Neueröffnungen

"Prism" und "Layla": Wo Berlin schmeckt wie Jerusalem

Mit den Neueröffnungen von Gal Ben Moshe und Meir Adoni ist die Levante-Küche derzeit in aller Munde.

Das Restaurant „Prism“ von  Gal Ben Moshe bietet alle Weine offen an.  Jacqueline  Lorenz ist eine der besten Sommeliers.

Das Restaurant „Prism“ von Gal Ben Moshe bietet alle Weine offen an. Jacqueline Lorenz ist eine der besten Sommeliers.

Foto: RICARDA SPIEGEL

Berlin. Als Gal Ben Moshe im Frühjahr für den Titel des Berliner Meisterkochs nominiert wurde, hatte er gerade eine schwerwiegende Entscheidung gefällt: Er würde sein Restaurant „Glass” an der Uhlandstraße schließen. Unstimmigkeiten mit dem Vermieter ließen ihm keine Wahl, Meisterkoch wurde Daniel Achilles aus dem „reinstoff”. Seit dem 8. November nun ist Gal Ben Moshe zurück. An der Fritschestraße in Charlottenburg hat er das „Prism” eröffnet. Acht (125 Euro) bis sechs (95 Euro) Gänge stehen zur Auswahl. Ben Moshe bedient sich der Aromen seines Geburtslandes Israel, der angrenzenden Länder des östlichen Mittelmeeres, Levante genannt, aber auch seiner Berliner Wahlheimat.

Als „nicht offensichtlich” beschreibt der 32-Jährige selbst seine Kreationen. Als er 2016 beschloss, sich nach einem Start mit internationaler Küche auf die Geschmäcker der Levante zu besinnen. Er las Rezepte aus dem 11. Jahrhundert und experimentierte mit historischen Geschmäckern. „Ich kreiere etwas ganze Neues, Authentizität ist mir nicht wichtig”, sagt er. Und so kombiniert er auf seiner ersten Karte Lamm mit Taboulé und Kamelmilch mit Feigen, aber auch Foie Gras mit Apfel und Zwiebeln. Texturiert als Sorbet, Gelee, Pulver oder Crunch, zurückhaltend aromatisch wie beim Olivenöleis oder intensiv röstaromatisch wie beim Pulpo mit Tomatensalat und Kichererbsen.

Wie schon im „Glass” werden im „Prism” alle Weine offen angeboten. Möglich macht es das Weinsystem Coravin, das bei verschlossener Flasche eine hauchdünne Hohlnadel in den Korken sticht, die Flasche mit einem Edelgas unter Druck setzt und anschließend wieder komplett dicht verschließt. Was am Tisch zunächst etwas gewöhnungsbedürftig anmutet, bringt dem Gast auch seltene Spitzenweine wie einen Domaine Alain Graillot – Crozes-Hermitage – Die Guiraude 2009 für 15 Euro oder einen sonst unerschwinglichen 2013 Clos de Lambrays Grand Cru Domaine de Lambrays für 46,50 Euro ins Glas. Ausgewählt werden die Weine, die, passend zu den Gerichten, gerne auch aus Israel, Syrien und dem Libanon stammen, von Jacqueline Lorenz, Verlobte von Gal Ben Moshe und laut „Schlemmer Atlas” eine der 50 besten Sommelieren Deutschlands.

Essen wie bei Freunden oder in der Familie

In Berlin gebe es nichts Vergleichbares, sagt Gal Ben Moshe selbstbewusst, ohne die Qualitäten seiner Kollegen schmälern zu wollen. Nur wenige Wochen vor dem „Prism” hat an der Halleschen Straße in Kreuzberg das „Layla” von Meir Adoni eröffnet. Der Israeli mit marokkanischen Wurzeln firmiert als Starkoch. Er arbeitete weltweit in Spitzen- und Sternerestaurants: im „Cordon Bleu” in Sydney, im „Lenôtre” in Paris, im „Noma” in Kopenhagen, in New York betreibt er das „Nur”, in Tel Aviv das „Blue Sky” und das „Lumina”.

In Berlin setzt Adoni bewusst auf das Gegenteil von Fine Dining. Alle Gerichte sind explizit zum Teilen und teilweise zum Mit-der-Hand-Essen gedacht. Der Gast soll sich fühlen wie beim Essen bei Freunden oder in der Familie. Das spiegelt sich auch im entspannten Service wider. „Layla” heißt nicht nur „Nacht”, sondern ist in der Vorstellung Adonis auch das Sinnbild für eine mütterliche, warme, gastfreundliche Frau.

Trotz Bodenständigkeit kommt auch der 45-Jährige auf seiner Karte ganz ohne Hummus und Falafel aus. Stattdessen gibt es geräucherte Forellen-Donuts mit Datteln, Mandeln und Mandarinen-Vinaigrette (elf Euro), Hamachi Sashimi mit Roter Beete, Sellerie, schwarzem Quinoa, Lakritz und Seegras Pulver (19 Euro) oder gegrillten Oktopus mit Artischocken, Karottensalat, Joghurt und Harissa (29 Euro). Adonis Signature Dish ist ein geräuchertes Auberginen-Carpaccio mit Tahini, Dattelhonig, Pistazien, Feta-Schnee und Rosenblüten (17 Euro). Alle Gerichte sind äußerst aromatisch und nichts für schwache Geschmacksnerven. Nicht weniger als 30 Nuancen weist jeder Teller laut Aussage des Chefs auf.

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