Currywurst in Berlin

Diese ungewöhnlichen Currywurst-Buden sollten Sie kennen

Diese Berliner Currywurst-Buden servieren den Klassiker der Imbiss-Kultur ein wenig anders - und sind einen Besuch wert.

Currywurst mal anders: In diesen Berliner Läden gibt's den Klassiker in interessanten Variationen

Currywurst mal anders: In diesen Berliner Läden gibt's den Klassiker in interessanten Variationen

Foto: Travel-Stock-Image / imago/Travel-Stock-Image

Ketels Grill: Imbisskultur mit Bärlauchwürstchen

Auf dem Grill brutzeln Würstchen, es riecht nach Holzkohle und Glühwein. Das hört sich nach Lagerfeuerromantik an, doch das ist eher ein Sommerthema. Oder nach Weihnachtsmarkt und darauf muss noch elf Monate gewartet werden. An der viel befahrenen Invalidenstraße aber ist genau jene Idylle zu finden: Ketels Grill. Ein Imbisswagen samt Jurte-ähnlichem Zelt, in dem ein Lagerfeuer flackert. Das Holz dafür wird am Grillstand gestapelt, so dass man auch denken könnte, man befände sich in einem alpinen Skiort.

Im Gastrohippen Berlin könnte man auch mutmaßen, dass Ketel ein Streetfood-Jünger sei. Aber Fehlanzeige. Erst einmal wird der guten alten Berliner Imbisskultur mit Currywurst (2,80 Euro), im Brötchen für 3,50 Euro, mit Pommes frites für 4,50 Euro, gefrönt. Der junge Brutzler lässt sich Zeit, achtet darauf, dass die Würste ordentlich gegrillt werden. Zeitgeist kommt mit Wild- und Bärlauchbratwürstchen (je 3,50 Euro) sowie Veggie-Wurst im Brötchen (3,70 Euro) auf den Grill. Die (Fleisch-)Würste sind knackig und haben einen herrlichen Eigen- und Gewürzgeschmack. So ist bei der Wildwurst etwa Majoran gut eingesetzt. Was an den Produkten selber liegt, bezogen werden die meisten von einem kleinen Betrieb in Brandenburg mit vermeintlich glücklichen Schweinen.

Die "Scharf?"-Frage bei der Currywurst ist ernst gemeint, wird sie mit "ja" beantwortet, ist Schmackes dahinter. Die Fritten sind Standard, nicht handgeschnitzt, sondern aus der Tüte. Auch die Brötchen, die stammen vom nahegelegenen Supermarkt-Backstand. Nicht zu toppen ist das Gesamterlebnis. Platziert man sich mit einem Glühwein in ordentlicher 0,3-Liter-Abfüllung und dampfender Wurst am Jurten-Lagerfeuer, gerät die Außenwelt in Vergessenheit.

Besucht am: 29.01.2018

Invalidenstr. 5, Mitte, Di. - Sbd. 12 - 20 .30 Uhr, Tel.0174 183 39 49, www.facebook.com/pg/KetelsGrill

Die zehn beliebtesten Kantinenessen der Deutschen
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Der Vegetarische Metzger: Ausgezeichnete Veggie-Currywurst für 2,49 Euro

"Der Vegetarische Metzger" - ein Name, der irritiert. Was soll das sein? Die überwiegend jungen Gäste, die das Bistro an der Bergmannstraße betreten, wissen es. Der Laden steht in Dutzenden Internet-Stadtführern auf einem der vorderen Plätze der kulinarischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Inneneinrichtung des 40-Sitzplätze-Bistros mit rustikal gemusterten Beton-Bodenfliesen, hellen Holzbänken und dicken Kissen verbreitet das, was man zeitgemäße Gemütlichkeit nennen könnte. Dazu gehören auch Dekorationen aus Stoff, die Würste oder Fleisch darstellen.

Wie in vielen Lokalen im Szenekiez steht das Speisenangebot in Englisch auf einer großen Schiefertafel. Es liest sich wie in den meisten Burgerläden der Stadt. Cheeseburger, Doppelcheese, mit Bacon. Auch ein Menü für 9,90 Euro ist im Angebot. Der Clou an der Sache: Alles hier ist ohne Fleisch hergestellt. Wie die ausgezeichnete Currywurst für 2,49 Euro oder das vegane Chicken Schawarma für 5,49 Euro. Neuerdings im Angebot ist ein vegetarischer Döner aus Soja und Gemüse.

