Arnos Woche

Ohne-Butter-Wahnsinn

Arno Müller über Weihnachtsplätzchen, die irgendwie nach nichts schmecken.

Eine gravierte Walze formt  Spekulatiusteig nach traditionellen Motiven

Eine gravierte Walze formt Spekulatiusteig nach traditionellen Motiven

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Ich schicke gerne voraus, dass ich gerade stolze fünf Kilo abgenommen habe und wirklich kein Freund von zu fettem Essen bin. Am Sonnabend haben wir mit Freundinnen Kekse gebacken. Weihnachtskekse. Ich bin da gerne dabei, weil ich selten so viel von meiner Frau erfahre, wie an dem Nachmittag, an dem sie mit ihren Freundinnen Kekse backt. Ich rolle auch mal einen Teig aus, das wird ja nach einer Weile anstrengend für die Frauen.

Beim Teignaschen hatte ich den Eindruck, irgendwie schmeckt der anders als sonst. Als die ausgestochenen Sterne und Herzchen aus dem Ofen kamen, freute ich mich schon, denn nichts schmeckt besser als warme, frischgebackene Plätzchen. Nach dem ersten Bissen guckten wir uns fragend an. Nach dem zweiten Bissen wurde versucht, mit Schoko- und Zuckerguss nachzuarbeiten. Aber es half nichts, die Kekse schmeckten pappig und lasch, so irgendwie nach nichts. Bis eine unserer Freundinnen stolz verkündete: „Ich habe den Teig mit Stevia und Dinkelmehl gemacht, das ist viel gesünder!“ Und ohne Butter – ist einer ihrer Lieblings-Standardsätze.

Oh, Mann! Ich kann mich auch für gesunde Ernährung begeistern und plädiere für ausreichend Bewegung. Ernsthaft, ich war einer der ersten, der sich einen Active Tracker gekauft hat und weiß seitdem genau, wie viele Schritte ich abends noch gehen muss, um das Soll für einen gesunden Körper zu erfüllen. Aber Weihnachtskekse ohne Zucker, Weizenmehl und ohne Butter? Das geht zu weit. Das können doch nur Leute fertigbringen, die nach dem Gänsebraten ins Fitness-Studio gehen. Während sich der Rest der normalen Familie aufs Sofa zurückzieht, um traditionell in Jogginghose „Kevin allein zu Haus“ oder auch „Das Wunder von Manhattan“ zu gucken.

Es heißt bei uns zu Hause nicht umsonst „Gib mal Butter bei die Fische!“ Wir geben jetzt mal Butter bei den Stollen und auf die Bratäpfel – was dann so herrlich und appetitanregend duftet, dass wir gleich noch mal in die Keksdose greifen werden.