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Essen unter 20 Euro: Tipps für Berliner Restaurants

Sie gehen gerne essen? Es muss nicht immer teuer sein. Wir schlagen fünf Restaurants unter 20 Euro vor.

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Berlin. Charlottenburg: Das Bunty’s bietet indische Küche ohne Folklore-Ballast

Ob dort Bollywood-Filmmusik läuft? Könnte gut sein, denn „Bombay Café Bunty’s“ hört sich nach Spaß an. So viel vorweg. Ja, es geht musikmäßig in die leicht loungige Unterhaltung. Doch das ist nicht das Einzige, was in dem neuen Restaurant unweit des Savignyplatzes für gute Laune sorgt. Dieser Inder hat nichts Angestaubtes oder Folkloristisches, sondern ist jung und frisch, eingerichtet wie ein Kaffeehaus mit Bistrostühlen und Marmortischen, dazu ein fröhlicher Service.

Die Küche will mit einem Dutzend Gerichten zeigen, dass Indien kulinarisch im 21. Jahrhundert angekommen ist. Das ausgehöhlte Brot mit Curry beispielsweise heißt hier „Bunny Chow“ (Hasenfutter), die indischen crunchigen Reismehl-Kokosmilch-Pfannkuchenschälchen heißen „Hoppers“ (Trichter). Knuspriges Grünkohl Tempura Chaat wird als „leckerer Streetfood Snack“ mit kleinen, frittierten, nicht fettigen Grünkohl-Blättern, Minz-Chutney, süßem Tamarinden-Chutney, Masala und Granatapfel gepriesen und so präsentiert sich dieser Happen auch.

Indien ist bekannt für seine vegetarische Küche. Die indischen Blumenkohl-Steaks mit Erbsen und karamellisierter Zwiebelsoße sind denn auch ein gelungenes Beispiel für die gut gemachte Gemüseküche, die zudem auch nicht für den europäischen Gaumen weichgespült wurde, sondern eine Schärfe bietet, die den Mund füllt. Als Beilage gibt es wahlweise Couscous, Reis oder Naan Brot. Der Reis ist normales Beiwerk. Kann, muss aber nicht sein.

Es gibt ein Lunchangebot (Di.–Fr. 12–16 Uhr) und mit einer kleinen Weinauswahl zeigt das Café seine Abendtauglichkeit. Bei den Preisen gibt es eigentlich nichts zu nörgeln, nur die Tasse Tee mit 4,90 Euro schert da ein wenig aus.

Bombay Café Bunty’s Knesebeckstr. 18, Charlottenburg, Tel. 0151 17 66 39 86, Di.–Fr. 12–23, Sbd.+So. 17–23 Uhr

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Mitte: "Com Viet": Authentischer Geschmack ganz ohne Schickimicki

An touristisch hochfrenquierten Orten wie dem Alexanderplatz ein gutes Restaurant zu finden, das weder Fastfood-Tempel noch systemgastronomisch organisierter Franchise-Nehmer ist, fällt schwer - zumindest, wenn man sich nicht auskennt. Doch wer genauer hinschaut, findet auch an belebten Plätzen inhabergeführte Restaurants mit Charme und bodenständiger Küche. Zu dieser Kategorie gehört definitiv auch das "Com Viet" in der Münzstraße.

Zwischen den Flagshipstores internationaler Marken und den vielen kleinen Boutiquen der jungen Boheme sticht das kleine Restaurant kaum hervor, was auch am dichten Pflanzenbewuchs im Schaufenster sowie dem Bambusvorhang an der Eingangstür liegt. Überhaupt wurde bei der Einrichtung viel mit Bambus gearbeitet. Die Bar sowie Tische und Stühle bestehen aus verschiedenen, ineinandergesteckten Rohren. An den Wänden hängen kitschige Impressionen aus Vietnam. Das Ganze wirkt charmant-unübersichtlich. Gleiches trifft auf die Speisekarte zu., durch die man sich beim ersten Besuch erst einmal durcharbeiten muss, auch wenn man dabei Gefahr läuft, die flink umherwuselnden Kellner mehrfach abzuweisen.

