Morgenpost-Tasting Spezial

Hochprozentiges Blumenpflücken beim Morgenpost-Tasting

| Lesedauer: 7 Minuten
Annika Schönstädt
Das Team in der „Pawn Dot Com Bar“: Dustin Render (l.) und Marius Döring^

Das Team in der „Pawn Dot Com Bar“: Dustin Render (l.) und Marius Döring^

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Im April bringt die „Pawn Dot Com Bar“ aus Mitte die Frühlingswiese beim Morgenpost-Tasting Spezial ins Glas.

Sonnabends in der „Pawn Dot Com Bar“ an der Torstraße in Mitte. Hinter dem Tresen steht Marius Döring und begrüßt seine Gäste. Fünf Drinks hat er für den Abend mitgebracht, die sich um Gin und Frühlingsblüten drehen. Jeden mixt er live, erklärt Spirituosen und Botanicals und gibt zwischendurch noch einen Shot aus. Weil er gute Laune hat und einfach, weil Wochenende ist. Das Ganze ist keine Halluzination, denn ja, die Bars haben immer noch geschlossen. Und ja, auch dieses Morgenpost-Tasting kommt wieder als Spezial zu Ihnen nach Hause. Trotzdem wird im April alles anders, denn für das ganzheitliche Gefühl, die Nacht endlich wieder einmal über die Stränge schlagend in der Lieblingsbar verbracht zu haben, gibt es zur Cocktailbox nicht nur herzhafte Maissnacks, sondern als Zusatzoption auch einen Zoom-Link. Der führt an jedem Sonnabend des Monats direkt zu einem Live-Tasting mit Marius Döring, der Ihnen erklärt, wie Sie Fläschchen, vakuumierte Zesten und eine geheimnisvolle blaue Kapsel in einen hochprozentigen Spaziergang durch den Blumengarten verwandeln.

Der leichte Einstieg gelingt mit dem Waldmeister. Ein Drink, der an eine klassische Maibowle angelehnt ist, mit japanischem Roku Gin jedoch ein wenig mehr Beschleunigung erhält. Von Marius Döring und seinem Kollegen Dustin Render wurde der Gin für zusätzliche Frische zudem mit Limette infusioniert. Ebenfalls Handarbeit sind Zitrussirup und Waldmeisterlikör, der – grünlich schimmernd – in einer extra Flasche geliefert wird, und unbedingt auch einmal separat verkostet werden sollte. Je nach Vorliebe wird der Drink vor dem Genuss mit Lolea aufgegossen. Ein spanischer Weißwein-Aperitif mit Orange und Zitrone, der einer Sangria ähnelt und den Auftakt süffig-sommerlich macht, mit einer frischen, säuerlichen Nase und dem Waldmeister als bittersüßes Hintergrundrauschen.

Der Nachfolger ist von einem Veilchen inspiriert und an einen klassischen Aviation angelehnt. Statt Maraschino-Kirschlikör kommt bei Marius Döring jedoch Sloe Gin – also Schlehenlikör – ins Glas, den charakteristischen Twist in der Version der „Pawn Dot Com Bar“ erhält der Drink außerdem durch einen Schuss Gurkengeist von Spreewood Distillers. „Gurke und Crème de Violette sind eine erstaunlich gute Kombination“, sagt Dustin Render und freut sich noch immer über diese Entdeckung. „Bemerkt haben wir das ganz zufällig.“ An der Nase ist der Drink dann erst einmal dominant gurkig mit ein wenig Wacholder im Hintergrund, was mit der rosa schimmernden Optik nicht ganz zusammen passen will. Irritation herrscht auch am Gaumen mit der wunderliche Geschmacksmischung, die schwer einzuordnen, aber doch absurd gut ist. Irgendwo zwischen vegetabilen Bitter- und floralen Noten mit dezenter Süße, die Dank der zugegebenen Cocktailkirsche marzipanig ins Glas wabert. Die sei mitnichten nur als Dekoration zu verstehen, sagt Dustin Render und lacht: „Ich esse die gerne, da schäme ich mich auch nicht für.“

Es folgt der versprochene Mohn-Shot als Brandbeschleuniger für Zwischendurch. Ein flüssiger Gruß aus der Küche sozusagen. Sipsmith Drizzle Gin wird dafür mit Orange infusioniert, Likör 43 mit Mohn. Rubinrot im Glas ist das süß und gleichzeitig bitter, wie ein Negroni, nur weniger medizinisch. Am Besten vor dem Tasting ins Eisfach legen und richtig kalt genießen, sagt Döring.

