Berlin –

Sorge in der Region: Bombardier streicht 1430 Jobs in Deutschland

Werk in Hennigsdorf ist größter deutscher Produktionsstandort. IG Metall verurteilt die Pläne

Berlin.  Im Zuge des Konzernumbaus will der Zughersteller Bombardier Transportation viele Stellen abbauen – vor allem in Deutschland. 1430 der derzeit rund 10.000 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Das sagte Laurent Troger, Präsident des Zugherstellers, in Berlin. Weltweit sind 3200 der 39.700 Stellen betroffen. An welchen Standorten genau gestrichen wird, steht noch nicht genau fest. Dass es Berlin und Brandenburg treffen wird, ist sehr wahrscheinlich, der Konzern gehört zu den größten Arbeitgebern der Region. Das Werk in Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) ist das größte in Deutschland. Dort machen sich die Beschäftigten nun Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Zudem steht in Berlin die Zentrale des Unternehmens.

„Wir beginnen jetzt erst mit den Gesprächen mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern“, sagte Troger. Es sei allerdings ausdrücklich nicht vorgesehen, ein Werk zu schließen. Es müsse überall gespart werden, auch die Verwaltung sei davon nicht ausgenommen. Wahrscheinlich wird der Konzern zahlreiche Leiharbeiter, die in der Belegschaft mitgezählt sind, nicht weiterbeschäftigen. Größter deutscher Produktionsstandort ist mit 2800 Mitarbeitern das Bombardier-Werk in Hennigsdorf, in der Hauptverwaltung am Schöneberger Ufer in Kreuzberg sind etwa 600 Mitarbeiter beschäftigt. Bombardier entwickelt und baut in Deutschland außerdem noch in Werken in Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen.

Dass der Stellenabbau besonders Deutschland trifft, erklärt Troger auch damit, dass Bombardier Deutschland hier in den vergangenen zwei Jahren am meisten Personal aufgebaut habe. „Das ist jetzt eine normale Kapazitätsanpassung.“

Das sieht der Konzernbetriebsrat anders. „Mit drastischem Personalabbau lassen sich vielleicht die Aktienmärkte beeindrucken. Bestehende Probleme werden dadurch jedoch eher verschärft als gelöst“, sagte Michael Wobst, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der deutschen Bombardier Transportation. „Zur Zukunftssicherung der Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland erwarten wir deshalb vom Management, das Unternehmen endlich zukunftssicher zu gestalten.“

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit Empörung auf die Ankündigung des Stellenabbaus. „Wir verurteilen die Pläne, Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten bei Bombardier auszutragen“, sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen. „Jetzt werden Folgen von Fehlentscheidungen sichtbar, vor denen wir schon 2014 gewarnt haben.“

Zuletzt lief es nicht ganz so rund für das Unternehmen: 2015 setzte Bombardier Transportation rund 8,3 Milliarden Dollar um, ein Minus von fast 14 Prozent im Vergleich zu 2014. Der Auftragseingang schrumpfte um fast ein Drittel, und auch der Auftragsbestand ging um zwei Milliarden auf 30,4 Milliarden Euro zurück. Der prestigeträchtige Großauftrag für die Berliner S-Bahn ging an ein Konsortium aus Siemens und Stadler. Immerhin blieb der Vorsteuergewinn mit 465 Millionen Dollar nahezu konstant.

Der Stellenabbau ist Teil eines großen Konzernumbaus, mit dem sich Bombardier Transportation besser auf den Wettbewerb einstellen will. „Wir wollen schlanker und beweglicher werden und schneller entscheiden können“, sagte Troger. Außerdem sollen die Kosten sinken, der Gewinn steigen. Bombardier Transportation peilt sechs Prozent Vorsteuerrendite an, 2015 waren es 5,6 Prozent. 2016 sei da ein sehr wichtiges Jahr, um Bombardier Transportation für die Zukunft aufzustellen, sagte Troger.

Während der Konzern vor allem in Deutschland und Kanada Stellen streicht, baut er in anderen Ländern auf, etwa in Indien, Osteuropa und Australien. Hier werden vermutlich rund 2000 Stellen neu entstehen, wie Troger sagte. Seite 2