Tim Raue

Günther Jauch und Tim Raue eröffnen Restaurant in Potsdam

Tim Raue und Günther Jauch eröffnen im Herbst in der historischen Villa Kellermann in Potsdam ein Restaurant mit bodenständiger Küche.

Zwei-Sterne-Koch Tim Raue in der Villa Kellermann in Potsdam, wo er im September mit dem Fernsehmoderator Günter Jauch ein Restaurant eröffnet.

Zwei-Sterne-Koch Tim Raue in der Villa Kellermann in Potsdam, wo er im September mit dem Fernsehmoderator Günter Jauch ein Restaurant eröffnet.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

„Schick das mal meiner Frau, das glaubt sie mir nie“, sagt Tim Raue unter lautem Gelächter, als er für das Foto zwischen Farbeimern auf der Baustelle der Villa Kellermann Platz nimmt. „Die hat Angst vor mir zu Hause als Handwerker, ich darf noch nicht mal eine Glühbirne rein schrauben.“

Glücklicherweise ist der Zwei-Sterne-Koch bei seinem neuesten Projekt am Heiligen See in Potsdam nicht für den Ausbau, sondern für die Kulinarik zuständig. Das historische Gebäude, 1914 für den königlich-preußischen Zeremonienmeister W. von Hardt gebaut und zu DDR-Zeiten Treffpunkt der Intellektuellenszene, steht seit rund zehn Jahren leer. Seit drei Jahren ist es in Besitz von Moderator Günther Jauch.

Bis 2009 war hier das „Ristorante Villa Kellermann“

Der 62-Jährige machte bereits in der Vergangenheit mit großzügigem Engagement für seine Potsdamer Wahlheimat auf sich aufmerksam. So war er unter anderem an der Finanzierung des Wiederaufbaus des Fortunaportals am Stadtschloss und der Sanierung der Neptungrotte im Schlosspark Sanssouci beteiligt. Nun also ein Restaurant.

Bis 2009 befand sich an der Mangerstraße 34 das italienische „Ristorante Villa Kellermann“, in dem Jauch, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, Stammgast gewesen sein soll. Seit 2010 ist der „Wer wird Millionär?“-Gastgeber Besitzer des Weinguts von Othegraven im rheinland-pfälzischen Kanzem. Die Rieslinge von der Saar stehen auch im „Restaurant Tim Raue“ auf der Karte.

Vor einem Jahr unterhielten Raue und Jauch sich konkreter

So kam es, dass einer der besten Küchenchefs Deutschlands und eines der beliebtesten Fernsehgesichter Deutschlands sich kennenlernten. Vor gut einem Jahr unterhielten sich Raue und Jauch zum ersten Mal konkreter. Der Neueigentümer der Villa Kellermann hatte die Idee von einer bodenständigen Gastronomie, der Koch war nach dem Ende seines Engagements im „La Soupe Populaire“ auf der Suche nach einer neuen Heimat für sein deftig-deutsches kulinarisches Konzept.

Einer hatte die Räume, der andere die Expertise. Man sei sich schnell einig geworden, sagt Raue. Auch, weil Günther Jauch sehr perfektionistisch und er sehr pedantisch sei. „Er entspricht mir extrem. Wir passen sehr gut zusammen.“

Neues Restaurant soll im September 2019 eröffnen

Eröffnet werden soll im September mit 120 Sitzplätzen, die sich auf den Spiegel-, den Elefanten- und zwei grüne Salons verteilen. Momentan ist noch Baustelle. Die Villa Kellermann wird denkmalgerecht saniert. Die historische Bausubstanz mit original Stuckprofilen und Holzvertäfelungen, antiken Türen und Böden wird unter der Anleitung von Innenarchitektin Ester Bruzkus, mit der Tim Raue schon mehrfach zusammen gearbeitet hat, mit maßgeschneiderten Einbauten, modernen Leuchten und Teppichen kombiniert. Ihr Auftrag: „Die Gäste sollen sich fühlen wie bei Mutti. Ein Ort, an dem man das Gefühl hat, zu Hause zu sein.“ Vintage-Geschirr und Silberbesteck vom Trödelmarkt runden das Bild ab.

„Ich habe ein Gefühl für Orte und Räume“, sagt Raue über seinen ersten Eindruck beim Betreten der Villa Kellermann. „Hier habe ich sofort gewusst, dass wir etwas schaffen können, das die Leute anzieht.“

Damals wurde hier für „Babylon Berlin“ gedreht

Damals sei hier gerade für die Serie „Babylon Berlin“ gedreht worden. Wäre es nicht nur eine Filmkulisse gewesen, hätte er am liebsten alles so gelassen, sagt der 45-Jährige. „Wir versuchen, in der Zeit zurückzureisen. Die Geschichte soll bis ins Detail sichtbar sein.“ Das gilt auch für die Karte, die in alte Kochbücher eingelassen wird.

