Restaurants

Corona-Krise – Eine Branche erfindet sich neu

In der Corona-Krise setzen Berliner Gastronomen auf Bestellservice und Onlinekonzepte. Von der Sterneküche bis zur Szenebar ist alles dabei.

Auch das BRLO Brwhouse bietet einen Lieferservice an.

Auch das BRLO Brwhouse bietet einen Lieferservice an.

Foto: BRLO BRWHOUSE

Not macht erfinderisch, das gilt in diesen Tagen vor allem für die Gastronomie. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben und die Türen zu schließen, bis der Spuk vorüber ist, entstehen derzeit überall in der Stadt Lieferangebote und kreative Onlinealternativen, um die Berliner durch die kulinarische Durststrecke zu bringen.

Wenn zum Frühlingsbeginn die ersten Sonnenstrahlen zurückkehren, startet im „Brlo Brwhouse“ am Gleisdreieck-Park normalerweise die Hochsaison. Wenn die Berliner nicht in den Biergarten kommen, kommt der Biergarten eben zu ihnen, dachten sich die Geschäftsführer Katharina Kurz und Ben Pommer und haben kurzerhand fünf Gerichte sowie alle Brlo-Biere und die Bio-Apfelessig-Limonade „Hequa“ zum Liefern und Abholen fertig gemacht. So werden Blumenkohl mit Vadouvan (15 Euro) oder Rippchen vom Freilandschwein aus dem Smoker (18 Euro) vorgekocht und müssen dann zu Hause nur noch nach der beiliegenden Anleitung erhitzt werden.

Zehn Prozent der Einnahmen werden genutzt, um mit der Initiative „Kochen für Helden“ in den nächsten Wochen für Berlins Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu kochen. Die restlichen Erlöse werden zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes der eigenen Mitarbeiter genutzt. Bestellungen: Montag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr unter brlo-brwhouse.de/lieferservice oder Tel. 030–55 57 76 06.

Berliner Gastronomen teilen Rezepte für zu Hause

Dean Sprave, Küchenchef im Restaurant „Crackers“ an der Friedrichstraße 158, hat sich mit Fotograf Emil Levy und PR-Managerin Lucie Herrmann zusammengetan und auf Patreon, einer Mitglieder-Plattform für digitale Inhalte, das Konzept „The Isolated Chef“ (patreon.com/theisolatedchef) ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Eat lecker things at home“ können Berliner Gastronomen dort ihre Lieblingsrezepte zum Nachkochen für zu Hause teilen. Die benötigten Zutaten und Küchengeräte werden so angepasst, dass sie in jedem Supermarkt und Haushalt zu finden sind. Verschiedene Abomodelle sind ab neun Euro pro Monat erhältlich. Dazu gibt es die Möglichkeit zu spenden.

Die Erlöse werden unter den teilnehmenden Restaurants aufgeteilt, 25 Prozent gehen an Hilfsorganisationen und Gesundheitspersonal, die aktuell gegen das Coronavirus kämpfen. Aber auch Kochfaule kommen auf ihre Kosten. Vom „Crackers“ und dem benachbarten vegetarischen Sterne-Restaurant „Cookies Cream“ wird es ab der kommenden Woche ebenfalls einen Lieferservice geben.

Tim Raue startet Lieferservice „Fuh Kin Great“

Sterne-Küche für das heimische Abendbrot bieten derzeit auch das „Kin Dee“ an der Lützowstraße 81 mit einem wöchentlich wechselnden Take-out-Menü. Für 14 bis 18 Euro gibt es Dienstag bis Sonnabend von 16 bis 21 Uhr beispielsweise grünes Hähnchencurry, Lhon Tofu oder Rinderbrust Massaman. Vorbestellung unter der E-Mail-Adresse Dalad@kindeeberlin.com.

Tim Raue startet mit seinem Restaurant an der Rudi-Dutschke-Straße 26 in der kommenden Woche den Liefer- und Abholservice „Fuh Kin Great“. Das „Nobelhart & Schmutzig“ an der Friedrichstraße 218 packt seinen Gästen die landwirtschaftlich-orientierte Küche von Micha Schäfer und besondere Flaschen aus dem gut sortierten Keller von Inhaber Billy Wagner und Sommelier Andreas Fissel gern auch to go ein. Eine vegetarische Mahlzeit mit Roggen-Sauerteig-Vollkornbrot von Florian Dombergers Brotwerk, hausgemachter Sauerrahmbutter und einem Glas Frischkäse, gebackenem Sellerie mit Zwiebelkonfitüre, geschmortem Chicoree und geräuchertem Kartoffelpüree sowie Canelés zum Dessert kostet beispielsweise 48 Euro pro Person. Kochanleitung, Musik-, Beleuchtungs- und Weinempfehlung gibt es dazu auf nobelhartundschmutzig.com. Bestellung Dienstag bis Sonnabend ab 10 Uhr unter Tel. 030–25 94 06 10 oder per E-Mail unter dubist@nobelhartundschmutzig.com.

Auchb Berliner Bars bieten Trinkerlebnis für Daheim

Auch Berliner Barflys müssen in den kommenden Wochen nicht auf ihren Lieblingsdrink verzichten. Nicolas Kröger von der Bar „Wagemut“ an der Kreuzbergstraße 71 hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf seinem Insta-gram-Kanal Cocktailklassiker wie den Espresso Martini, einen Gin Basil Smash oder einen French 75 für den Hausgebrauch zu erklären. Zum Einsatz kommen, neben den Spirituosen, ganz einfache Küchengeräte wie ein Sparschäler als Abseiher oder ein leeres Gurkenglas als Shaker. Für Fortgeschrittene zeigt der 28-Jährige, wie man eine Flasche Champagner im eigenen Wohnzimmer mit einem Küchenmesser sabriert.

Schwieriger gestaltet sich die Lage für Stammgäste der Bar „Velvet“ an der Ganghoferstraße 1. Die Zutaten für die Drinks von Ruben Neideck und seinem Team werden in der Natur gesammelt, im hauseigenen Labor fermentiert, verdampft und matzeriert. Wie das funktioniert, verraten die Neuköllner zwar auch auf Instagram, wer sich aber den Aufwand sparen möchte, kann Drinks wie den Cassis Wood Quarantini ab sofort auch unter E-Mail kontakt@velvet-bar-berlin.de bestellen. Geliefert wird eine wöchentlich wechselnde Fünferbox (50 Euro) Montag und Freitag innerhalb des S-Bahn-Rings. Die Drinks sind auf den Punkt fertig gemixt und müssen vor dem Servieren nur noch 30 Minuten in den Froster.