Medizin

Müllmänner fürs Gehirn gesucht

Wissenschaftler der Charité arbeiten an neuen Therapien für Alzheimerkranke: Wie schafft man schädliche Ablagerungen weg?

Berlin.  Müll im Gehirn: Dabei mag man an unerwünschte und schmerzhafte Erinnerungen denken. Etwa den Verflossenen oder die Verflossene, die sich davongemacht haben. Forscher um Professor Frank Heppner von der Charité denken dabei eher – ganz wörtlich gemeint – an Dinge, die sich real im Gehirn angesammelt haben, da nicht hingehören und krank machen.

Die Wissenschaftler vom Institut für Neuropathologie des Klinikums befassen sich mit den Mechanismen, wie die Alzheimerkrankheit entsteht und wie sie behandelt werden kann. Bei dieser Form von Demenz geht es tatsächlich um eine Form von Müll. Klar ist heute, dass sich bestimmte Eiweißbruchstücke im Gehirn ablagern und die Hirnfunktion stören. Das Gehirn kann gewissermaßen vor lauter Abfall nicht mehr denken und sich erinnern.

Die Forscher versuchen, die Müllabfuhr erneut in Gang zu bringen. Eigentlich ist das Gehirn in dieser Hinsicht gut organisiert. Heppners Team hat herausgefunden, dass bestimmte Immunzellen im Gehirn, „Mikroglia“ genannt, die Fachkräfte sind, die Abfall wie die schädlichen Eiweißstücke wegschaffen. Doch sie sind quasi rückenlahm – warum auch immer. Die Müllmänner haben jedoch Kollegen im Rest des Körpers, die dort ähnliche Aufgaben erledigen – man nennt sie „Fresszellen“. Heppner und seine Kollegen haben sie testweise in das Gehirn von alzheimerkranken Mäusen eingeschleust.

Doch die Müllmänner von außerhalb kamen mit dem Hirnabfall nicht zurecht. Sie erkannten ihn schlicht nicht. Der Müll im Gehirn hat offenbar ein anderes Aussehen. Der nächste Schritt der Forscher war eine „Weiterbildung“. Medizinisch betrachtet eine Impfung, die die Fresszellen-BSR darauf eichen sollte, den anders gearteten Abfall zu erkennen. Doch auch das hat leider nicht funktioniert. Das Charité-Team sucht jetzt weiter nach dem richtigen Lehrplan für die Weiterbildung der Müllfachkräfte.