Bezüglich der Inhalte sei er mit seinem Team gerade in der Findungsphase. Raue wird in Zukunft zwar immer wieder vor Ort sein, das Tagesgeschäft aber nicht leiten. Küchenchef wird Christopher Wecker, Restaurantmanagerin Patricia Liebscher. Mit beiden arbeitet Tim Raue schon seit vielen Jahren zusammen.

„Heute hab ich Lust auf Königsberger Klopse - und zwar zum Teller ablecken geil“

Die Villa Kellermann werde nicht sein Hoheitsgebiet, aber ein wichtiges Standbein, sagt der Berliner. Der kulinarische Bezug zur Region habe ihm gefehlt, die asiatisch inspirierte Zwei-Sterne-Küche aus dem „Restaurant Tim Raue“ sei schließlich nichts für jeden Tag – zumal man dort so oft auch gar keinen Tisch bekomme. „Die Villa Kellermann ist für den Fall, wenn man morgens aufwacht und denkt: Heute hab ich Lust auf Königsberger Klopse – und zwar zum Teller ablecken geil.“ Denn bei aller Bodenständigkeit: „Natürlich wird hier trotzdem hervorragend gekocht.“

Für Inspirationen ist Tim Raue gerade viel in Brandenburg unterwegs, schaut nach Bäckereien und Käsereien und besuchte das Baumblütenfest in Werder. „Nicht zum Saufen“, wie er sagt. Es gebe dort neben dem Kopfschmerzen verursachenden Fruchtwein, den viele Brandenburger noch aus ihrer Jugend in Erinnerung haben dürften, tatsächlich Produkte von Weltklasseniveau. Die kämen, neben den Weinen von Günther Jauch, auf die Weinkarte.

Drei Gänge, halbe Flasche Wein, Wasser, Kaffee für 55 bis 60 Euro

Für 55 bis 60 Euro sollen die Gäste ab Herbst ein Drei-Gang-Menü, eine halbe Flasche Wein, Wasser und Kaffee bekommen. Geplant sind Gerichte wie Makrele Hausfrauen Art, Enten-Terrine Sanssouci, Ostseelachs, Kürbiscremesuppe, Sellerie-Jägerschnitzel und Bienenstich. Dabei ist Tim Raues Handschrift, ein Aromenspiel aus natürlicher Süße und Säure sowie angenehmer Schärfe, immer präsent. Jauch lasse ihm in dieser Hinsicht freie Hand: „Er stand noch nicht hier mit einem Rezept aus seiner Familie, das er verwirklicht haben wollte.“

Neben dem À-La-Carte-Angebot soll es das „Der gedeckte Tisch“-Menü geben. Das erinnere ihn an seine Großmutter, sagt Tim Raue. Dort gab es am Sonntag beispielsweise eine üppige Schale mit Schweinskopfsülze, Räucherfisch und Stulle, dann eine große Schüssel Braten, Kartoffelpüree, Erbsen und Möhrchen und danach noch ein Dessert. Die Gäste sollten Platz nehmen und ein paar Stunden bewusst Zeit zusammen verbringen. „Dieses Gefühl, sich um nichts kümmern zu müssen und verwöhnt zu werden, möchten wir mit diesem Menü weitergeben.“

Ziel sei ein offenes Haus für Potsdamer, Berliner und Touristen

Ziel sei ein offenes Haus für Potsdamer, Berliner und Touristen. „Es geht hier nicht darum, ein Gourmetrestaurant zu definieren, es geht um was zu essen“, sagt Tim Raue. Das entspreche nicht nur seinem kulinarischen Konzept, sondern auch Günther Jauchs Ideal, das, was er hat, zu teilen. Die Villa Kellermann wieder zu öffnen und sie den Potsdamern zurück zu geben. „Der Potsdamer ist schon kritisch, wenn der Berliner kommt“, glaubt Raue. Deshalb wollen sie Bande zur Stadt knüpfen – nicht nur auf dem Teller, sondern auch beim Personal. „Die Villa Kellermann lebt Geschichte. Das macht es besonders.“

Die Villa Kellermann befindet sich in der Mangerstraße 34 in Potsdam. Das Restaurant wird mittwochs bis sonntags von 18 bis 24 Uhr sowie sonnabends und sonntags auch mittags ab 12 Uhr geöffnet sein. Reservierungen werden noch nicht entgegengenommen. Weitere Informationen sind zukünftig unter www.villakellermann.de zu finden.