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Haben Sie Angst vor Fotografen, Herr Pattinson?

Robert Pattinson, Schauspieler

Ein junger Mann, der etwas verzagt wirkt – das ist der erste Eindruck, der sich bei diesem Interview mit Robert Pattinson einstellt. Eigentlich hat der 29-Jährige keinen Grund dafür. Denn nach dem Massenerfolg der „Twilight“-Serie ist es ihm tatsächlich gelungen, sich als ernsthafter Schauspieler zu etablieren. In „Life“ (ab 24. September im Kino) ist er – nach einer wahren Geschichte – als Fotograf zu sehen, der legendäre Aufnahmen von James Dean schoss.

Berliner Illustrirte Zeitung: Sind Sie ein guter Fotograf?

Robert Pattinson: So halbwegs. Wobei ich erst bei diesem Film damit angefangen habe. Ich bekam die gleiche Kamera wie Dennis Stock, den ich in „Life“ spiele. Die Qualität meiner Bilder hängt allerdings auch sehr stark vom Ort und den Lichtverhältnissen ab. In Marokko, wo ich Werner Herzogs „Königin der Wüste“ drehte, habe ich ziemlich einfach gute Aufnahmen hingekriegt. Aber als ich wieder in London war, wurden meine Bilder viel zu dunkel.

Eigentlich sind ja Sie derjenige, der ständig fotografiert wird. Wie gut kommen Sie damit klar?

Momentan tue ich mich etwas schwer. Als der erste „Twilight“-Film herauskam, ging ich sehr offensiv damit um. Das heißt, ich habe es darauf angelegt, mich auf eine bestimmte Weise zu präsentieren. So lange du darüber Kontrolle hast, ist alles gut. Aber dann wurde es so viel, dass mir das Ganze total entglitten ist. Ich hatte das Gefühl, mit diesen Aufnahmen wird mir etwas weggenommen. So kriegte ich Angst und habe mich total verschlossen. Momentan habe ich die Haltung „Fotografiert mich bitte gar nicht.“

Aber was machen Sie, wenn Sie auf die Straße gehen und die Fotografen Ihnen auflauern?

Ich fürchte mich!

Ganz im Ernst?

Nein. Mir ist klar geworden, dass ich mich nicht mehr davon verrückt machen lassen kann. Ich habe auch keine Lust mehr, mich zu verkleiden oder irgendwelche Hüte aufzusetzen.

Hatten Sie jemals eine so enge Beziehung zu einem Fotografen wie James Dean sie hatte?

Nicht mit einem Fotographen. Aber als der erste „Twilight“ herauskam, gab es einige Journalisten, mit denen ich gut klar gekommen bin und ich privat etwas unternommen habe. Es gab einen Autoren des Magazins „Entertainment Weekly“ – der hat ein ziemlich cooles Porträt von mir geschrieben, weil wir uns gut verstanden. Wir gingen in eine Bar und haben uns besoffen.

Wollen wir das jetzt vielleicht auch machen?

Nein, so was tue ich nicht wieder. Denn jetzt kennt man mich aus vielen Interviews und Journalisten – nichts gegen Sie persönlich – die wollen mich meist auf den Punkt bringen, wo ich irgendwas Schlimmes von mir gebe.

Und können Sie so normal in Bars gehen?

Dieser Zustand kommt langsam wieder. Letztlich hängt das nur davon ab, wie das Publikum auf dich reagiert. Bei so einem Film wie „Twilight“ gab es so viel Druck. Kein Mensch hat sich für irgendwelche Nuancen interessiert. Wenn ich irgendwas gesagt habe, dann gab es die heftigsten Reaktionen. Alle haben sich wegen Belanglosigkeiten aufgeregt. Vor allem als der erste Film der Serie herauskam, waren alle hysterisch. Fast hätte man mich umgebracht.

Jetzt übertreiben Sie mal nicht.

Doch, ganz ehrlich. Als der erste Trailer von „Twilight“ gezeigt wurde, hatte ich ein Erlebnis ganz ähnlich wie in der Szene von „Jurassic Park“, wo die Helden von den Raptoren gejagt werden. Nach einer Vorführung in Mexiko stiegen wir alle ins Auto, aber das Türschloss funktionierte nicht, und die Leute drängten sich zu uns in den Wagen. Mein Manager musste sie wieder hinausdrücken. Dann wurden wir von einer Meute von 400 Menschen verfolgt. Dummerweise nahm der Fahrer die falsche Abzweigung – wir landeten auf einmal in einem Parkhaus, immer noch gejagt von der Menge. Endlich kamen wir dann wieder zur Ausfahrt, aber wir mussten die Gebühr bezahlen. Dummerweise hatte keiner von uns genügend Geld dabei, und der Parkwächter wollte uns nicht hinauslassen – während hinter uns die Fans angestürmt kamen. Mit Mühe und Not kratzten wir dann ein paar Münzen zusammen.

Aber Ihr Leben glich nicht nur „Jurassic Park“, sondern auch einer Soap Opera -- insbesondere Ihre damalige Beziehung mit Ihrer Filmpartnerin Kristen Stewart. Wie haben Sie das erlebt?

Es war extrem merkwürdig. Ich habe immer ganz großen Wert darauf gelegt, dass ich über nichts Persönliches spreche. Aber das machte absolut nicht den geringsten Unterschied. Denn die Leute erfanden dann einfach Sachen. Ich wurde zum Teil einer Geschichte, die andere schrieben, und ich konnte nichts dagegen tun. Es gab eine Phase, wo ich mich nicht offiziell fotografieren ließ, denn ich dachte mir: Ohne aktuelle Fotos schreibt keiner einen Artikel über dich. Irrtum. Dann holen die Leute eben die alten Aufnahmen hervor.

