Brlo Bier

Das Bier mit dem Hip Hop im Hopfen

Mit „Ooh La La“ präsentieren die Berliner Brauer von Brlo ihre dritte Kooperation mit dem Hip-Hop-Duo Run the Jewels.

Katharina Kurz ist Gründerin und Geschäftsführerin von Brlo.

Katharina Kurz ist Gründerin und Geschäftsführerin von Brlo.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Die Abendsonne legt sich noch einmal ins Zeug für einen lauen Berliner Spätsommerabend im „Brlo Brwhouse“, aus den Lautsprechern klingt Oldschool Hip Hop, hinter einem Pult macht sich ­­DJ Amir bereit für die Übernahme. Im Park am Gleisdreieck, dort wo Berlin ein bisschen aussieht wie eine Mischung aus New York und Santa Monica, mit Hochbahn und Outdoor Gym, wurde am Donnerstag das neue „Ooh La La“-Bier von Brlo vorgestellt, das seit dem 18. September im Handel erhältlich ist. Es ist die dritte Kooperation der Brauer mit den US-Hip-Hop-Duo Run the Jewels. „Ein West-Coast-IPA mit einer East-Coast-Attitüde“, sagt Brlo-Gründerin Katharina Kurz. Übersetzt in flüssige Fakten heißt das: Athanum-, Amarillo-, Simcoe- und Mosaic-Hopfen und ein fruchtiger Körper mit Noten von Orange, Grapefruit und Kiefer. India Pale Ale (IPA) ist ein helles, fruchtiges und hopfenbetontes Bier.

2018 arbeitete Brlo mit El-P und Killer Mike von Run the Jewels zum ersten Mal zusammen. Die damalige deutsche PR-Verantwortliche der Band kam damals gerne in den Biergarten, die beiden Künstler brachten eine Leidenschaft für Gerstenmalz und Hopfen mit, und so entstanden das CBD-haltige „Legend Has It“-Pilsener und das ebenfalls mit CBD gebraute „Down“-Double IPA. Ersteres, ganz Gangsterkonform, veröffentlicht am 20. April, dem Welt-Kiffer-Tag – Cannabidiol (CBD) ist ein Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der keine psychoaktive Effekte auslöst, also nicht „high“ macht. „Das Thema CBD-Biere war damals in aller Munde. Geschmacklich kam das Hanf richtig gut raus“, sagt Katharina Kurz. „Und wer daran glaubt, hat vielleicht auch noch etwas anderes gespürt.“ Hanf und Hopfen werde gleichermaßen eine beruhigende Wirkung nachgesagt.

Auch Hip-Hop-Bier Nummer drei trägt den Titel eines Run-the-Jewels-Songs. Auf CBD wurde dieses Mal verzichtet. Stattdessen entstand ein trockenes, hopfiges India Pale Ale. „Wir wollten ein Oldschool-Bier machen und mit unseren Hopfensorten eine East-Coast-West-Coast-Hip-Hop-Geschichte erzählen“, so Kurz. Die beiden Musiker durften vorab Wünsche äußern, in welche geschmackliche Richtung es gehen soll. „Sie rühren nicht selbst im Braukessel“, sagt Kurz und lacht.

Brlo Art Edition mit Katharina Grosse als limitierte Sammlerstücke

Der Vertrieb des Bieres ist vorerst auf ein halbes Jahr angelegt. Anders als die Künstlerkooperationen von Brlo erscheinen die Flaschen nicht in einer limitierten Auflage. Am 1. Oktober laden Brlo und der Graffiti-Künstler Christian August zur gemeinsamen Pop-up-Bar ins Sony Center. August hat für Brlo ein Etikett designt. Eine erste Art-Edition gab es 2016 mit Katharina Grosse, die mit ihrer Ausstellung im Hamburger Bahnhof derzeit für Aufsehen sorgt. Die Künstlerin besprühte damals 1000 Brlo-Flaschen, die Sammlerstücke wurde jeweils für 25 Euro verkauft, der Erlös gespendet. 2019 wurde in Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Künstler Emeka Ogboh ein Bier zum Kunstwerk. Rezept, Etikett und der Name „Things Fall Apart“ basierten alle auf dem Gemälde „Das Floß der Medusa“ von Théodore Géricault. „Da sind wir richtig tief in die Konzeption eingestiegen“, sagt Katharina Kurz.

Brlo seit 2018 mit eigener Brauerei in Spandau

Die Möglichkeiten, ganz nach ihren eigenen Wünschen zu experimentieren haben Kurz und ihre Brlo-Partner Christian Laase, Michael Lembke und Ben Pommer, weil sie in Spandau mittlerweile ihre eigene Brauerei und Abfüllanlage betreiben – das Brlo Craft Zentrum. „Dort können wir uns austoben“, sagt Katharina Kurz. „Klar braucht man die Biere, die immer gehen – Pale Ale, Helles, Pils –, aber das sind die Sachen, die wirklich Spaß machen. Wo wir eine Geschichte erzählen können.“ Gegründet wurde Brlo 2014. Damals brauten die ehemaligen Studienfreunde ihr Bier noch bei anderen Brauern. 2016 kam das „Brlo Brwhouse“ mit eigenem Fassbier und Gastronomie dazu. „Mittlerweile machen wir in Berlin alles selbst, das war uns wichtig“, sagt Kurz. Dank großzügigem Außenbereich kann der Biergarten aktuell auch unter Coronabedingungen für den Spätsommerbetrieb oder eben einen Bier-Launch-Event genutzt werden. Seit zwei Wochen ist auch das Restaurant wieder geöffnet.

Eine weitere Neuerung, die sich Kurz und ihr Team in diesem Sommer gegönnt haben, sind die Brlo-Dosenbiere. „Dosen halten das Bier frischer, und es gibt eine Vielzahl von Designmöglichkeiten.“ Für vier Biere – ein alkoholfreies, ein Happy Pils, ein Blurry-Vision-IPA und die Berlin-Jam-Berliner-Weiße – wurde deshalb eigens ein Illustrator engagiert, der den Dosen ein künstlerisches Design verpasst hat. Nur in Deutschland habe die Dose noch mit Imageproblemen zu kämpfen, sagt Kurz, allerdings zu Unrecht. „Die Dose ist leichter und lässt sich deshalb in größern Mengen mit dem gleichen CO2-Verbrauch transportieren. Und sie ist unendlich recycelbar.“ Früher habe sie sich nicht vorstellen können, dass in einem guten Restaurant ein Dosenbier auf den Tisch komme. „Wenn es so ein Kunstobjekt ist, sehe ich da aber gar kein Problem.“