Kreuzberg

Von Schokolade, Kunst und fliegendem Essen

Wie der Koch Markus Herbicht und der Künstler Stefan Szczesny im „Schmelzwerk“ Neues kreieren.

Art an Food / Schmelzwerk, Markus Herbicht und Künstler Stefan Szczesny

Art an Food / Schmelzwerk, Markus Herbicht und Künstler Stefan Szczesny

Foto: Reto Klar

Man sieht es Stefan Szczesny an, dass er im Süden lebt. Braun gebrannt und entspannt steht der Künstler im „Schmelzwerk“ von Koch Markus Herbicht in den Sarotti-Höfen am Mehringdamm in Kreuzberg. Wo einst die Schokolade geschmolzen und gewalzt wurde, hängen jetzt seine ausdrucksstarken, farbenfrohen Gemälde an den Wänden, die vom unvergleichlichen Licht der Côte d’Azur erzählen.

Szczesny ist ein international bekannter Künstler, lebt seit 20 Jahren in Saint-Tropez, dem berühmten Jetset-Ort in Südfrankreich, ist sogar Ehrenbürger der Stadt – und hat doch immer ein Bein in Berlin. Sein Atelier in der Hauptstadt hat der 66-Jährige zwar vor zwei Jahren aufgegeben. Doch: „Die meisten meiner Freunde leben in Berlin“, erzählt Szczesny. Auch seinen Sohn zog es in die Metropole. „Andere Städte sind Provinz“, sagt der geborene Münchner. Und zahlreiche seiner Kunstwerke sind in Berlin zu sehen – unter anderem das nach seinen Angaben größte Deckengemälde der Nachkriegszeit im Lindencorso Unter den Linden Ecke Friedrichstraße.

„Art & Food“ heißt das Konzept von Herbicht. Zur Kunst serviert der 48-Jährige seine neue „Flying Food Collection“, Vorspeisen und Zwischengerichte, die im Stehen genossen werden. „Das Buffet nimmt sein Ende“, sagt er. Sein Flying Food ist leicht, einfach zu essen und verhindert, dass die Gäste sich die Teller vollladen müssen – mit Dingen, die überhaupt nicht zueinander passen. Dazu baut er auch Food Stations bei Events auf, um den Gästen das Essen frisch zubereiten und servieren zu können.

Der einstige Küchenchef des „Borchardt“ kombiniert in seinen Gerichten asiatische, spanische und französische Einflüsse. Diese Kombination ist kein Wunder: Herbicht hat für Johann Lafer gearbeitet und in Thailand neben anderen die Königsfamilie bekocht. Und im spanischen Marbella leitete er die Küche des „Kempinski Resort Estepona“, wo er sich den Titel als „kreativster Koch Andalusiens“ erwarb.

Dort war es auch, wo sich Herbicht und Szczesny begegneten. Der Künstler arbeitete in dem Haus und verwandelte es in ein Gesamtkunstwerk. „1500 Einzelkunstwerke waren es insgesamt“, erzählt er lächelnd. Tagsüber wurde gearbeitet, abends gekocht – und die eine oder andere Flasche Wein geleert. Seitdem verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft, die schon fast 20 Jahre hält. Und so kam Szczesny gerne nach Berlin, um seine Kunst im Schmelzwerk auszustellen, die man – das nötige Geld vorausgesetzt – auch käuflich erwerben kann. Allerdings wird ein fünfstelliger Betrag fällig.

Ein Wermutstropfen: Das Schmelzwerk hat nur bei Events geöffnet, aber Herbicht plant ein Konzept, mit dem er einen Tag in der Woche oder im Monat öffnen möchte. Dann kann jeder kommen und Szczesnys Kunst und Herbichts Gerichte in Kreuzberg genießen.