Vielleicht hätten Sie also offen erzählen sollen?

Das ist aber gegen meine Natur. Das habe ich schon mit zwölf gelernt. Ich fragte einmal ein Mädchen, ob es mit mir ausgehen wolle, und schon sprach die ganze Schule davon. Ich glaube, ich habe mit dem Mädchen dann nie wieder ein Wort gewechselt. Es macht sowieso keinen Sinn, wenn ich offen erzähle, denn die Magazine haben schon ihre eigene Wahrheit. Meine Version der Dinge geht in der ganzen Gerüchteküche unter. Einmal erschien in einer australischen Zeitung sogar die Meldung, ich sei schwanger. Wohlgemerkt, ich! Was kannst du da noch tun?

Aber selbst wenn sich die Fanhysterie abgeschwächt hat, können Sie sie zumindest verstehen?

Es gab eine Zeit, da war ich besessen von Van Morrison, aber nie so heftig. Für mich ist die Situation ganz speziell, weil alles rein durch Zufall passiert, ich bin da regelrecht hineingestürzt. Ich hatte auch nie etwas gegen meine Fans. Ich habe sie immer als Individuen gesehen. Als Einzelpersonen würden sie vermutlich nicht losschreien, wenn sie mich sehen. Das ist die Mentalität der Masse, die ich wirklich bizarr finde. Aber das eigentliche Problem waren eben die Medien und die Fotografen. Denn die warten nur auf den Moment, wo ich mir einen Fehltritt leiste oder eine schlechte Erfahrung mache. Die Fans wollen, dass ich gewinne. Mit so etwas habe ich kein Problem.

Doch mögen Sie Claqueure um sich?

Absolut nicht. Teilweise habe ich es erlebt, dass mir Leute aus meinem Umfeld nicht die Wahrheit sagten. Nur weil sie dachten, dass ich mich darüber aufrege. Ich wurde wie so ein kleines Vögelchen behandelt, das man rund um die Uhr beschützen muss. Aber ich mag keine Arschkriecher um mich. Das nervt. Deshalb habe ich jetzt auch Menschen um mich herum, die mir widersprechen. Sogar mein Management sagt mir: manchmal ‚Sei still, du bist doch ein Dummkopf’.

Wie können Sie sich in dieser wirren Welt eigentlich selbst finden?

Da habe ich schon meine Möglichkeiten. Die Leute aus meinem Umfeld helfen mir ja dabei. Meine Freunde und Familie sind meine feste Basis. Abgesehen davon surfe ich seit ein paar Jahren. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass mich so etwas interessieren würde. Aber das Meer hat eine total gute Wirkung auf mich, die ich liebe. Wenn ich weit draußen bin, kann ich so richtig durchatmen.

Der Fotograf Dennis Stock, den Sie in „Life“ spielen, ordnet ja sein privates Familienglück seiner Karriere unter. Können Sie diese Haltung nicht nachvollziehen?

Offen gestanden finde ich sie nicht besonders sympathisch. Für ihn ist sein Sohn nur eine Belastung. Als ich von dem Projekt erfuhr, interessierte ich mich zunächst nicht für seine Beziehung zu James Dean. Ich fand es aber spannend, dass das eine Person war, die ihr Kind nicht mag. Der Mann ist eher ein Beispiel dafür, dass man mit so einer Haltung nicht glücklich wird. Er ist eine tragische Figur. Aus jedem seiner Interviews wird klar, dass er nie etwas gelernt hat. Selbst mit 80 beschwert er sich noch darüber, dass er nur wegen der James Dean-Fotos berühmt wurde.

Und wenn Sie eines Tages nur dafür berühmt sein sollten, weil Sie den Vampir Edward spielten?

Na und? So lange ich die Chance habe, diesen Beruf zu machen, bin ich glücklich. Berühmtsein hemmt nur deine Entwicklung. Du sprichst mit allen Leuten über die gleichen Themen, tust dich schwer, jemand außerhalb dieser Blase kennenzulernen. Wie ich schon sagte, ich musste mir bewusst Leute suchen, die eine andere Perspektive als ich haben und darüber offen reden – und eben nicht nur trivialen Bullshit. Seit „Twilight“ drehe ich nur Filme, die mich interessieren. Und spiele Rollen, die ich nicht schon früher gespielt habe. Und bislang habe ich sie auch fast immer bekommen. Ich kann nur hoffen, dass diese Strähne anhält.

Würden Sie sich im Zweifelsfall mit den Hollywood-Bossen anlegen so wie das James Dean machte?

Vermutlich. Aber im nächsten Schritt würde ich wahrscheinlich den Schwanz einziehen und mich ganz demütig entschuldigen: „Ich bin ja eigentlich gar kein Rebell, ich habe mich geirrt.“

Gibt es denn irgendeine Lektion, die Sie aus all Ihren Erfahrungen gelernt haben?

Ich weiß es nicht. Jemand fragte mich mal, welchen Rat ich meinem jüngeren Ich geben würde. Vielleicht hätte ich mir damals über manche Dinge weniger Sorgen machen sollen. Aber ich glaube, dass ich mir dann eben über etwas anderes den Kopf zerbrechen würde. So gesehen wäre die Lektion: Du brauchst deine Angst. Mach dir lieber Sorgen, als dich irgendwelchen Illusionen hinzugeben.