Gesundheit

Vorsicht beim Holzkohlengrill

Ein Lungenfacharzt der Charité rät, Sport bei dichtem Autoverkehr zu vermeiden. Vor allem bei hohen Temperaturen kann das gefährlich werden.

Schlechte Luft zerstört nicht nur die Natur, sie ist auch eine Belastung für die menschliche Gesundheit. Christian Witt, Professor für Lungenheilkunde an der Charité, über Auswirkungen und vorbeugende Maßnahmen.

Berliner Morgenpost: Welche Krankheiten löst eine hohe Luftverschmutzung aus?

Christian Witt: Die Atemwege werden geschädigt, und sehr feine Staubpartikel dringen bis in die Lungenbläschen. Bei Krebserkrankungen, Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauferkrankungen kann Luftverschmutzung eine Rolle spielen, aber oft kommen da mehrere Faktoren zusammen, die vor allem mit dem Klimawandel zusammenhängen. Denn ausgelöst durch die Luftverschmutzung steigt ja auch die Temperatur und es regnet weniger, wodurch wiederum die Schadstoffkonzentration steigt. All diese Faktoren zusammen sind gefährlich. Vor allem können sich dadurch schon vorhandene Krankheiten wie Asthma oder auch Bluthochdruck verstärken.

Wer ist besonders gefährdet?

Neben chronisch Kranken sind vor allem alte Menschen und Kinder durch die Luftverschmutzung belastet, zumal diese aufgrund ihrer Größe die Luft in Auspuffhöhe der Autos einatmen.

Ist das Problem in einer Großstadt größer als in einer Kleinstadt?

Ja. Es gibt im Englischen den Begriff „Urban Heat Island“. Das heißt im Innenstadtbereich ist die Temperatur oft fünf oder mehr Grad höher als am Stadtrand. Menschen, die in der Innenstadt wohnen, sind also einer höheren Belastung ausgesetzt. Insbesondere wenn die Temperaturen ohnehin hoch sind. Dann schlafen sie auch weniger gut und damit ist eine Erholung des Körpers nicht mehr gegeben.

Was sollte man an Orten mit einer großen Feinstaubbelastung vermeiden?

Auf jeden Fall sollte man nicht an einer Ausfallstraße joggen, besonders, wenn es heiß und trocken ist. Das sollte man besser im Park machen. Denn durch die Aktivität ist die Atmung kräftiger und man atmet dann natürlich auch mehr Schadstoffe ein. Auch das Radfahren auf einer stark befahrenen Straße ist nicht empfehlenswert. Eine Untersuchung von Postboten hat ergeben, dass diese auf dem Land weniger Krebserkrankungen entwickeln als in der Stadt.

Wie können sich Menschen schützen?

Wir atmen im Schnitt zwölfmal in der Minute ein und aus. Das lässt sich nicht ändern. Einen Atemschutz müssen wir hier nicht tragen, die Feinstaub- und Ozonwerte sind nicht so hoch wie etwa in China. Außerdem hält eine Atemmaske nur gröbere Staubteilchen ab, feinere Partikel dringen trotzdem durch. Und es ist ja auch anstrengend, durch ein Tuch zu atmen, das ist wiederum eine zusätzliche Belastung. Auch Fitness oder veganes Essen hilft nicht gegen die Luftverschmutzung. Wer wirklich vorbeugen will und etwas an der Situation ändern will, sollte vor allem sein Mobilitätsverhalten ändern, also zum Beispiel auf ein Elektroauto umsteigen. Und insbesondere wenn es sehr warm ist, sollte man auch auf die Würstchen vom Holzkohlengrill verzichten, denn beim klassischen Grillen wird auch viel Feinstaub und Kohlendioxid ausgestoßen.