Brasserie

Neues Leben für das „Le Paris“ am Kudamm

Das „Le Paris“ im Maison de France ist zurzeit geschlossen. Doch im November soll es runderneuert wieder öffnen.

Vincent Garcia, Besitzer und Küchenchef des Restaurants "Pastis", vor der "Brasserie Le Paris" im "Maison du France" am Kurfürstendamm. Garcia übernimmt das Restaurant nach einem grundlegenden Umbau.

Vincent Garcia, Besitzer und Küchenchef des Restaurants "Pastis", vor der "Brasserie Le Paris" im "Maison du France" am Kurfürstendamm. Garcia übernimmt das Restaurant nach einem grundlegenden Umbau.

Foto: Alexander Uhl

Die Türen sind geschlossen, Papierbahnen verhindern einen Blick ins Innere. Die „Brasserie Le Paris“ im Maison de France ist geschlossen. Immer wieder stutzen Passanten, werfen einen Blick auf den Zettel, der die baldige Wiedereröffnung ankündigt.

Das „Le Paris“ ist eine Institution am Kurfürstendamm, nahe Uhlandstraße. Der lange schlauchartige und enge Gastraum mit den Sofas und der französischen Küche war jahrelang Treffpunkt, beliebt am Mittag und am Abend, häufig voll.

Doch jetzt ist von der Innenausstattung nichts mehr übrig, auch nicht von den Wänden, dem Boden oder sonst etwas. Wo einst Bistrotische aus dem Casino von Monte-Carlo standen und Bilder von Künstlern am Montmartre die Wände zierten, wo oft quirlige Bistro-Atmosphäre herrschte, da gähnt jetzt nackter Beton, sind Bauarbeiter die einzigen Gäste.

Das "Pastis" betreibt Vincent Garcia trotzdem weiter

„Ich habe Tische, Stühle, tout“, sagt Vincent Garcia lächelnd. Der Besitzer und Küchenchef des „Pastis“ am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf hat die Brasserie übernommen, zusammen mit zwei Partnern. Das alte Mobiliar „war nur noch Schrott“, das steht jetzt in einer Lagerhalle. Das „Le Paris“ wird völlig neu, im Stil der Belle Epoque.

Eigentlich wollte der südfranzösische Gastronom, der 1987 zum ersten Mal nach Berlin kam, einst im „Heising“ arbeitete und das „Ganymed“ am Schiffbauerdamm leitete, ja kürzer treten. „Ich wollte das ,Pastis’ weiter betreiben, aber ich wollte viel, viel weniger arbeiten“, sagt Garcia und erzählt lachend: „Ich habe extra meinen Bootsführerschein gemacht.“ Und dann, als er gerade nach einer Woche in Frankreich ein wenig locker geworden sei, habe sein Partner gesagt: „Komm, wir machen das Ding.“ Und das „große Abenteuer“ reizte den 51-Jährigen. Also kaufte er zusammen mit seinem Partner und einem Architekten dem Vorbesitzer die Brasserie ab. Das „Pastis“ betreibt er trotzdem weiter, da ändert sich nichts.

Neuer Küchenchef im "Le Paris" wird Louis Laurent Nou

In der Brasserie jedoch bleibt kein Stein auf dem anderen. Der einstige Feinkost-Bereich wird jetzt dem Restaurant hinzugefügt, die Küche zieht an das Ende des ehemaligen Gastraums – für Kenner: da, wo früher die Bar war – diese wiederum rückt in den Nebenraum. Es soll wieder Sofas geben, aber auch Stehtische an den Fenstern, Einzeltische und Barhocker am Tresen.

Garcia will das alte Küchenteam nicht übernehmen, er holt sein eigenes. Den Küchenchef hat er schon gefunden: Louis Laurent Nou, der einst das „Montmartre“ und das „Saint Tropez“ hatte, bis vor einem Jahr im „Louis Laurent“ arbeitete und mit dem Garcia seit 35 Jahren befreundet ist. Eine Menü-Karte haben sie auch schon geschrieben. Garcia teilt sich künftig auf: drei Tage "Pastis", drei Tage "Le Paris".

Garcia: „Ich möchte alle bedienen“

Was das Konzept angeht, hat er sich inspirieren lassen – unter anderem vom „L’Ètoile du Nord“ im Pariser Bahnhof „Gare du Nord“ von Sterne-Koch Thierry Marx. Ebenfalls eine Brasserie, deren Philosophie es ist, die Gastronomie jedem zugänglich zu machen, mit einer authentischen Küche der Saison, wo die Tagesgerichte 21 Euro kosten und ein Mittagsmenü 22 Euro.

Garcia gibt zu: „Das Ganze ist ambitioniert, aber wir wollen ein Niveau von Service und Küche etablieren, das höher ist, als das, was es heute am Kudamm gibt. Es gebe sehr gute Gastronomen in der Stadt, aber am Kudamm gebe es nur sehr wenig, was ein gutes Niveau habe. „Wir wollen ein Niveau etablieren, wo man sagt: ‘Wow, da gehe ich super gerne hin’. Und dass es trotzdem bezahlbar ist.“ Die Preise würden nicht über dem Level vom „Pastis“ liegen. „Ich möchte alle bedienen“, sagt Garcia.

Eine richtige Brasserie - von Angela Merkel bis zum Bauarbeiter

Er habe immer das Bild vom „Ganymed“ im Kopf. Dort sei Angela Merkels mittags zu Gast gewesen, „ich hatte Leute in Anzügen, und es kamen viele Bauarbeiter, die bei uns gegessen haben“. Garcia weiter: „Wenn man es schafft, preismäßig, qualitätsmäßig und auch stimmungsmäßig, dass alles passt – von Frau Merkel bis zum Bauarbeiter – dann hat man eine richtige Brasserie geschaffen.“

Dominique Treilhou, Direktorin des Institut Francais, nickt dazu. „Wir sind in einem Gebäude, das Frankreich gehört, wir wollten hier eine französische Küche haben, für jedes Publikum, das etwas essen möchte.“ Die Brasserie sei ein Teil „unserer Kultur“ und es sei ein Teil des Maison de France, französisches Essen anzubieten. Der Neuanfang komme gerade richtig: Immerhin feiert das Maison de France 2020 seinen 70. Geburtstag. Eröffnet wurde es am 21. April 1950 vom französischen Stadtkommandanten General Jean Ganeval in Anwesenheit des Hohen Kommissars für Deutschland, André François-Poncet und von Ernst Reuter.

„Das ist ein Recht: gut zu essen. Alle dürfen gut essen“

Kennen gelernt haben Garcia und Treilhou sich – natürlich – beim Essen, im „Pastis“. „Das war sehr schön“, sagt Treilhou, „die Stimmung, die Küche und der Enthusiasmus, diese Begeisterung, die Leidenschaft.“ Also wurde man sich schnell einig.

Am Namen wird Garcia nichts ändern, nur der Eiffelturm im Logo, der müsse weg. „Den kann ich nicht mehr sehen.“ Ihm ist vor allem wichtig, dass es gut schmecken müsse – auch wenn das Gericht 10 Euro koste und nicht 30 Euro. Auch Leute mit wenig Geld hätten das Recht, gut zu essen. „Das ist ein Recht: gut zu essen. Alle dürfen gut essen!“, ruft Garcia leidenschaftlich. Voilá, demnächst dann in der neuen „Brasserie Le Paris“.