Mohamed und Elias

Polizei sucht weitere Opfer des Kindermörders

Der Festgenommener Silvio S. schweigt, während Ermittler seinen Garten umgraben und Verbindungen zu anderen Vermisstenfällen prüfen.

Ein Mann entzündet am 31. Oktober eine Kerze für den ermordeten vierjährigen Mohamed

Ein Mann entzündet am 31. Oktober eine Kerze für den ermordeten vierjährigen Mohamed

Foto: Bernd Settnik / dpa

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders von Elias (6) und Mohamed (4) hat die Polizei am Sonnabend die Durchsuchungen in einer Kleingartenanlage in Luckenwalde fortgesetzt.

„20 Beamte sind dabei, das 13 mal 27 Meter große Grundstück weiter umzugraben“, sagte Polizeisprecher Heiko Schmidt. Bislang sind aber keine weiteren Funde gemacht worden.

Wie lange die Arbeiten noch dauern werden, das wollte der Sprecher nicht einschätzen. „Die Kollegen gehen mit Ruhe und großer Sorgfalt vor“, so Schmidt. Die Arbeiten brauchten Zeit. Und die nehme man sich. Am Sonnabendnachmittag seien auch Spürhunde auf dem Gartengrundstück zur Suche eingesetzt worden.

Noch ist unklar, ob es eine Verbindung zu Inga gibt

Nach Informationen der Berliner Morgenpost suchten Ermittler auch im Wohnort des mutmaßlichen Doppelmörders Silvio S . in Niedergörsdorf und im Haus seiner Eltern am Sonnabend nach weiteren Hinweisen. Das wollte der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht bestätigen.

Im Haus seiner Eltern hatte Silvio S. nach eigenen Aussagen den vierjährigen Mohamed zunächst missbraucht, ihn anschließend mit einem Gürtel erdrosselt und die Leiche des Kindes dann vorübergehend in einer Wanne auf dem Dachboden versteckt.

Die Polizei will mit einer gründlichen Untersuchung der Umgebung des Täters und Befragung von Anwohnern auch klären, ob es nicht doch einen Bezug zu dem Verschwinden der fünfjährigen Inga Anfang Mai in Stendal in Sachsen-Anhalt gibt. Bisher gibt es darauf keine Hinweise. Die Ermittler schließen es aber auch nicht aus.

Kriminalpsychologe spricht von außergewöhnlichem Fall

Im Interview mit der Berliner Morgenpost spricht der Kriminalpsychologe Rudolf Egg von einem außergewöhnlichen Fall. „Dass ein einzelner Täter innerhalb weniger Monate gleich zwei Opfer auf diese Weise tötet, gab es in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagte Egg. Wenn jemand zwei Kinder getötet hat, dann sei auch denkbar, „dass es weitere Opfer gibt“.

Noch immer ist nicht mit letzter Gewissheit geklärt, ob es sich bei der auf dem Grundstück gefundenen Leiche um die von Elias handelt. Die Ergebnisse einer DNA-Analyse und der Obduktion werden nicht vor Sonntag erwartet, könnten aber auch erst am Montag vorliegen.

Die Leiche wird in der Berliner Gerichtsmedizin obduziert. Die Untersuchungen gestalten sich schwierig, weil der Tod des Gefundenen schon länger zurückliegt.

Der Beschuldigte schweigt

Bei seiner ersten Vernehmung hatte Silvio S. gestanden, den vierjährigen Mohamed entführt und anschließend getötet zu haben. Im Fall von Elias hatte Silvio S. am Ende der Vernehmungen gesagt, er habe einen Jungen namens Elias entführt und getötet.

Mittlerweile scheinen die Vernehmungen ins Stocken geraten zu sein. Wie der Leiter der „Sonderkommission Schlaatz“, Michael Scharf, dem RBB sagte, habe Silvio S. nun einen zweiten Anwalt. Der Beschuldigte äußere sich derzeit weder zum Fall Elias noch zu anderen Dingen.

Am späten Freitagabend war in Berlin Haftbefehl gegen den Wachschützer erlassen worden. Er wurde in die Untersuchungshaft nach Moabit gebracht. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft will in den kommenden Tagen einen Haftbefehl wegen des Mordes an Elias beantragen.

Silvio S. soll nach Angaben der Staatsanwaltschaften in Berlin und Potsdam dann nach Brandenburg in die Untersuchungshaft verlegt werden.

Politiker fordern Gesetz zum Schutz von Flüchtlingskindern

Der Fall der getöteten Jungen zieht nun auch politische Kreise. Am Freitag hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, eine gesetzliche Regelung für den Schutz von Flüchtlingskindern gefordert.

Dieser Forderung schloss sich nun auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) an. „Das Gesetz muss jetzt schnell kommen“, sagte sie „Spiegel Online“. Kinderschutz müsse in allen Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen sich Kinder aufhielten, gewährleistet sein.