Morgenpost Tasting

Ein Abend für die Liebe

| Lesedauer: 8 Minuten
Alexander Uhl
Paul Rost (links) und Jules Winnfield in der Bar "Bonvivant".

Paul Rost (links) und Jules Winnfield in der Bar "Bonvivant".

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Jules Winnfield und Paul Rost vom Cocktail Bistro "Bonvivant" kreieren das Morgenpost-Tasting im Januar.

Berlin. Paul Rost eilt durch den Gastraum des Cocktail Bistros "Bonvivant" an der Goltzstraße in Schöneberg. Er mischt den Drink noch mal neu, mixt, rüttelt, prüft die Farbe, den Geschmack, flitzt in die Küche und steht gleich darauf wieder hinter der Theke. Wenn man ihm so zusieht, könnte man meinen, es herrsche ganz normaler Betrieb. Aber das ist natürlich nicht so, es herrscht Lockdown, die "Bar" in dem denkmalgeschützten Gebäude an der Ecke zur Hohenstaufenstraße hat geschlossen. Nur für das Morgenpost-Tasting im Januar legt der Barkeeper sich so ins Zeug.

Daneben steht Jules Winnfield, schaut ihm zu und erklärt das Konzept, nein, eben nicht der Bar, sondern des Cocktail Bistros, das erst 2019 öffnete, darauf besteht Winnfield. "Wir haben auch Essen", sagt er. Und natürlich Cocktails. Denn Essen und Cocktails, das geht doch auch, es muss nicht immer Wein sein. Gekocht wird saisonal und regional, je nachdem, "was die Bauern im Angebot haben". Und nur vegetarisch. Denn Winnfield ist selbst Vegetarier. "Es geht auch ohne, wenn man gut kocht." Überhaupt war im Team fast jeder Vegetarier. Winnfield, weil er schon so aufgewachsen ist, die zu Deutschland bester Barkeeperin gekürte Yvonne Rahm, weil sie Tiere liebt und "Paul will die Umwelt retten." Rahm ist nicht mehr dabei, aber eine ihrer preisgekrönten Kreationen hat auch Eingang in das Tasting gefunden.

Ein Tasting für Jung und Alt

Denn um Essen geht es ja dieses Mal nicht, was eigentlich schade ist, schließlich wird das Cocktail Bistro auch im renommierten "Gault & Millau" geführt, sondern um Drinks. Winnfield und Rost haben sich viele Gedanken zu dem Thema gemacht. Sie wollten nicht nur das "Bonvivant" vorstellen, "Cocktailboxen gibt es doch überall". Aber was die Leute zurzeit ernsthaft vermissen würden, sei doch das Beisammensein, so Winnfield. "Das ist doch das, was so krass abgeschnürt wird."

"Es soll für Jung und Alt sein", sagt Rost. Zunächst gibt es einen Text zu lesen. Der Grundgedanke der Drinks ist Aphrodisiakum für das Date zu zweit zu Hause, ja, auch wenn man schon 40 Jahre verheiratet ist. Deshalb kommen auch alle Drinks in Zweier-Portionen. Wer also eine Tasting-Box bestellt, bekommt genug für einen Abend zu zweit. Die Portionen reichen, um danach "tipsy" zu sein. Natürlich kann man auch allein damit glücklich werden, sehr glücklich sogar. "Dann hast du einen Weltklasse-Abend", lacht Winnfield. Zudem wollen beide "den ganzen Abend gestalten", deshalb gibt es für denjenigen, der will, nicht nur Erklärungen der Drinks, sondern auch kleine Frage- oder Aktivitätskarten, entweder, um sich besser kennenzulernen oder um in Erinnerungen zu schwelgen.

Los geht es mit einem klassischen Aperitif namens "Pinky Promise". "Das ist unser Versprechen für einen gelungenen Abend", sagt Rost. Der neue "Bramble" Gin von Bombay, Honig, Thymian, eine vegane Eiweiß-Variante, mit Tonic aufgespritzt, bildet den Auftakt. In die Nase steigen Thymian und Honig, auf der Zunge kommt der Drink erst süß an, nur um ins fein Bittere zu changieren. Dadurch wird er erfrischend, macht wach, er ist fruchtig, frisch, leicht säuerlich und anregend. Einen besonderen Effekt bieten die Zimt-Rosen-Perlen, die etwas zum Kauen geben und einen Hauch von Weihnachtserinnerung auslösen.

