Passion Kochen

Warum Thomas Anders jetzt ein Kochbuch rausbringt

Von der Bühne an den Herd: Thomas Anders, Ex-Mitglied von „Modern Talking“, verrät seine Lieblingsrezepte.

Thomas Anders hat jetzt ein Kochbuch veröffentlicht. Das Kochen ist eine seiner Leidenschaften

Thomas Anders hat jetzt ein Kochbuch veröffentlicht. Das Kochen ist eine seiner Leidenschaften

Foto: Johannes Grau für Tre Torri Verlag / BM

Seine Frau Claudia hat Thomas Anders mit Klavierspielen und Pasta von sich überzeugt. Die Ehe hält immerhin schon seit fast 20 Jahren. Aber auch wenn es darum geht, Freunden einen schönen Abend zu bereiten, greift der Musiker seit einiger Zeit gerne zum Kochlöffel. Seine private Leidenschaft hat der 55-Jährige nun zu einem Kochbuch gemacht. In "Modern Cooking: Einfach, lecker, anders" verrät er seine Lieblingsrezepte und im Interview, warum die Küche im Hause Anders rein männliches Herrschaftsgebiet ist.

Herr Anders, warum war es an der Zeit für ein eigenes Kochbuch?

Thomas Anders : Kochen ist schon lange eine Leidenschaft von mir. Ich liebe es, für den privaten Gebrauch in der Küche zu experimentieren. Das ist ein Bereich, den mir meine Frau gerne überlassen hat. Ralf Frenzel vom Tre Torri Verlag ist außerdem ein Freund von mir, und vor etwa zwei Jahren kam er mit der Idee auf mich zu, ein eigenes Kochbuch zu veröffentlichen. Ich selber habe bestimmt 160 Stück zu Hause. Die ganze Branche lebt zu Teilen von mir (lacht).

Wie haben Sie denn kochen gelernt? Zu Hause von Ihrer Mutter?

Ich stamme ja noch aus einer Generation, in der es selbstverständlich war, dass die Mutter jeden Tag zu Hause gekocht hat. Selber angefangen habe ich aber erst mit Mitte 20. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon so viel mit meiner Musik unterwegs, dass, wenn ich zu Hause war, ich einfach keine Lust mehr auf Gastronomieküche hatte. Also habe ich angefangen zu kochen.

Gibt es ein typisches Gericht Ihrer Kindheit, das Sie heute selber kochen?

Zum einen den klassischen Pfannkuchen. Heute aber mit Calvados-Äpfeln. Das ist ein Rezept, wenn es mal schnell gehen muss. Bei uns im Rheinland wird außerdem viel mit Kartoffeln gekocht. Düppekoche zum Beispiel. Das ist eine Art Kartoffelpuffer aus dem Bräter mit Muskat, Salz, Pfeffer und Speck. Da hat jede Familie ihr ganz eigenes Rezept.

Kochen Sie denn heute mit Ihrem Sohn?

Wenn ich zu Hause bin, ja. Ich habe versucht, ihn da ranzuführen. Allerdings ist er jetzt 16 Jahre alt. Da steht Kochen mit seinem Vater nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Wenn ich ihm früher Pausenbrote gemacht habe, kam da aber immer Gemüse oder Salat mit drauf. Diesen gewissen Sinn für Ästhetik beim Essen hat er von mir übernommen.

Ihre Frau kocht nicht gerne?

Nein, sie kocht wirklich nicht gern. Sie kümmert sich lieber um das schöne Ambiente. Als wir in unser Haus gezogen sind, durfte ich deshalb auch ganz allein meine Traumküche planen. Das hat mehrere Sitzungen mit dem Küchenbauer gebraucht. Wir haben jetzt in der Mitte einen sehr großen Küchenblock, das ist sehr kommunikativ. Auch ein Induktionsherd mit einer separaten asiatischen Aluplatte zum Braten und ein extra breiter Backofen waren mir wichtig. Einmal im Jahr muss schließlich eine Gans reinpassen.

Im Vorwort Ihres Kochbuches heißt es: "Für diejenigen, die sich schon die ganze Zeit fragen, warum im Hause Anders der Kerl mit der Schürze am Herd steht: Ich koche wirklich gerne." Klingt ein wenig nach Angst vor dem 50er-Jahre-Weltbild. Müssen Sie sich für Ihre Leidenschaft so häufig rechtfertigen?