Der Großteil der Produkte kommt aus den Niederlanden von dem ehemaligen Schweinezüchter Jaap Korteweg. Der hat zusammen mit der Universität Utrecht Verfahren entwickelt, aus Soja Ingredienzen zu gewinnen, die Fleisch und Geflügel sehr ähnlich sind und auch fast genauso schmecken. So findet sich anstatt eines Rindfleischpatties beim saftigen Cheeseburger ein Taler aus Sojastruktur, Zwiebeln und Gewürzen zwischen dem guten Brötchen, 4,49 Euro. Dazu gibt es Kartoffeldippers, Pommes oder Süßkartoffel-Pommes, 2,49 Euro, und fantastische Dips wie eine vegane Koriander-Ingwer-Mayonnaise oder Himbeer-Tomaten-Ketchup, je 49 Cent. Ein Imbiss zum Angewöhnen.

Besucht am: 17.01.2018

Bergmannstr. 1, Kreuzberg, Tel. 22 47 98 37, Mo. - Sbd. 11.30 - 21, So. 13 - 20 Uhr, www.der-vegetarische-metzger.de

Kreuz + Kümmel: Indische Currywurst mit Nelken und Maultaschen

Chaitanya Singh ist ein gastronomischer Erneuerer. Der 43-Jährige Inder betreibt seit gut einem halben Jahr das "Kreuz + Kümmel" mit einem Mix indischer und europäischer Gerichte, der einfach nur begeistert. Singh braucht eigentlich einen Kinderwagenparkplatz, so viele Mütter und Väter mit Kleinsten sind oft im Schankraum versammelt. Ein weiterer Teil der Gäste scheint das "Kreuz + Kümmel" als Co-Working-Space zu nutzen und trinkt dazu einen wärmenden indischen Chai, schwarzer Tee mit Kardamom, Nelke, Zimt, einmal aufgekocht mit einem Schuss Milch.

Highlight sind jedoch Singhs Speisenkreationen. Im Kiez am berühmtesten ist seine hausgemachte Currywurst. Für die mischt der Koch und Gastronom Fleisch von der Schweineschulter und vom Schweinebauch und dreht es mit Gewürzen wie Nelke und Zimt durch. Die grobe Wurst hat ein herrliches Aroma und reichlich Biss. Begleitet wird sie von einer fruchtig-scharfen Tomatensoße und hausgebackener Brioche, 5,40 die kleine, 7,40 Euro die große Portion.

Auf der Wochenkarte fand sich außerdem indisch inspirierter Schweinebauch Vindaloo, der für den nächsten Besuch reserviert ist. Auf seiner festen Karte bietet Singh derzeit neben Gnocchi mit indischem Twist auch indische Maultaschen an. "Bei den vielen Schwaben im Kiez musste ich das doch machen", sagt er. Angeboten werden die hausgemachten Teigtaschen mit einer Fleischfüllung oder mit Paneer, indischem Rahmkäse, 9,80 Euro. Geschmacklich ein Erlebnis, das neben den Maultaschen durch die würzige Soße aus Gemüsebrühe, Butterschmalz und indischen Gewürzen überzeugte. Gekrönt wurde das Essen von Lotos-Chips.

Besucht am: 10. Januar 2018

Christburger Str. 13, Prenzlauer Berg, Tel. 48 47 60 66, Di. - Fr. 8 - 20 ,Sbd. 10 - 22 Uhr, kreuzundkuemmel.de

Lowkal: Currywurst mit Rostzwiebeln und Low Carb Spätzle

Wilmersdorf Lowkal? Es könnte Lokal mit einem "w" zu viel sein. Oder, wenn man englisch denkt, könnte es für "low calories", wenig Kalorien, stehen. Beides stimmt ein bisschen. Beim Besuch des Restaurants entpuppt sich das Ganze als erstes "Low Carb", sprich wenig Kohlenhydrate. Diese Richtung ist bekannt, wenige Kohlenhydrate sollen gut für die Figur sein, Lokal. Ob man denn ein Low Carber sei, fragt der nette Jungservice. Es gibt ein Ja und von der Begleitung ein Nein. Beides gut, sagt sie, denn "bei uns soll es auch schmecken".