Verliebt und zart rosa mit dem "Sexy Eyes Tea"

Verliebt und zart rosa geht es weiter. Beim "Sexy Eyes Tea" wird vorher etwas Türkischer Drachenkopf aus einem kleinen Fläschchen auf dem Handrücken der Trinkhand zerstäubt. Dadurch atmet man beim Heben des Glases zunächst den süßlichen Duft des auch "Moldawische Melisse" genannten Krauts ein. Danach entfalten Bacardi-Rum, infusiert mit Kirsche und Holunder, Cherry, Nana-Minzgeist, Ingwer und Zitrone, gefiltert in Mandelmilch, ihr zartes, florales Bouquet. Der erste Eindruck ist der von Sauerkirsche, an den Zungenrändern eingerahmt vom süßen Holunder. Die Minze sorgt für ein Extra an Kühle und macht das Ganze so angenehm, dass der Alkohol kaum noch hervorsticht, obwohl der Drink davon nicht wenig in sich hat. Dazwischen immer wieder die süßen Düfte vom Handrücken, die das Ganze abrunden.

Der "Laloba" ist ein Drink der legendären Yvonne Rahm, die damit bei der Bacardi Legacy 2019 in Berlin den ersten Preis errang. Rum mit Salbei infusiert, Honig, Haselnusslikör und Bier. Ja, Bier. Das Salbeiblatt kommt in das Glas und dominiert natürlich die Nase mit seinem herben Aroma. Dazu wirkt der Drink dann sehr fein, süß, süffig mit ausgeprägten Haselnussnoten. Im Nachhall kommt die Säure des Biers dazu. Eine sehr schöne und gut ausgewogene Kombination in ebenfalls feinem Rosa aus Süße und säuerlicher Frische, von der man kaum genug bekommt.

Im vierten Gang wird es deutlich härter, schärfer und ganz pur. Es gibt Tequila. Klassischerweise leckt man Salz, kippt den Tequila und nimmt dann Limette dazu. Paul Rost ist hier natürlich eleganter unterwegs. Statt Salz gibt es Andaliman-Pfeffer, gemischt mit indischen Sonnenflocken, einen gelagerten Tequila, dazu selbst hergestellten, sehr scharfen Rote-Bete-Saft, den man sich mit der Pipette in den Drink träufeln kann. Zwei bis drei Tropfen sorgen für einen milden Kick, zehn für einen atomaren Rumms. "Erdig und Schärfe passt einfach sehr gut zu Tequila", so Rost. Statt Zitrone gibt es eine ganze Kumquat, die man dazu essen kann, inklusive der Schale. Die Salz-Pfeffer-Kombination ist rauchig und beißt nicht in die Zunge, wie es das industrielle Salz tun würde. Der Tequila, beim Probetasting mit vier Tropfen geschärft, trumpft mit intensiven Rauch- und Agavennoten auf, bevor die Schärfe zuschlägt - allerdings bei Weitem nicht so unangenehm wie Chili, sondern eher wie ein Glockenschlag, der wach macht, die Sinne aufweckt und den ganzen Körper belebt. Die Kumquat hinterher sorgt für Frische und neutralisiert die dichten Aromen. Die Schärfe hallt noch lange nach, aber sorgt vor allem für Wärme.

Für den Abschluss sollte man die Mikrowelle oder einen Topf bemühen. Die "HotSchoki" wird vor dem Servieren nämlich erhitzt. Paul Rost hat hier heiße Schokolade aus echtem Kakao hergestellt und mit lange gelagertem dunklem Rum, Mandelmilch, Zimtblüte, Vanille, Muskat, wildem Pfeffer und Kardamom verfeinert. Ein Schuss Guarana sorgt für wache Momente.

Von der Tasse - oder dem Glas - steigen Zimtdüfte auf und sorgen für sofortiges Wohlbehagen. Auf der Zunge ist die Schokolade voll, floral, nicht zu bitter und nicht zu süß, mit einem erdigen Abschluss. Der Rum entfaltet im Hintergrund seine dunklen Aromen. Ein echter Durchwärmer für kalte Wintertage - oder heiße Winternächte bei diesem aphrodisierenden Morgenpost-Tasting des "Bonvivant".

Zu Hause an die Theke:

Fünf Drinks für Zwei gibt es vom 5. bis zum 31. Januar 2021 für 49,90 Euro pro Box zur berlinweiten Lieferung Mittwoch bis Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr bei Bestellung spätestens am Vortag bis 22 Uhr. Bestellungen unter https://www.the-good-taste.de/products/morgenpost-cocktail-tasting oder E-Mail: info@bonvivant.berlin oder Tel. 017661722602. Bei Bestellung über Mail oder Telefon auch Bar- oder EC-Zahlung bei Zustellung möglich.