Aktionstag

Neuköllns Bürgermeisterin sucht Müll und findet "Gras"

Zum "Aktionstag für ein schönes Berlin" wird in Berlin Müll gesammelt. Neuköllns Bürgermeisterin findet dabei auch besonderes "Gras".

In der Hasenheide fanden Bürgermeisterin Giffey (M.) und ihre Helfer neben Marihuana auch einen Tresor

In der Hasenheide fanden Bürgermeisterin Giffey (M.) und ihre Helfer neben Marihuana auch einen Tresor

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Es ist eine beliebte Masche: Sperrmüll irgendwo abladen, dann das Ordnungsamt anrufen und den Sperrmüll melden. In Neukölln kennen sie das inzwischen. „Rund 200 Meldungen zum Thema Müll gehen bei uns jeden Tag ein, die meisten davon wegen illegalem Sperrmüll“, sagt Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Von Freitag bis Sonnabend haben die Bürger in Neukölln und ganz Berlin es selbst in der Hand. Im Rahmen des „Aktionstags für ein schönes Berlin“ gibt es an beiden Tagen jeweils über 100 Aktionen in der ganzen Stadt. Müll aufsammeln, den Kiez auf Hochglanz bringen.

Auch Giffey macht mit, am Freitagmorgen ist sie mit 30 Kollegen aus ihrem Büro in die Hasenheide ausgerückt. Die Ausbeute ist bemerkenswert: ein Fahrrad, ein geöffneter Tresor und zahlreiche Plastiktütchen – mit und ohne Marihuana. „Die Päckchen mit Inhalt haben wir natürlich bei der Polizei abgegeben“, sagt Giffey. Insgesamt habe man den Dealern im Park wohl ein bisschen das Geschäft verdorben.

Fünf Tonnen Müll werden jede Woche in der Hasenheide aufgelesen. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) vermeldet stadtweit jährlich 23.000 Kubikmeter wilde Abfälle, die sie entfernen muss. Das verursacht Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro, für die das Land Berlin aufkommt. „Besonders ärgerlich ist: An den Recyclinghöfen der BSR kann man den Sperrmüll umsonst abgeben“, sagt Giffey.

Verkehrsbetriebe setzen an Bahnhöfen auf Prävention

Eine wachsende Stadt produziert mehr Müll, das lässt sich auch am Bahnhof Neukölln beobachten. Sogar abseits der Hauptverkehrszeit ist hier viel los. Am Gleis der S-Bahn liegen weiße Schnipsel, jemand hat systematisch ein Zigarettenpapier nach dem anderen auf den Boden geworfen. Hier sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nahezu machtlos, ihre Sicherheitskräfte dürfen nur ermahnen, wenn sie jemanden erwischen. Die BVG setzt auf Prävention. So wurden in der Empfangshalle Infotafeln installiert, die schwerer zu zerkratzen sind. Auch Verschönerungsarbeiten sind an dem Bahnhof im Gange. Die Tunneldecke wird neu gestrichen. „Und die Tunnelwände sollen mit historischen Bildern geschmückt werden“, sagt BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Dazu kommen neue Mülleimer, die dank einer speziellen Technik nicht in Brand gesteckt werden können. Rund 4000 Stück will die BVG davon an ihren 173 Bahnhöfen installieren. Kosten pro Stück: 1000 Euro.

Allerdings stehen nicht alle Neuköllner auf neue Mülleimer. Auf einmal taucht ein junger Mann auf, er beschwert sich lautstark: Das Flüchtlingsproblem sei doch viel wichtiger als Müll. Giffey und Nikutta nehmen den Wutbürger in die Zange: Es gebe ja auch noch andere Themen, finden sie. Das Duell endet unentschieden.

Mehr Infos online unter www.aktionstag-für-ein-schönes-berlin.de