Die Atmosphäre in dem Lokal mit 50 Plätzen ist heimelig. Mit Superfood und hochwertigen Fetten werde gearbeitet und auf Haushaltszucker verzichtet, steht in der alle drei Monate wechselnden Karte. Es gibt eine Hand voll Starter (5,50 - 7,50 Euro) wie eine weiße Tomatensuppe mit Basilikumpesto oder einen kleinen Blattsalat mit Tomaten und Mozzarella. Es folgen ein halbes Dutzend Hauptgerichte von der Quinoa-Gemüsepfanne für 9,90 Euro über gebratenes Zanderfilet mit Senfgurken und Kichererbsenmus (14,90 Euro) bis zum Argentinischen Rinderhüftsteak mit Pfeffersauce, Kürbisauflauf und Röstzwiebeln für 16,90 Euro . Abschließend könnte man zwischen zwei Desserts (3,90 bis 6,50 Euro), etwa dem Käsekuchen mit Waldbeertopping, wählen.

Die Wahl fällt auf zwei kleinere Speisen, die Tomaten-Ziegenkäse-Crème-brûlée und die Currywurst mit Rostzwiebeln und Low Carb Spätzle. Die Crème mundet, wäre mit einer heißen statt kalten Kruste sehr gelungen. Die Currywurst kommt als Snack-Portion: weniger Wurst, eine feine Soße und die Spätzle-Begleitung, zu 70 Prozent aus Mandelmehl und recht trocken - daran sollte noch gearbeitet werden. Der Feinschliff fehlt noch, aber der Anfang ist gemacht.

Besucht am: 1. Oktober 2017

Pfalzburger Str. 72a, Wilmersdorf, geöffnet Di. - So. 12 - 22 Uhr, Tel. 8872 0836, www.lowkal.berlin

Wursterei: Hier wird die Wurst auf Lavastein gegrillt

Zwischen der Curry- 36-Filiale am Bahnhof Zoo und dem Zoo Palast brutzelt auch die Wursterei Curry- und Rostbratwürste, Buletten und Pommes. Die Grundsätze des kleinen Imbisskiosks: keine Konservierungsmittel, Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker, hauseigene Currysaucen-Rezepturen, traditionelle Metzger-Handwerksqualität und Pommes aus Landkartoffeln.

Klingt gut. Beim Classic Menü spart man ein paar Cent. Theoretisch kann man sich aussuchen, ob es eine Currywurst mit oder ohne Darm sein soll. Allerdings muss man das ansagen, gefragt wird man nicht. Sauce und Zwiebeln gibt es nach Wahl. Jedoch auch hier: Erst mal Ketchup drauf, bei der Currysauce bedient man sich selbst. Der Wunsch nach Altberliner Schmorzwiebeln geht unter. Gut, dass es auch scharfe rohe Zwiebeln als SB-Topping gibt. Ob des nachmittäglichen Nieselregens sind am frühen Abend Tische und Stühle immer noch zusammengepackt, doch es gibt steinerne Sitzinseln auf dem benachbarten Platz. Der Outdoor-Happen ist gut: Die Pommes sind schön goldig und schmecken entsprechend. Die Berliner Currysauce schmeckt, sie ist pikant und könnte, wenn man kein Traditionalist wäre, auch gegen andere Saucen wie eine milde Curry Mumbai oder eine fruchtige, aber sehr scharfe Curry Dragon getauscht werden.

Auch beim Senf aus der Berliner Senfmanufaktur gibt es die Auswahl: klassisch, als Feigensenf oder mit Jalapeños. Im Gegensatz zur prima Currywurst lag die Rostbratwurst zu lange herum. Die Haut ist dadurch zu fest geworden. Das ummantelnde Brötchen, Standard. Erfreulich: In der Wursterei wird auf Lavastein gegrillt. Das sorgt dafür, dass die Würste nicht fettig sind, was im Nachhinein auch für ein langes Magenwohlgefühl sorgt.

Besucht am: 1. Juli 2017

Hardenbergstr. 29d, Charlottenburg, So. - Do. 10 - 22 Uhr, Fr. + Sbd. 10 - 23 Uhr, www.pegasus-foodsystems.com

Alle Restaurants unserer "Unter 20 Euro"-Serie auf einer Karte

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