Der Kenner bestellt zunächst die preiswerten Sommerrollen für einen Euro das Stück, die mit Tofu und Eierstich kommen und in Kombination mit Fischsoße ausgezeichnet schmecken. Beliebt sind die suppen. Der Klassiker schlechthin "Pho", eine klare Brühe mit Reisnudeln, frischem Ingwer, Koriander und je nach Wahl Tofu oder Hühnerfleisch, kostet gerade einmal 3,50 Euro. Wir entscheiden uns für Reisbandnudeln mit Rind- und Hühnerfleisch sowie Garnelen und einem Gemüseallerlei. Auch diese Speise kommt schnell an den Tisch und besticht mit ihrem authentischen Geschmack, der zeigt, dass ein gutes Restaurant ganz ohne Designerspielereien auskommt.

Com Viet Münzstraße 3, Mitte, Mo. - Fr. 12-23 Uhr, Sbd. 13 - 0 Uhr, So. 16 - 23 Uhr, Tel. 24 08 52 51

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Schöneberg: Die hausgemachte Pasta vereint Geschmack und Leidenschaft

„Sapore & Passione“, übersetzt „Geschmack & Leidenschaft“ – wenn sich ein Italiener so nennt, dann ist das ein Versprechen, das hoffentlich gehalten wird. Das kleine Ristorante befindet sich am Rande des Schöneberger Akazienkiezes in einem Neubau an der Wartburgstraße, man muss es schon kennen, ansonsten läuft man schnell dran vorbei. Wochenmitte, es sind nur wenige Tische besetzt. Guter Laden, meint ein Gast, der gerade im Aufbruch ist. Zehn Tische, heller Holzboden, weiß-rot karierte Tischdecken, Weinregal – das typische Ambiente also. Angenehm, auch wenn es anderswo noch ein bisschen heimeliger ist. Authentisch italienisch der Kellner und die Köchin, die freundlich grüßen.

Offeriert wird das Übliche, von Mozzarella Caprese und Antipasti über Spaghetti bis zu Steinofenpizza. Warum es dort eine Pizza Hawaii und Kroketten zum Schweinefilet mit Pfifferlingen geben muss, erschließt sich wie bei manch anderem Italiener nicht. Es gibt aber auch eine Tageskarte, die mit Kalbsleber mit Apfel, Lachsstreifen auf Spinat, Ravioli al Tartufo und Kalbsmedaillons mit Pfifferlingen Appetit macht und durch zivile Preise erfreut. Letzteres gilt auch für die Weine. Vier Weiße, wie ein Vermentino oder ein Grillo, fünf Rote, darunter ein Nero d’Avola und ein Bardolino, der Viertelliter für jeweils 4,50 Euro.

Die Bruschetta als Gruß des Hauses sind ein guter Start. Beim Vitello Tonnato ist der Geschmack okay, jedoch ist das Kalbsfleisch etwas zu dick geschnitten, die Thunfischsoße einen Hauch zu süß. Eine kleine Leidenschaft zeigt sich bei der hausgemachten Pasta. Wie die mit Ricotta gefüllten Halbmondnudeln mit Mascarponesoße. Die Form gleicht zwar einem Knallbonbon, der in Soße badet. Doch im Geschmack kommen, auch durch Teig, „Sapore & Passione“ zusammen.

Sapore & Passione Wartburgstr. 49a, tägl. 16–22.30 Uhr

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Neukölln: Wein mit kulinarischer Begleitung aus Frankreich

An der Neuköllner Flughafenstraße bringen kleine Restaurants Zeitgeist in die sonst für Trödelläden bekannte Durchgangsstraße. Mediterran-französisch aufgestellt ist das „La Malo“, Restaurant, Weinbar und Weinhandlung mit Naturweinen in einem.

