Hannover

Mediziner fordern mehr Einsatz für adipöse Kinder

Hannover. Ärzte fordern größere Anstrengungen im Kampf gegen extremes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Notwendig sei eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln, etwa mithilfe einer Ampel, sagte Thomas Danne, Chefarzt am hannoverschen Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult. Die Klinik bietet ein Abnehmprogramm für adipöse Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 17 Jahren an. Auch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft setzt sich für eine bessere Prävention ein. Dazu zählt, den Sportunterricht in den Schulen um mindestens eine Stunde pro Woche auszuweiten. Mehr als acht Prozent der deutschen 14- bis 17-Jährigen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts extrem übergewichtig, sie leiden unter Adipositas. Schwerwiegende Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder sogar Krebs können die Folge sein.

Strenge Regeln für Vermarktung von Kinder-Lebensmitteln

Seit zehn Jahren bietet das Kinderkrankenhaus in Hannover die sogenannten Kick-Kurse für adipöse Jungen und Mädchen an. „Kick“ steht für „Kindergewicht intensiv Coaching im Krankenhaus“. Das über ein Jahr laufende Programm ist von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter zertifiziert. „Leider bieten bisher viel zu wenige Klinken zertifizierte Programme an“, sagt Danne. So seien viel zu wenige betroffene Kinder in Behandlung.

Die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein ist Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm. Am Anfang gibt es wöchentlich ein bis zwei Schulungsnachmittage. Einmal in der Woche steht ein Sporttraining mit den anderen Kursteilnehmern an. Während ihre Kinder Sport treiben, werden die Eltern von einer Diätassistentin über den Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln aufgeklärt. Dabei gibt es praktische Ratschläge, etwa Apfelschorle durch Wasser oder Mortadella durch fettarmen Kochschinken zu ersetzen.

Politiker, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt, fordern neben weiteren umfassenden Programmen für stark übergewichtige Kinder auch strengere Regelungen und genauere Kennzeichnung bei Produkten, die als Kinder-Lebensmittel vermarktet werden dürfen. Besonders bei stark zuckerhaltigen Getränken sei das wichtig.