Und dann kann es auch schon weiter gehen mit der Kirschblüte. „Ein Gin Tonic ohne Tonic“, erklärt Dustin Render. Statt des Fillers aus der Flasche wird ein selbst gemachter Tonic Sirup verwendet, der jedes Industrieprodukt mit seinen intensiven Orangen-, Grapefruit-, Zimt- und Kardamomnoten blass aussehen lässt. Der mit weißem Tee infusionierte Roku Gin wird deshalb nur noch mit Sodawasser aufgegossen und zum Schluss mit Kirschblütenparfüm besprüht. Das sorgt dafür, dass der Drink original so riecht, wie einmal die Nase in den Baum gehalten. Blumig, frisch und kühl ist dann auch der erste Schluck und damit eine angenehme Erholung für die Geschmacksnerven nach dem aromenstarken Shot.

Beim vierten Drink, dem Krokus, kommt dann endlich die mysteriöse blaue Kapsel zum Einsatz. Die muss nicht eingenommen werden, um Alice im Wunderland gleich Zugang zu einer neuen Welt zu erhalten, sondern wird im Glas zu Roku Gin, Tonkasirup und dem Cocktail-Sour Supasawa gerührt. „Jetzt kommt die Magie“, sagt Dustin Render, als das Spirulinapulver den Drink Schlumpfblau färbt. Die komplett natürliche Blaualge hat keine Auswirkungen auf den Geschmack. „Es geht um den Effekt, und man muss nicht, wie früher, Blue Curaçao nehmen“, so der Bargeschäftsführer. Außerdem sei die Alge ein Superfood und damit sogar gesund. „Wie viel davon in Kombination mit dem Alkohol übrig bleibt, ist allerdings fraglich.“ Zum Schluss kommt eine Orangenzeste hinzu, die nicht nur einen schönen farblichen Kontrast, sondern auch einen geschmacklichen Gegenpart zur Süße des Tonkasirups bildet. Die beiden Pole bleiben auch auf der Zunge erhalten und machen den Drink leicht und erfrischend, was angesichts der Farbe dann doch überrascht.

Als Rausschmeißer mixt Marius Döring eine Pfingstrose. Larios Rosé, Martini Rosato, Rhabarber, Supasawa und Thomas Henry Pink Grapefruit kommen dazu auf Eis ins Glas, garniert mit einer Zitronenzeste, bestäubt mit Rosenwasser. Der parfümierte Gin mit Erdbeere sei in Großbritannien sehr beliebt, in Deutschland hingegen noch weitestgehend unbekannt, so Döring. Mit der fruchtigen Säure von Rhabarber und Grapefruit und den floralen Noten der Rose gibt die Neuentdeckung hier aber genau die richtige Mischung für einen süßen Abschluss, bei der der Alkohol rein gar nicht zu schmecken ist und mit intensiver Erdbeere den Übergang in den Sommer markiert.

So bestellen Sie die Drinks nach Hause

Fünf Drinks, ein Shot, Barsnacks und Garnituren inklusive Lieferung gibt es vom 5. bis 30. April 2021 für 49,90 pro Person. Abholung möglich täglich von Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr in der „Pawn Dot Com Bar“, Torstraße 164, 10115 Berlin. Bestellung unter www.pawndotcombar.shop oder telefonisch mit dem Stichwort Morgenpost-Tasting, 030-629 249 47. Bezahlung über den Online-Shop u.a. mit PayPal, Kreditkarte und Klarna oder bar und mit Karte bei Abholung.

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