Bühnen

United colours of comedy

English Comedy war vor einigen Jahren in Berlin kaum zu finden. Mittlerweile drängt die Szene aus verrauchten Hinterzimmern auf die großen Bühnen der Stadt

"Ich habe seit Wochen nicht mehr so viel Deutsch gesprochen", sagt Paul Salamone irgendwann im Gespräch. Er lacht und drückt sich dabei in das Sofa. So, als wüsste der US-amerikanische Comedian gerade sehr genau, dass so ein Satz den Nagel auf den Kopf trifft, weil er gerade das Lebensgefühl vieler Menschen in Berlin auf den Punkt gebracht hat. Denn Berlin ist heute nicht nur multikultureller als noch vor zehn, zwanzig Jahren - die Stadt ist vor allem multilingual. Ein Sprachgewirr, in dem sich die meisten – ob nun neu angekommen oder alteingesessen - auf eine Alltagsform geeinigt haben: Englisch ist State of the Art. So sehr, dass man häufig nicht mal mehr Deutsch sprechen muss. Paul Salamones Deutsch ist, nebenbei bemerkt, ausgezeichnet.

"Vor allem das Publikum", sagt der Organisator zahlreicher Events, "ist heute bunter gemischt denn je." Seit acht Jahren lebt der Amerikaner in Berlin. Er hat der englischen Comedyszene mit seiner Show "We are not gemüsed", die er jeden Dienstag im Neuköllner Sameheads präsentiert, wesentliche Impulse gegeben. In jeder Ausgabe der Open-Mic-Show treten acht bis zehn Komiker auf. Sieben Minuten bekommen die Künstler auf der Bühne. Das ist eine harte Bewährungsprobe, egal ob da nun Profi oder Amateur steht. "Vor ein paar Jahren", erzählt Salamone, gab es kaum Orte, an denen man mal eben so auf die Bühne ging. Heute ist das anders. An jedem Tag der Woche gibt es irgendwo was zu sehen." Die Künstler stammen aus den USA, Kanada, Australien, Schottland. Niederlande, Finnland oder Italien – und sie wohnen in Berlin. Sie machen Witze über die Deutschen, lachen über kantige Vokabeln und Currywürste, über die BVG oder schrulliges Beamtendeutsch.

Aber was sie mit dem Publikum verbindet, das sind die universellen, länderübergreifenden Themen: Alltag, Arbeit, Dating, Politik, Rassismus. Sex. 40 bis 80 Gäste zieht die Show "We are not gemüsed" wöchentlich an. Das ist beachtlich für eine kleine Stand-up-Show, die ganz ohne Kulturfinanzierung auskommt. Wie lebendig die Szene mittlerweile ist, zeigt auch das Neuköllner Comedy Café Berlin, dessen Initiatoren mit einer – Achtung Wortwitz! - "Krautfunding"-Aktion vor kurzem 11.000 Euro einsammelten. Die Idee dahinter: Tagsüber gibt es Kaffee und Kuchen, abends ein internationales Programm mit zwei bis drei Künstlern. Der Bühnenraum wird mit einer variablen Bühne ausgestattet sein und bis zu 70 Zuschauern Platz bieten.

English Comedy ist heute ein fester Bestandteil des Kulturkalenders. In Berlin gibt es über die Stand-Up-Szene hinaus eine rege englischsprachige Comedy-Community, die so ziemlich alle Formate bedient. Neben dem Quatsch Comedy Club und dem English Theater bieten auch kleinere Bühnen wie das Kookaburra im Prenzlauer Berg englischsprachigen Künstlern eine Plattform. "Die Vielfalt ist mittlerweile unglaublich", sagt auch Daniel Brunet. Waren es vor einigen Jahren vor allem kleinere Kneipen, die durch English Comedy auf mehr Gäste hofften, hat sich heute eine eigenständige, englischsprachige Szene etabliert, die längst nicht nur in verrauchten Hinterzimmern gastiert, sondern auf die großen Bühnen der Stadt strebt.

Daniel Brunet ist seit drei Jahren Künstlerischer Leiter am English Theater in Kreuzberg. Er hat die Szene genau im Blick. Die monatliche Reihe "International Comedy Showcase" zeigt eine Vielzahl an Comedy-Formaten, die von Improvisation und Stand-up über Musikcomedy und klassisches Kabarett reicht. Neben internationalen Größen wie Daniel-Ryan Spaulding bietet das Programm gerade Newcomern aus Berlin einen festen Platz.

Auch Thomas Hermanns ist überzeugt von der Popularität der englischsprachigen Szene. Seit 2013 findet in seinem Quatsch Comedy Club in der Friedrichstraße einmal im Monat die Reihe "Strictly Stand Up – The English Comedy Night" statt. Moderator Christian Schulte-Loh, der in London lebt und dort große Erfolge feiert, präsentiert pro Show drei internationale Komiker und lädt immer auch einen englischsprachigen in Berlin lebenden Künstler ein.

"Internationale Comedians kommen gerne nach Berlin. Die Hauptstadt steht für Offenheit und Toleranz - auch in der Comedy", erzählt Thomas Hermanns. Früher waren es eher kleinere Expat-Truppen oder Hardcore Comedyfans, die seine englischen Abende genossen haben. "Jetzt, gerade durch die digitalen Medien, wird viel mehr Comedy auf Englisch konsumiert, ohne Untertitel und ohne Synchronisation. Deshalb möchten viele live nicht darauf verzichten."

Auch Hermanns sieht den wachsenden Erfolg in den universellen Themen begründet, die das Publikum verbindet. "Die spezielle Atmosphäre eines Abends ergibt sich, weil eigentlich auf der ganzen Welt über die gleichen Themen gelacht wird", sagt Hermanns. "We are one world, we laugh about the same things!", sagt er, und klingt dabei komischerweise recht ernsthaft.

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