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Corona treibt Bierabsatz in den Keller

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In einer Gaststätte wird ein Bier gezapft.

In einer Gaststätte wird ein Bier gezapft.

Foto: dpa

Noch nie wurde in Deutschland so wenig Bier verkauft wie im Corona-Jahr 2020. Eine Berliner Brauerei sucht deswegen neue Absatzkanäle im Netz.

Wiesbaden/Berlin. Die Corona-Krise setzt den Brauereien in Deutschland heftig zu. Im vergangenen Jahr sank ihr Bier-Absatz wegen der Feierverbote und der monatelang geschlossenen Gastronomie auf den historisch niedrigen Wert von 8,7 Milliarden Liter, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Doch der mengenmäßige Rückgang um 5,5 Prozent zum Vorjahr zeige die dramatische Lage nur sehr unzureichend, so der Brauerbund. Vor allem kleinere Betriebe müssen längst ums Überleben kämpfen, während wenige große Brauereien von dem gestiegenen Flaschenbierverkauf im Einzelhandel profitierten.

Die große Pleitewelle sei noch ausgeblieben, sagte Holger Eichele, Präsident des Deutschen Brauerbundes. Er ist normalerweise stolz auf die vielfältige Brautradition im Land. Mehr als 1400 Unternehmen hat der Verband bundesweit gelistet, die meisten verkaufen ihr Bier ausschließlich im engen Umkreis um ihre Braustätte. "Die merken jedes ausgefallene Volksfest." Das Problem verschärft sich mit der weiterhin andauernden Corona-Sperre für Kneipen und Restaurants, denn sie nehmen kein Fassbier mehr ab. Das aber ist für die Brauereien das besonders lukrative Geschäft mit einer hohen Wertschöpfung.

Berliner Brauerei Lemke sucht neue Absatzkanäle

Die nach eigener Einordnung "sehr gastro-lastige" Berliner Brauerei Lemke sucht neue Absatzkanäle über das Internet, will vom coolen Image der Hauptstadt im Export profitieren. "Einen Umsatzrückgang von mehr als der Hälfte kann auf Dauer kein Unternehmen verkraften", sagte Gründer Oli Lemke, der im laufenden Jahr Entlassungen nicht mehr ausschließen will. Immerhin gebe es inzwischen Aussicht auf staatliche Hilfen: "Nach den jüngsten Änderungen können wir nun wohl doch die November/Dezember-Hilfen für die Gastronomie bekommen. Unsere Steuerberater arbeiten am Limit, weil das alles extrem verschachtelt ist."

Die Branchengrößen konnten ihre Gastroverluste besser mit einem gesteigerten Flaschenbierabsatz über den Lebensmitteleinzelhandel ausgleichen. Das Fachportal "Inside" sieht bei bekannten nationalen Marken wie Krombacher (-4,8 Prozent), Oettinger (-1,5 Prozent) oder Veltins (-3,5 Prozent) vergleichsweise kleine Mengenverluste. Schon härter hat es Bitburger (-8,0 Prozent) und Warsteiner (-16,2 Prozent) mit ihren höheren Gastro-Anteilen getroffen.

"Davon können wir nur träumen", sagte Christian Kerner vom Kölner Brauereiverband. In der Domstadt verkaufen die Brauhäuser traditionell einen sehr hohen Anteil ihres Kölsch direkt über die Tresen der Gaststätten, sind vom abermaligen Lockdown also besonders hart getroffen. Und weil in diesem Jahr auch noch die Karnevals-Saison ausfällt, könnte 2021 alles noch schlimmer werden.

Der Brauerbund verlangt weitere Hilfen: "Für die Gastronomie wurden weitreichende Hilfsmaßnahmen entwickelt – die 1500 überwiegend handwerklichen und mittelständischen Brauereien als indirekt Betroffene gehen jedoch bis auf wenige Ausnahmen leer aus", sagte Eichele. "Von Woche zu Woche geraten mehr Brauereien unverschuldet in existenzielle Not. Wenn Bund und Länder hier nicht gezielt und entschieden gegensteuern, droht vielen Brauereien die Insolvenz."