Um 17 Uhr öffnet der hübsch gestaltete Laden – ein Sammelsurium an Tischen, im hinteren Teil eine Holzbalkendecke, von der Dekoratives herabhängt. An Wandtafeln sind acht Weinbegleiter in Bio-Qualität notiert: von Gelber Bete mit Kartoffelpüree, Blauschimmelkäse und Pilzen (fünf Euro) über Couscous (zehn Euro) bis zur Schweinekeule mit Senfsoße, Spinat und Kartoffelbrei (15 Euro). Allerdings: Der englisch und französisch sprechende Servicemitarbeiter erklärt, die Küche öffne erst um 19 Uhr. Vorher, sagt er und deutet auf ein Weinfass, könne man sich bei einer Weinprobe verlustieren.

Flaschen der Domaine Gramenon aus dem Rhonetal kosten glasweise ab fünf Euro. Ab 19 Uhr gibt es auch „Food Pairing“: zehn Euro für ein Glas Wein und ein Tellergericht wie Röstbrot mit Bohnencreme und Räuchertofu. Lange warten war aber nicht der Plan. Also wieder gehen? Kurze Rücksprache mit dem Küchenchef und der nette Service verkündet, man könne doch Platz nehmen und bestellen. Ein Glas „La Vie On Y Est 2016“ aus den Trauben Viognier und Clairette, dazu Panisse mit Tomatensalsa, Schweineterrine mit Birnenchutney und Makrelenbutter mit sauer eingelegtem Gemüse. Ein erfreulicher Gruß an den Herbst ­– gekonnt zubereitet, optisch rustikal, geschmacklich bodenständig. Am überraschendsten ist Panisse, eine den Kartoffelplätzchen ähnelnde Spezialität aus Südfrankreich, die mit Salsa warm wie kalt schmeckt, sodass man erst den nächsten Wein ordern kann. Makrelenbutter und Terrine gehören eh zum kalten Abendbrot.

La Malo, Flughafenstr. 25, Neukölln, Di.–Sbd. 17–24 Uhr, Tel. 68 23 56 06

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Kreuzberg: Feine Kohlrabischeiben vom Grill mit Frischkäse und Chili

Ein lesbisch-schwules israelisches Restaurant, in dessen Küche ein Mexikaner und ein Italiener wirken. So lautet die Kurzform des „Shishi“, einer neuen Gaststätte in Kreuzberg im zweiten Hinterhof der Ritterstraße.

Noch regiert hier der „Shabby-Chic“. Genau so präsentiert sich das „Shishi“ mit meerblau möblierter Hofterrasse und Trödeleinrichtung im 50-Sitzplätze-Schankraum. Blickfänger sind die Beleuchtung mit Jugendstil-Anmutung, ein fetter, altrosa Vorhang an der Wand zu den Toiletten und die fast klinisch weiße, offene Küche hinter der Bar.

Der freundliche Kellner übersetzte den Restaurant-Namen mit „Freitag“. Man wolle für queere und nicht-queere Menschen täglich ein Wochen­endgefühl vermitteln. Schön, allerdings ist Sonnabend und Sonntag geschlossen. Weiter hieß es, das „Shishi“ sei als entspanntes Lokal für gesundes Essen und Trinken konzipiert, fast alles in Bio-Qualität, auch die Weine, ab 4,50 Euro für 0,1 Liter. Dazu stehen Cocktails auf der Karte. Mittags sind Sandwich & Co. im Angebot.

Ab 18 Uhr kommen Gerichte aus nicht mehr als drei Komponenten auf die Teller. Zum Beispiel die Vorspeise „Masabha“. Ein Schälchen Hummus mit lauwarmen Babykichererbsen und griechischem Olivenöl. Dazu gibt das geröstetes Vollkornbaguette in brauner Butterbrottüte. Fein, aber mit acht Euro

üppig bepreist. Gleiches gilt für gegrillte Kohlrabischeiben mit einer Vinaigrette aus Sesam und Olivenöl, gekrönt von einem Klacks mildem Frischkäse, gegen den Chilischeibchen Akzente setzen, elf Euro. Trotz der hohen Preise wurde anstandslos mehrmals mit Minze und Zitronen aromatisiertes Leitungswasser nachgeschenkt, null Euro. Ebenfalls im Angebot: je ein Fisch- und Fleischgericht, 16 und 17 Euro.

Shishi Ritterstraße 12–14, 2. Hinterhof, kein Telefon, Mo.–Fr. 12–23 Uhr