Spirituosen in Berlin

Zum Wohl! Diese Schnaps-Läden sind einen Besuch wert

Regionale Produkte liegen im Trend. Auch Hochprozentiges wird in Berlin hergestellt und oft vor Ort verkauft. Eine Auswahl.

Versuchen viel: UIf Stahl (l.) und Gerald Schroff im Hofladen der „Preussischen Spirituosen Manufaktur“

Versuchen viel: UIf Stahl (l.) und Gerald Schroff im Hofladen der „Preussischen Spirituosen Manufaktur“

Foto: PSM

Berlin. Der Trend zu regionalen Produkten macht auch nicht vor Hochprozentigem halt. Spirituosen werden auch in Berlin und Brandenburg hergestellt und können meist vor Ort verkostet und gekauft werden. Fünf Beispiele – vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Traditionsunternehmen.

Mampe

Untrennbar mit Berlin verbunden ist Mampe. Für „Halb & Halb“, den Klassiker aus Kräuterbitter und Pomeranzen, lief sogar David Bowie im Film „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ Werbung. Ihre Ursprünge hat die älteste Spirituosenmarke der Stadt 1831 in Pommern, kam dann über Hohenschönhausen nach Neukölln – bis zur Insolvenz 1984 und der Übernahme durch Berentzen. Kurz vor dem endgültigen Aus übernahm der Werbefachmann Tom Inden-Lohmar vor sechs Jahren die Marke. „Tom von Mampe“ steht auf seiner Visitenkarte, auf den rechten Unterarm des Geschäftsführers von „Mampes Neuer Heimat“ im Bergmannkiez sind vier rot-weiße Logos mit dem Elefanten tätowiert. In dem riesigen Raum, einer ehemaligen Brauerei, werden Destillate und Mazerate für „Halb & Halb“, Likörgetränke wie der Fliegercocktail, Wodka sowie Gin hergestellt. Hier finden auch Führungen und „Tastings“ statt.

Mampes Neue Heimat, Am Tempelhofer Berg 6, Tel. 208 48 44 70, www.mampe.berlin

Preussische Spirituosen Manufaktur

Wie die Antwort auf alle Fragen des Lebens lautet, wissen Kenner von Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“. Auch Gerald Schroff von der Preussischen Spirituosen Manufaktur kennt sie: 42. Deshalb ist der Alkoholgehalt beim Gin und Wodka der Traditionsmarke Adler exakt so hoch, meint er augenzwinkernd. Gemeinsam mit dem Mikrobiologen Ulf Stahl übernahm er 2009 die 1874 gegründete Destillerie, die zugleich aktives Museum der Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation ist. Führungen beginnen in der „Hexenküche“, wo sich in einem Drogenorgel genannten Regal die Zutaten von Alant bis Zitwer reihen. Die Spirituosen sind bis zum Aufkleben des Etiketts handgemacht. Das Aushängeschild der Manufaktur vereint denn auch drei Berliner Handwerke: die Flasche aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur, gefüllt mit Adler Dry-Gin, in einem von einem Buchbinder gefertigten Karton. Die Auflage ist auf 500 Stück limitiert. Queen Elizabeth II. besitzt bereits eine Flasche.

Preussische Spirituosen Manufaktur, Seestraße 13, Tel. 45 02 85 37, www.preussenbest.de

Schilkin

„Die Luft ist die Lokomotive“, sagt Erlfried Baatz, Geschäftsführender Gesellschafter bei Schilkin in Kaulsdorf. Tatsächlich hat der Pfefferminzlikör „Berliner Luft“ das von Sergei Apollonowitsch Schilkin aufgebaute Traditionsunternehmen aufatmen lassen – dank einer ordentlichen Marketingstrategie für eine junge Klientel, die den „Pfeffi“ als Partygetränk konsumiert. Vom Discountergeschäft hat sich Schilkin verabschiedet, konzen­triert sich jetzt auf Eigenmarken sowie Manufakturarbeit. Auf dem Gelände gibt es einen Werksverkauf und eine Kantine, an deren Wänden Holzwagenräder, Dreschflegel, Pflug und Sensen an den Wänden an frühere Zeiten des einstigen Gutshofes Kaulsdorf erinnern. Dank dieser Landwirtschaftsgeräte hat es die Kantine auch schon auf die große Leinwand geschafft: als Kneipe am Jakobsweg in der Hape-Kerkeling-Verfilmung von „Ich bin dann mal weg“.

Schilkin, Alt-Kaulsdorf 1, Tel. 56 57 80, www.schilkin.de

Eschenbräu

Versteckt in einem Weddinger Hinterhof liegt das „Eschenbräu“. Hier braut Martin Eschenbrenner seit 2001 seine Saisonbiere. Obstbrände und Whisky kamen 2009 dazu, denn „wenn man Eschenbrenner heißt, dann ist das auch eine Pflicht“, sagt er. Zwar ist der Brennkessel, der an eine Taucherglocke erinnert, das optische Highlight in dem ehemaligen Studentenkeller, doch beim Brennvorgang dabei sein wollen die wenigsten Gäste, zu warm und zu geruchsintensiv sei die Angelegenheit. Für seine Obstbrände verwendet er nur Sauerkirschen, Zwetschgen und Äpfel, die rund um Berlin wachsen. Es gibt sogar „Brände“, die von einem einzigen Apfelbaum stammen, sagt er. Der genaue Standort ist samt Navigationsdaten auf dem Etikett abgedruckt.

Eschenbräu, Triftstr. 67, Tel. 0162/493 19 15, www.eschenbraeu.de

Spreewood Distillers

Im malerischen Dörfchen Schlepzig haben die Spreewood Distillers ihren Sitz. „Uns sind die Roggenfelder hier aber wichtiger als der Spreewald“, sagt Bastian Heuser. Er ist einer der drei Berliner, die vor knapp drei Jahren die Destillerie mit Hofcafé und Kahnanleger übernahmen. Im Sortiment sind neben verschiedenen Fruchtlikören auch der Lufthansa-Cocktail und – man ist schließlich im Reich der Spreewaldgurke – auch ein Gurkengeist. „Unsere Antwort auf Gin“, meint Bastian Heuser. Doch der Schwerpunkt liegt auf Whisky, und die Bemühungen haben sich gelohnt: Der „Stork Club Rye Whiskey“ wurde gerade mit Double Gold bei der „San Francisco World Spirits Competition“ ausgezeichnet. Bereits im letzten Jahr wurde der Berlin-Brandenburger Roggenwhisky in Deutschland als „Whisky des Jahres national 2017“ im Rahmen des „Internationalen Spirituosen Wettbewerbs“ ausgezeichnet.

Spreewood Distillers, Dorfstraße 56, 15910 Schlepzig, Tel. 035472/65 91 42, www.spreewood-distillers.com

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