Marathon

Auf neuen Rollen zum belgischen Doppelsieg

Bart Swings und Sandrine Tas gewinnen den Marathon der Skater

Bart Swings ist geübt im Jubeln. Mittlerweile hat der Belgier vom Team Powerslide zum dritten Mal den Berlin-Marathon der Skater gewonnen. Nach nur
56 Minuten und 49 Sekunden überfuhr er die Ziellinie, und nach dem schnellsten Skater kam lange Zeit niemand. Bis zur Hälfte der Strecke lag Swings zwar nur zwei Sekunden vor dem Niederländer Gary Hekman vom Team van Werven. Ins Ziel jedoch rollte er mit einem Vorsprung von drei Minuten und
54 Sekunden vor Gary Hekman (1:00:03). Der Drittplatzierte vom vergangenen Jahr fuhr fast zeitgleich mit Francisco José Peula ein, ein knapper Rollenvorsprung brachte ihn in diesem Jahr auf den zweiten Platz.

Bart Swings war angetreten, im Alleingang zu gewinnen. So hatte er es schon in den vergangenen Jahren getan – ausbrechen und alleine durchs Ziel. Der
24-Jährige mag harte Rennen mit vielen Ausreißversuchen und Attacken. Und er mag Streckenrekorde. Am Sonnabend unterbot er ein weiteres Mal seinen Rekord vom vergangenen Jahr, als er nach 58:10 ins Ziel kam. Nicht zu vergessen, dass er 2013 als erster Skater überhaupt die 42,195-Kilometerstrecke unter einer Stunde fuhr.

In den vergangenen drei Wochen hatte Bart Swings, der im Winter als Eisschnellläufer aktiv ist, in Salt Lake City ein Höhentrainingslager auf dem Eis absolviert. Auch in dieser Disziplin ist er gut: Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi belegte er vierte und fünfte Plätze. Der Belgier ist das beste Beispiel dafür, dass sich das Image vom professionellen Inline-Skating geändert hat. Es galt jahrelang als taktisch geprägte Teamsportart, bei der den Siegern oft unterstellt wurde, sich im Windschatten ihrer Teamkollegen zu wenig an der Führungsarbeit beteiligt zu haben. Swings zeigte erneut, dass Ausreißer durchaus die Chance haben, ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen.

In diesem Jahr waren die Skater das erste Mal auf drei Rollen mit 125 Millimetern Durchmesser unterwegs. Bislang fuhren sie vier 110-Millimeter-Rollen. Bart Swings war begeistert. „Schneller, wendiger, leichter“, waren seine Worte. Gary Hekman war weniger angetan von dem neuen Fahrgefühl. Ungewohnt sei es für ihn gewesen, höher zu stehen.

Ungewohnt war auch das Rennen der Frauen. Sie waren nicht ganz so schnell wie im vergangenen Jahr, als Manon Kamminga vom Team Powerslide mit 1:07:44 gewann. In den beiden vergangenen Jahren teilte sich die Niederländerin das Siegerpodest mit Bart Swings. Diesmal musste sie sich nach 1:09:21 mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Es war eine knappe Niederlage im Wettkampf mit der Belgierin Sandrine Tas. Nur eine Sekunde trennte Kamminga vom Sieg. Tas vom Team XI Tulips Powerslide überquerte die magische Linie nach 1:09:20 als Siegerin. Dritte wurde die Deutsche Katharina Rumpus (1:09:48), die 2014 auf Platz zwei landete. Team Powerslide, zu dem Kamminga und Rumpus gehören, war mit sechs Skaterinnen vertreten, die fast die gesamte Strecke zusammen blieben. „Das macht es nicht immer einfacher“, sagte Manon Kamminga. Sie versuchte zwar, schon früh auszubrechen, die Lücke zwischen ihr und ihrem Team wurde durch Sandrine Tas jedoch immer wieder geschlossen.

Erst als sich beide an die Spitze gearbeitet hatten und sich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, stieg für Tas die Chance auf den Sieg. Die 20-Jährige war zwar ihren ersten Berlin-Marathon gefahren, genießt jedoch einen sehr guten Ruf als Sprinterin auf diversen Distanzen. Bei der Inline-Speedskating-EM in Österreich fuhr sie auf der 1000-Meter-Strecke Silber ein. Im Endspurt schaffte sie es auch am Sonnabend, Manon Kamminga abzuhängen. „Ich war sehr aufgeregt“, sagt die 20-Jährige. „Ich hatte schon so viel von Berlin gehört. Wie toll die Atmosphäre und wie schnell die Strecke ist.“ Mit ihr wird auch beim nächsten Berlin-Marathon zu rechnen sein.

Die Top-Skater, die so schnelle Zeiten gefahren sind, machen jedoch nur rund fünf Prozent der insgesamt 5585 Skater beim Marathon aus – 95 Prozent der Teilnehmer sind Fitness- und Freizeitskater. Für sie standen der Spaß auf Rollen und ihre persönlichen Rekorde im Vordergrund. Doch auch sie waren vom Ehrgeiz gepackt, ins Ziel zu kommen. Ein Skater etwa fuhr nur noch einbeinig, als er auf die Zielgerade einschwenkte. Mit dem anderen Fuß stieß er sich ab, seinen Rollschuh hielt er in der Hand. Der tosende Applaus der Zuschauer am Brandenburger Tor war ihm gewiss. Auch er hatte sein Ziel erreicht – und zwar weit vor der für alle Skater vorgegebenen Zeit von zwei Stunden und 30 Minuten.

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