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Abheben mit dem TU-Flugsimulator

Jugendreporter der Morgenpost testen ihre Flugkünste – mit dem Simulator des Instituts für Luft- und Raumfahrt an der Technischen Universität.

Im Cockpit: Die Schülerreporter der Morgenpost hatten im Flugsimulator viel Spaß

Im Cockpit: Die Schülerreporter der Morgenpost hatten im Flugsimulator viel Spaß

Foto: Joerg Krauthoefer

Wolltet Ihr auch schon immer wissen, wie es im Cockpit eines Flugzeuges aussieht und wie es sich anfühlt, Pilot oder Pilotin zu sein? Die Jugendreporter Lilly (14), Hannah (13) und Tom (13) haben es für Euch ausprobiert. In einem Flugsimulator des Instituts für Luft- und Raumfahrt (ILR) der Technischen Universität durften die drei Schüler ihre Flugkünste testen. Ingenieur Bernd Boche, zuständig für die Flugsimulatoren am Fachgebiet Flugmechanik, Flugregelung und Aeroelastizität des ILR, beantwortete ihre Fragen.

Wer benutzt eigentlich diesen Flugsimulator?

Bernd Boche: Realitätsgetreue Flugsimulatoren, welche von den Luftfahrtbehörden zugelassen sind, dienen zur Pilotenausbildung und zum Pilotentraining, um teure Flugstunden zu sparen und in sicherer Umgebung das Verhalten in kritischen Situationen üben zu können. Der von euch genutzte Flugsimulator SEPHIR, dessen Cockpit einem modernen Verkehrsflugzeug entspricht, wird hauptsächlich in der Forschung und Lehre eingesetzt, um mit ihm Flugeigenschaften, neue Bedien- und Anzeigekonzepte sowie neuartige Simulationsmodelle in Forschungsprojekten zu untersuchen. Außerdem dient er dazu, den Studenten die Theorie, die in den Vorlesungen vermittelt wird, in praktischen Übungen im Flugsimulator zu veranschaulichen.

Wo stand denn eigentlich der erste Flugsimulator?

Der allererste Flugsimulator der Welt stand tatsächlich in Deutschland, genau genommen auf dem Flugplatz Döberitz, etwa um das Jahr 1915. Allerdings kann man diesen nicht mit einem Flugsimulator unserer Zeit vergleichen. Erst der um 1930 von Edwin Albert Link in den USA entwickelte Link-Trainer kann als Vorgänger heutiger Flugsimulatoren bezeichnet werden.

Und womit übten die Piloten, bevor es einen Flugsimulator gab?

Sie flogen zusammen mit einem erfahrenen Piloten in einem echten Flugzeug. Natürlich ohne Passagiere, und meist war das Flugzeug auch sehr klein.

Nehmen wir einmal an, ich würde die Strecke von Berlin nach Köln mit dem Flugsimulator als Pilot üben, würde ich dann die ganze Strecke fliegen?

Ja. Wenn Piloten von Fluggesellschaften in zertifizierten Flugsimulatoren trainieren, dauert diese Trainingseinheit meistens vier Stunden. Die Flugzeit von Berlin nach Köln beträgt rund eine Stunde. Die Piloten könnten also während ihres Trainings einen Hin- und Rückflug durchführen und zum Beispiel noch ein paar zusätzlichen Landungen unter erschwerten Bedingungen üben. Für einen Langstreckenflug von Berlin nach New York reicht die Trainingszeit allerdings nicht, hier können nur bestimmte Flugabschnitte geübt werden.

Wo befinden sich denn gefährliche Landebahnen?

Der Anflug auf den Flughafen von Madeira – Funchal – verlangt von den Piloten viel Erfahrung und Können, da der Flughafen durch den Atlantik und die Berge eingeschlossen ist und somit oft schwierige Windverhältnisse vorherrschen. Für diesen Flughafen müssen die Piloten speziell ausgebildet werden. Der Anflug auf den Flughafen von Gibraltar ist für die Piloten auch sehr anspruchsvoll, da dieser zwischen dem Mittelmeer und der Bucht von Algeciras liegt und die Start- und Landebahn mit zirka 2000 Metern nicht besonders lang ist.

Werden auch Turbulenzen, wie zum Beispiel ein Unwetter, am Flugsimulator simuliert?

Natürlich. Der Pilot muss ja auch im Falle eines Unwetters oder eines Triebwerkausfalls das Flugzeug sicher weiterfliegen können. Das lässt sich alles am Flugsimulator einstellen.

Nach diesem kurzen Interview geht es für uns in den Flugsimulator. Von außen sieht er aus wie ein riesiges metallenes Ei, doch von innen wie ein echtes Cockpit mit Hunderten von Knöpfen und Hebeln. Und schon geht es los. Jeder von uns darf einmal fliegen. Auf einem riesigen Bildschirm sehen wir unsere Landebahn, auf die wir zufliegen sollen. Durch den Bildschirm haben wir die Illusion, wirklich zu fliegen, und wir vergessen, dass man in einem Simulator sitzt. Wir dürfen noch einen weiteren Flugsimulator testen, und Bernd Boche gibt uns ein paar Tipps, wie wir gerade auf der Landebahn landen können. Das ist nicht ganz einfach, doch nach ein paar Anläufen haben es fast alle lebendig bis zur Landebahn geschafft....

Lilly Gocht, Hannah Lohey und Tom Bornfleth, Klasse 8a, Schulfarm Insel Scharfenberg, Reinickendorf