Düsseldorf/Wriezen –

Terroranschlag in Düsseldorf geplant: Eine Spur führt nach Brandenburg

Behörden nehmen vier verdächtige Syrer fest. Einer von ihnen lebte in Flüchtlingsheim in Wriezen

Düsseldorf/Wriezen.  Die Bedrohung durch den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) wird auch in Deutschland konkret: Die Terrororganisation hatte offenbar mehrere Männer eingeschleust, die in der Düsseldorfer Altstadt einen Anschlag verüben sollten. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, wurden drei Beschuldigte am Donnerstag festgenommen. Gegen ein viertes mutmaßliches IS-Mitglied, das zurzeit in Frankreich in Untersuchungshaft sitzt, wurde Haftbefehl erlassen.

Zwei der Terroristen sollten sich in der Heinrich-Heine-Allee, einer wichtigen Verkehrsachse in Düsseldorf, selbst in die Luft sprengen. Anschließend sollten weitere Attentäter Passanten mit Gewehren und Sprengsätzen töten. Hinweise, dass die Männer bereits mit der Umsetzung der Pläne begonnen hatten, liegen laut Bundesanwaltschaft nicht vor.

Die Beschuldigten sind alle syrische Staatsbürger. Den Ermittlungen zufolge sollen sich der 25-jährige Saleh A. und der 27-jährige Hamza C. im Frühjahr 2014 in Syrien dem IS angeschlossen haben. Den Auftrag für den Anschlag erhielten sie laut Bundesanwaltschaft unmittelbar von der Führungs­ebene der Terrororganisation. Im Mai 2014 sollen sie aus Syrien in die Türkei und im März und Juli 2015 getrennt voneinander über Griechenland nach Deutschland gereist sein. Nach Informationen der Berliner Morgenpost nutzten sie dabei wechselnde falsche Identitäten.

Spätestens im Januar 2016 überzeugten sie den Ermittlungen zufolge auch den 25 Jahre alten Mahood B., sich an dem Anschlag zu beteiligen. Außerdem nahmen Saleh A. und der ebenfalls beschuldigte Abd Arahman A. K. Kontakt zueinander auf. A. gilt als Sprengstoffexperte und soll im Auftrag des IS bereits im Oktober 2014 nach Deutschland gereist sein.

Mahood B. und Abd Arahman A. K. wurden in Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) und Leimen (Baden-Württemberg) festgenommen. Den 27 Jahre alten Hamza C. setzten brandenburgische Beamte in einer Flüchtlingsunterkunft im Wriezener Ortsteil Bliesdorf nahe Bad Freienwalde im Oderbruch fest. Dort wurde er am 11. September des vergangenen Jahres erstmals registriert. Die Unterkunft ist für 350 Menschen ausgelegt. Der 27-Jährige habe einen Asylantrag gestellt, über den noch nicht entschieden sei. Zwischenzeitlich sei der Syrer abgetaucht, hieß es im Landratsamt. Erst am Mittwoch sei er wieder in seiner Unterkunft erschienen und habe seine Unterstützung von knapp 390 Euro abgeholt. Davor habe er sich fünf Monate lang nicht blicken lassen.

Der entscheidende Tipp für die Festnahme der Beschuldigten kam von Saleh A. Der als Terrorplaner Beschuldigte offenbarte sich im Februar dieses Jahres den französischen Sicherheitsbehörden. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft hat einen Haftbefehl gegen ihn erwirkt und bemüht sich nach eigener Aussage um seine Auslieferung. Ein Bezug zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich besteht nach Angaben der Behörden nicht.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, die Festnahmen zeigten, dass die Behörden wachsam seien. Berlin sei den Erkenntnissen zufolge nicht betroffen gewesen. Ein Zusammenhang mit der EM oder Public-Viewing-Veranstaltungen sei nicht erkennbar.

Eine eigene Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung soll die Hauptstadtpolizei entgegen früheren Ankündigungen nicht bekommen. Auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber teilte die Innenverwaltung mit, dass es aber "taktische und technische Anpassungen" gegeben habe. Details nannten die Behörden mit Verweis auf "polizeitaktische Gründe" nicht. Seite 5

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