzukommen. Die geplante Abschaffung der Geschwisterkarte ist vom Tisch, sie kostet weiterhin 18 Euro im Monat. Zudem können bei Tageskarten künftig bis zu drei Kinder umsonst mitgenommen werden, wobei eine Person älter als 14 sein muss. Insgesamt werden Tickets für Schüler und Auszubildende außer im Gebiet BC nicht teurer. Das Schülerticket AB soll künftig auf die elektronische VBB-Fahrcard umgestellt werden.

Zum dritten Mal berechnet der VBB die neuen Tarife anhand eines Indexes. Er ergibt sich zu 83 Prozent aus der Inflationsrate sowie zu jeweils 8,5 Prozent aus den Kraftstoff- und Strompreisen. Weil dabei die vergangenen fünf Jahre berücksichtigt werden, kommt die aktuell niedrige Inflationsrate weniger stark zur Geltung. Zu Buche schlagen dagegen die gestiegenen Löhne und Strompreise der vergangenen Jahre.

Im Vergleich zur letzten Preisanhebung von 1,84 Prozent fällt der Index mit einem Plus von 0,56 Prozent dieses Mal moderater aus, es ist nach Angaben des VBB sogar die niedrigste Anpassungsrate aller Zeiten. Das gilt allerdings nicht für das Tarifgebiet Potsdam AB, wo die Preise um durchschnittlich vier Prozent steigen. "Niemand wird übermäßig zur Kasse gebeten", sagte VBB-Chefin Susanne Henckel. "Vor allem Familien und Stammkunden werden sowohl von der erweiterten Mitnahmemöglichkeit bei den Tageskarten als auch der Vier-Fahrten-Karte profitieren."

Die Grünen prangern das Index-Verfahren an, da es nicht ausreichend Indikatoren beinhalte. Auch seien Preiserhöhungen ob des wirtschaftlichen Erfolges von BVG und S-Bahn nicht nachvollziehbar. "Die Preise müssen runter – nicht rauf", sagte der Abgeordnete Stefan Gelbhaar. Die Erhöhung müsse aufgeschoben werden, der Senat sein Veto einlegen. Linke und Grüne kündigten an, im Falle einer künftigen Regierungsbeteiligung von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen.

Die Fahrpreise werden Teil der anstehenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Linken und Grünen sein. Diese Parteien werden ab dem 8. Dezember mit großer Wahrscheinlichkeit den neuen Senat bilden. Seiten 2 und 10

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