In der Spitzengastronomie stehen zwar hauptsächlich Männer am Herd, zu Hause ist das in den Köpfen vieler Menschen aber immer noch klassisch der Arbeitsbereich der Frau. Bei uns ist das anders. Wenn meine Frau etwas in der Küche sucht, fragt sie mich, wenn der Computer kaputt ist, frage ich sie.

Viele Menschen empfinden Kochen als Stress. Für Sie ist es Entspannung?

Total. In meinem Kochbuch ist aber auch nichts kompliziert. Es sind auch alles Zutaten, die man in einem herkömmlichen Supermarkt bekommt, ohne lange danach rumrennen zu müssen. Ich bereite immer alles so vor, dass ich beim Kochen nur noch alles zusammenwerfen muss. Das finde ich vor allem wichtig, wenn man Gäste hat. Bei mehr als acht Personen komme ich aber auch an meine Grenzen.

Was ist Ihr "Angeber-Gericht" für Gäste, das unter Umständen komplizierter aussieht, als es ist?

Das ist ein Avocado-Mango-Tatar mit Garnelen. Da sollte man zum Anrichten aber einmal in Servierringe investieren.

Und was kochen Sie, wenn Sie Ihre Frau beeindrucken wollen?

Bandnudeln mit Pfifferlingen. Damit habe ich sie erobert. Na gut, ein bisschen Klavierspielen war auch dabei (lacht).

Wie wichtig sind Ihnen beim Kochen hochwertige Zutaten?

Für mich gehört das beides zusammen. Ich kann ja nicht erwarten, dass Gewürze ihren vollen Geschmack behalten, wenn sie schon seit einem halben Jahr getrocknet und eingeschweißt im Supermarktregal stehen. Und Hühnerbrust für 1,99, was soll denn das sein? Das Tier hatte für den Preis bestimmt kein schönes Leben. Natürlich gibt es Menschen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Aber wenn jemand seinem Auto jeden Sonntag die teuerste Wäsche gönnt und beim Fleisch soll es dann nur das Billigste sein, dafür habe ich kein Verständnis.

Was ist denn Ihre große Schwäche? Schokolade? Currywurst?

Erdnussflips. Die habe ich meiner Frau verboten zu kaufen. Wenn doch mal eine Tüte da ist, nehme ich mir eine Tasse voll und sage dann: Das ist die Portion für heute Abend. Natürlich esse ich am Ende doch die ganze Tüte auf.

Avocado-Mango-Tatar mit Garnelen à la Thomas Anders

Zutaten für vier Personen:

75 Gramm Rucola

1 Mango

1 Avocado

1 Schalotte

½ Bund Koriander

2 Esslöffel Zitronensaft

6 Esslöffel Olivenöl

½ Teelöffel Worcestersauce

1 Spritzer Tabasco

Salz, Pfeffer

8 küchenfertige Garnelen

1 Knoblauchzehe

2 Zweige Rosmarin

1 Esslöffel Rotweinessig

Zubereitung:

"Zu Beginn bereite ich den Rucola vor. Also putzen, waschen, trocken schleudern und erst einmal beiseitestellen. Dann schäle ich die Mango, schneide das Fruchtfleisch vom Stein und dieses dann in ein Zentimeter kleine Würfel. Bei der Avocado ebenso, also schälen, halbieren, Kern auslösen und in Würfel schneiden. Die Schalotte schäle ich und hacke sie fein. Den Koriander wasche ich, schüttele ihn gut trocken und hacke ihn ebenfalls fein. Nun mische ich die Zutaten fürs Tatar mit Zitronensaft und gebe drei Esslöffel Olivenöl, Worcestersauce und Tabasco dazu. Salz und Pfeffer dazu, das war's dann schon fast. Jetzt steht nur noch die Zubereitung der Garnelen an: dazu waschen, trocken tupfen, Knoblauch schälen und klein schneiden. Den Rosmarin wasche ich und schüttele ihn trocken. In einer Pfanne einen Esslöffel Öl erhitzen und die Garnelen, Rosmarinzweige sowie den Knoblauch darin kurz anbraten. Das geht wirklich sehr schnell. Salz und Pfeffer dazu, fertig. Nun verrühre ich noch das restliche Öl mit dem Rotweinessig, würze mit Salz und Pfeffer und mariniere den Rucola damit. Mithilfe eines Servierrings richte ich das Tatar auf Tellern an, lege jeweils zwei Garnelen obenauf, und dann den Rucola dekorativ dazu. Et voilà – fertig ist die perfekte Vorspeise!"

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.