Funkturm

Weinmesse Berlin lädt am Wochenende auf das Messegelände

330 Winzer sind im Februar wieder bei der Weinmesse in Berlin zu Gast. Rund 4000 Weine können verkostet werden.

330 Winzer präsentieren auf der Weinmesse Berlin 4000 verschiedene Weine.

330 Winzer präsentieren auf der Weinmesse Berlin 4000 verschiedene Weine.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Einen Weinschoppen am frühen Freitagnachmittag? Die Besucher unter dem Funkturm freuen sich darauf. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Weinmesse Berlin warten die Genießer im Foyer der Halle 21 an der Masurenallee sehnsüchtig auf den Einlass. Als sich die Tore um Punkt 13 Uhr öffnen, begibt sich die Menge dann auch ohne zu zögern zur Gläserausgabe. Fünf Euro Pfand für ein Trinkgefäß- nicht der Rede wert bei dem umfassenden Weinangebot, das es heute zu verkosten gibt.

Vom 14. bis zum 16. Februar 2020 findet erneut die Weinmesse Berlin statt. Dieses Jahr präsentieren 330 Winzerfamilien, Sektgüter, Kellereien und Weinhändler 4000 Weine sowohl aus den 13 deutschen Anbaugebieten als auch international aus fünf Kontinenten.

Die Messe mit ihrer 25-jährigen Tradition erfreut sich wachsender Beliebtheit bei den Hauptstädtern - obwohl den Berlinern immer noch nachgesagt wird, das sie das Bier dem Wein vorziehen würden. Umso erstaunlicher also, dass es den weltweit größten Markt für Weinverbraucher überhaupt an die Spree gezogen hat.

Weinmesse zog vom Logenhaus über das Rathaus Schöneberg zum Flughafen Tempelhof

Bereits zum dritten Mal wird die Messe jetzt auf dem Berliner Messegelände ausgerichtet. Die Stände sind auch am Freitag schnell gut besucht, der Strom reißt nicht ab. Es wird munter gemurmelt, geschlürft und gelacht. In den 1990er-Jahren hatten sich die Winzer für ihre Messekunden noch einen einzigen Raum im Hotel mieten müssen. Als die Weinmesse 1993 zum ersten Mal im Logenhaus Berlin mit 70 Ausstellern stattfand, kamen immerhin bereits 1800 Besucher.

Als der Zuspruch wuchs, zog die Messe in das Rathaus Schöneberg, später dann auf den ehemaligen Flughafen Tempelhof. Da waren es dann schon 250 Aussteller und 25.000 Besucher. Nächste Station war die Station Berlin, der frühere Postbahnhof am Gleisdreieck. Zum 25-jährigen Bestehen kam die Messe Berlin als Partner hinzu.

Ein kleines Stück mitverantwortlich für den Berliner Weinboom ist möglicherweise auch Berlinwein.com. Das hippe Unternehmen vertritt nationale und internationale Weingüter und bietet deren Produkte den Hauptstädtern an. Betrieben wird Berlinwein.com vom jungen Weinliebhaber Fritz Wittkowski, der selbstverständlich auch einen Stand auf der diesjährigen Messe hat. Er möchte vor allem das spießige Image des Weins beseitigen und ein jüngeres Publikum ansprechen. Wittkowski ist sich sicher: Der Wein ist auch in Berlin im Kommen. Eine vollmundige Aussage, wenn man bedenkt, wie sehr die Stadt noch immer mit ihren Bier-Eckkneipen in Verbindung gebracht wird.

Brandenburger Weine wollen auf den Berliner Markt

Für Wittkowski hat Wein aber den Vorteil hoher Qualität und Vielfältigkeit, passt gut zum bewussten Essen und zum Bio-Trend: „Bier bleibt immer nur Bier“, sagt er. Während der Pilskonsum in Deutschland stetig zurückgeht, schießen laut Wittkowski ausgefallene Weinbars an jeder Ecke der Stadt aus dem Boden. Bei aller Innovation bleibt der Riesling von Rhein und Mosel aber dennoch der beliebteste Klassiker des Berliners.

Dass nicht alle Weine von Rhein oder Mosel, aus Frankreich, Italien oder Kalifornien kommen müssen, beweist das Weingut Dr. Lindicke aus Werder (Havel). Die Winzer aus Berlins Nachbarbundesland Brandenburg bauen schon seit 1996 beliebte Reben wie den weißen Müller-Thurgau an. Besonders stolz ist das Weingut aber auf seine unbekannten Rebsorten wie Kernling, Saphira oder Sauvignac.

Chef Martin Lindicke schwärmt als guter Verkäufer von seinen Brandenburger Weinen: „Sie bestechen durch ein angenehmes Säureverhältnis, sind leicht und haben eine sommerliche Frische“. Er gibt aber auch zu, dass der Berliner Markt ein schwieriges Pflaster für ihn ist. „Gerade die Gastronomie der Hauptstadt ist unseren unbekannten, aber extrem ökologischen Sorten noch skeptisch gegenüber.“ Im Zweifelsfall bestehen Betreiber und Gäste lieber auf Althergebrachtem wie Grauburgunder oder Merlot.

Zumindest ein älteres Berliner Ehepaar hat Dr. Lindicke aber bereits überzeugt. Die Messebesucher verraten, unter anderem durch ihn von Bier auf halbtrockenen Wein umgestiegen zu sein und die Sommer gerne auf Lindickes Weinberg in Werder zu verbringen. Ein erster kleiner Schritt.

Amaro ist die Berliner Antwort auf Aperol

Das Angebot für die Genießer ist dieses Jahr nicht nur auf Wein beschränkt. Neben internationalen Delikatessen wie Käse, Antipasti, Salami, Schinken, Olivenöl und Fisch gibt es auch Spirituosen.

Die Berliner Brennerei Grote Co. Spirits aus Prenzlauer Berg ist schon zum dritten Mal auf der Weinmesse vertreten. Besonderes Anliegen dieses Jahr ist laut Standbetreiber Sascha Hoffmann die Anpreisung des neuen Amaro: „Die Berliner Antwort auf Aperol“.

Der Amaro sei insbesondere für Weinliebhaber geeignet und lasse sich perfekt mit Wein und Prosecco aufgießen. Oder eben pur trinken – genauso wie im Übrigen der hauseigene Wodka, der Gin und der Magenbitter. Ein nettes Angebot, das auch zwei interessierte Damen sogleich wahrnehmen. Schließlich lebt der feine Geschmack von der Abwechslung. Nur Bier und Wein ist ja auch langweilig.

Weinmesse Berlin

14.–16. Februar

Hallen 21/22

Eingang über Halle 21 an der Masurenallee (rechts neben dem Haupteingang)

Fr./Sbd., 13-20 Uhr, So., 12-19 Uhr

Tickets (inkl. Verkostung) 17 Euro

Eintritt unter 18 Jahren nur in Begleitung Erziehungsberechtigter

Weitere Informationen zur Weinmesse finden Sie hier.