Prozess

Nacktkater Willy muss kastriert werden

Michael Mielke

Das Verwaltungsgericht verbietet Zucht von Nacktkatzen ohne Tasthaare. Der Richter spricht von einem „Verfahren mit Pilotcharakter“.

Berlin.  Es ging nicht ums Aussehen. Thema des Prozesses vor dem Verwaltungsgericht war die Frage, ob die Zucht von Nacktkatzen ohne Tasthaare für die Tier eine erhebliche Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens ist. Und genau das wurde am Mittwoch von den fünf Mitgliedern der 24. Kammer bestätigt.

Ausgang dieses Verfahrens war ein Entscheid des Bezirksamtes Spandau gegen eine Züchterin der haarlosen Rasse Canadian-Sphinx-Katzen. Das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt untersagte ihr die Zucht und forderte sie auf, den von ihr gehaltenen Kater „Willi“ kastrieren zu lassen. Sollte sie eine ihrer drei weiblichen Katzen veräußern sollen, müssten auch diese zuvor unfruchtbar gemacht werden.

Begründet wurde das mit dem Fehlen der Tasthaare, ein Manko, das bei der Zucht automatisch auch an die Nachkommen vererbt wird. Das Bezirksamt wertete das als Qualzucht, die dringend zu verhindern sei.

Ein vom Gericht als Sachverständiger eingesetzter Tierarzt schloss sich dieser Auffassung an: Den Tieren fehle ganz eindeutig ein Sinnesorgan, sagte er. Das bewerte er als Schaden. Und er plädiere für ein Verbot dieser Zucht.

Im aktuellen Prozess ging es zwar nur um die Tiere der Spandauer Züchterin. doch dass dieses Urteil Signalwirkung haben und es weitere Verbote geben wird, ist sehr wahrscheinlich. Der Vorsitzende Richter sprach von „einem Verfahren mit Pilotcharakter“. Nie zuvor habe sich ein deutsches Gericht mit dieser Problematik beschäftig. Es gebe „im Bereich Qualzucht ohnehin so gut wie keine Entscheidungen“, sagte er. Deswegen werde auch die Berufung zugelassen.

( mim )