Brandenburg

Ein Forellenhof, wo alles aus einer Quelle kommt

Seit mehr als vier Jahren betreiben Matthias und Susanne Engels den Forellenhof Rottstock. Ihre Kundschaft ist die Berliner Sternegastronomie.

Matthias und Susanne Engels inmitten der Teiche des Forellenhofs Rottstock

Matthias und Susanne Engels inmitten der Teiche des Forellenhofs Rottstock

Foto: Christian Kielmann

Susanne Engels hat Tränen in den Augen, als sie über die Teiche des Forellenhofs Rottstock hinwegblickt. Das liegt aber weniger an der Rührung über den idyllischen Anblick, sondern am eiskalten Wind, der über den Hohen Fläming fegt. Dabei wäre Rührung angesichts des Erreichten durchaus verständlich.

Der Forellenhof, das sind 25 Teiche mit Forellen, Stör und Saibling, betrieben von einem Ehepaar, das seine Karriere im TV-Bereich nach 20 Jahren aufgab, um auf das brandenburgische Land zu ziehen, 100 Kilometer von Berlin entfernt. Der Hof, das ist "über 100 Jahre Tradition", erzählt die 49-Jährige, "es ist deutsche Geschichte in einem Mikrokosmos". Er existiert seit der Kaiserzeit, überstand die Nazis, die DDR – da war er ein Teil des VEB Binnenfischerei Potsdam – und die Wendezeit. Die Engels übernahmen ihn vor gut vier Jahren, im Oktober 2013. "Kulinarik und Produktqualität als natürliches Zusammenspiel war ein Schwerpunkt in meinem Leben", sagt die gebürtige Nürnbergerin. "Und wir liebten gutes Essen. Der Schritt war also für mich ganz logisch."

Der Anfang war schwierig, auch wegen Baustellen vor der Tür, die die Kunden abschreckten. "Wir mussten viel früher nach Berlin als gedacht", sagt sie. Sie wollten in jedem Fall in die Spitzengastronomie – und schafften es. "Matthias Diether vom 'First Floor' im 'Hotel Palace Berlin' war unser erster Sternekunde." Weitere folgten. Denn Hotels und gehobene Restaurants bestellen gerne die Produkte des Forellenhofs Rottstock, darunter auch Zweisternekoch Marco Müller vom "Rutz".

"Unser Fisch ist so frisch, dass er manchen wieder fast zu frisch ist", sagt der 53-jährige Matthias Engels lachend, "weil er noch gekrümmt ist." Forellen gibt es natürlich auf dem Forellenhof, der sich mit Wasser aus eigener Quelle speist, das wegen seines Eisengehalts im Quellbereich einen Rotstich hat. Erst Regenbogenforellen, dann auch Bachforellen, Stör und Saibling. Die Engels können sich mittlerweile aussuchen, wohin sie liefern und mit wem sie zusammenarbeiten wollen. Nachhaltigkeit ist da ein wichtiges Kriterium. Unabhängigkeit sowieso. Und sie bleiben nicht bei dem, was immer schon gemacht wurde in Rottstock.

"2016 haben wir unseren eigenen Kaviar gelauncht", so Susanne Engels. Man fing mit einer kleinen Menge im September an, "Weihnachten waren wir ausverkauft". 2017 verkauften sie dann schon die siebenfache Menge. "Ein Herzensprojekt", meint Engels, "auch wenn man mit Kaviar nicht reich wird" – was nur die wenigsten glauben wollen.

Hergestellt wird das schmelzig-mild schmeckende Luxusprodukt in Kooperation mit dem britischen Unternehmen Attilus. Und seit neuestem gibt es auch Wodka. "Red Spring" – rote Quelle heißt er natürlich, denn das Wasser stammt aus der Quelle des Forellenhofs. Der Wodka sollte so mild sein wie der Kaviar. Und in dem österreichischen Brenner Josef Farthofer fanden sie den richtigen Partner. Tatsächlich ist auch der Wodka sehr mild, beißt nicht und ergänzt den Kaviar perfekt. "Der hat eine wahnsinnige Resonanz", so Engels. Die ersten 40 Flaschen seien sofort weg gewesen, ohne Akquise. Und jetzt habe man drei aus einer Quelle: den Stör, den Kaviar, den Wodka.

Immer Sommer kommen Hunderte Besucher auf die Anlage

Das schätzt auch Marco Müller, der über den Wodka sagt: "Die Idee, das Wasser zu benutzen, hat mir gut gefallen, weil ich das Rottstocker Quellwasser an sich sehr mag. Zu uns passt der Wodka vor allem aber auch, weil wir die Rottstocker Bachforellen aus derselben Quelle nehmen und immer gerne mit Zusammenhängen arbeiten."

Im Sommer kommen Hunderte Besucher. Die schätzen den Ausflug ins Grüne bei Bratforelle, geräuchertem Fisch – denn geräuchert wird auf der Anlage auch – und einem Glas Wein. Zudem planen die Engels weiter, sie wollen noch viel umbauen, Workshops und auch Hotelzimmer anbieten.

In Berlin ist das Angebot des Forellenhofs auch zu finden, donnerstags bis sonnabends in der Markthalle Neun. Dabei haben sie auch gelernt, dass sie ihren Forellenhof besser umbenennen – in "25 Teiche". Denn die Leute hätten gerne mal Rottstock mit Rostock verwechselt.

Forellenhof Rottstock, Dorfstraße 26 A, 14793 Rottstock, forellenhof-rottstock.de

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.