Berlin

Neue Strategie: Neukölln stemmt sich gegen jugendliche Intensivtäter

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Andreas Abel

Schule, Justiz und Polizei sollen intensiver kooperieren. Großfamilien werden früher angesprochen

Berlin.  Der Bezirk Neukölln will Kinder- und Jugendkriminalität konsequenter bekämpfen. Insbesondere soll die Zahl der minderjährigen Mehrfach- und Intensivtäter sowie der von ihnen verübten Straftaten reduziert werden. Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) stellte dazu am Mittwoch ein Konzept vor, das auf Täter und strafrechtlich gefährdete Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Alter von zehn bis 17 Jahren zielt.

Im Kern sieht das Konzept vor, die Arbeit der mit diesen Straftätern befassten Akteure aus Polizei, Justiz, Schule und Jugendamt besser zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Mit der systematischen Kooperation will Neukölln als erster Berliner Bezirk straffällige Jugendliche und ihre Familien früher erreichen. So könne den Betroffenen wirksamer geholfen werden, um kriminelle Karrieren zu stoppen, ihnen aber auch die Konsequenzen bei weiteren Straftaten aufgezeigt werden, erläuterte Liecke. Neukölln hat die höchste Rate an minderjährigen Intensivtätern in Berlin. Allein 50 wohnen hier, hinzu kommen weitere zehn aus der Nachbarschaft, die ebenfalls in die Zuständigkeit der Polizeidirektion 5 fallen, sowie elf Mehrfachtäter, die ihre Delikte vorwiegend im eigenen Kiez verüben und an der Schwelle zum Intensivtäter stehen. Rund 80 Prozent der Betroffenen kommen aus Familien mit arabischem Hintergrund.

Im Jugendamt soll nun eine Arbeitsgruppe mit drei Mitarbeitern gebildet werden, die sich ausschließlich um Kinder- und Jugendkriminalität kümmert. Die Mitarbeiter sollen unter anderem die Familien der straffälligen oder gefährdeten Kinder und Jugendlichen aufsuchen, notfalls begleitet von einem Polizisten. Der Stadtrat erläuterte, dass eine Betreuung nach dem neuen Konzept nur dann möglich sei, wenn die Eltern oder der betroffene Jugendliche zuvor eine Einverständniserklärung abgegeben haben, dass die Behörden Daten und Informationen austauschen können. Aus Datenschutzgründen sei dies nicht anders möglich. Daher greife das Verfahren möglicherweise nicht bei kriminellen Großfamilien. In vielen anderen Familien sei aber Unterstützung erwünscht. Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte, Datenschutz verhindere beim Kampf gegen Kinder- und Jugendkriminalität, dass Beteiligte ihr Wissen teilen dürfen und an einem Strang ziehen können.

Das Konzept knüpfe an die Strategie an, die die Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig vor knapp zehn Jahren entwickelt hatte, sagte Jugendstadtrat Liecke. Er räumte ein, dass etliche Vorschläge Heisigs nach ihrem Tod im Jahr 2010 nicht konsequent umgesetzt worden seien. Seiten 2 und 10