Restaurant-Tipp

Neues Französisch im „Irma La Douce“

Im „Irma La Douce“ an der Potsdamer Straße gibt es französische Gerichte, neu interpretiert.

Blick in das „Irma La Douce“ an der Potsdamer Straße 102

Blick in das „Irma La Douce“ an der Potsdamer Straße 102

Foto: Irma La Douce

tiergarten.  Da hängt sie an der Wand, ganz bescheiden, etwas versteckt neben der Bar, und gibt dem Restaurant ihren Namen: Shirley McLaine in ihrer Rolle als Pariser Prostituierte „Irma La Douce“ in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1963 – ein Meisterwerk mit Jack Lemmon, das den unter 30-Jährigen heutzutage wahrscheinlich ebenso wenig sagen wird wie „Das Apartment“ oder „Manche mögen’s heiß.“

Den Namen haben Jonathan Kartenberg, dem Betreiber und Restaurantleiter im Neuköllner „Eins44“ und sein Team nicht ohne Grund ausgesucht. Das Restaurant, das seit 27. November geöffnet ist, liegt an der Potsdamer Straße, fußläufig von der Kurfürstenstraße und dem dortigen Straßenstrich. In dieser Gegend habe es schon immer „Stripclubs und andere Etablissements“ gegeben, sagt Kartenberg. In dieser Historie hätten sie gesagt, sie würden sich hier sehr zu Hause fühlen, wenn sie das Restaurant nach einem Film nennen, in dem es viel um französisches Lebensgefühl gehe, um Liebe, „wo es aber auch unglaublich viel um Champagner“ geht.

Von der anrüchigen Nachbarschaft zeugt auch eine „Rakete“ über der Fensterfront mit dem Motto „Make Love Not War“ und die wohl gewollt einem Vibrator mit Steuerflügeln ähnelt. Ansonsten ist der Gastraum groß, weit, mit leicht angelaufenen riesigen Spiegeln. Die Weine - eine Tour de France mit Schwerpunkt Burgund, Bordeaux und Champagne in 250 Positionen – sind in einem raumhohen Kühlschrank an der Wand zur Küche untergebracht, über dem Durchgang eine Bahnhofsuhr mit dem Schriftzug Irma. Leer wirkt der Raum zunächst, etwas kahl, aber sind erst einmal einige Tische besetzt, strahlt das Ganze doch Gemütlichkeit aus, französisches Bistro-Flair.

Denn das „Irma La Douce“, in den Räumen der einstigen „Brasserie Lumières“, setzt auf französische Küche. Keiner der Verantwortlichen ist Franzose, weder Restaurantleiter und Sommelier Sascha Hammer vom „Volt“, auch nicht Küchenchef Michael Schulz, der zuletzt die Küche im „Golvet“ geleitet hat und davor im „Rutz“ und im „Vau“ von Kolja Kleeberg gekocht hat. Trotzdem fühle man sich, so Kartenberg, in der französischen Küche zu Hause, möchte sie aber neu denken, „auf unsere Weise interpretieren“.

Schulz setzt also Gerichte auf die Karte wie Makrele / Sellerie / Früchtetee / Bete (19 Euro) oder Schwarzwurzel / Hefe / Pinienkerne / Birnenessig / Trüffel (22 Euro) und Reh / Kürbis / Churros / Ras El Hanout (34 Euro). Gerichte mit französischem Einfluss und kräftigen Aromen, aber nicht schwer, sondern leicht wie ein Pariser Frühling. Auch das Tatar, an diesem Abend auf Brot serviert und nach französischer Tradition fertig angemacht, ist ein fein anmutender Happen (50 Gramm für 11 Euro, 100 Gram für 18 Euro).