Corona-Krise

Dehoga Berlin startet neues Lieferportal für Restaurants

Wegen der Corona-Krise liegt die Berliner Gastronomie am Boden. Ein neues Portal soll helfen. Doch die Verluste fängt es nicht auf.

Das Restaurant „The NoName“ musste wegen der Corona-Auflagen für Gäste schließen. Stattdessen können Kunden Essen nun zum Abholen oder Liefern bestellen. Die entgangenen Umsätze fängt das Außer-Haus-Geschäft jedoch nicht auf, sagt Chefin Janina Atmadi.

Das Restaurant „The NoName“ musste wegen der Corona-Auflagen für Gäste schließen. Stattdessen können Kunden Essen nun zum Abholen oder Liefern bestellen. Die entgangenen Umsätze fängt das Außer-Haus-Geschäft jedoch nicht auf, sagt Chefin Janina Atmadi.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Janina. Ein Abend im Berliner Restaurant „The NoName“ hat durchaus seinen Preis. Gäste bezahlen für ein Menü zwischen 79 und 119 Euro. Für das Geld gibt es ausgezeichneten Service, erlesene Weine und natürlich hervorragende Speisen. Der Restaurantführer Gault-Millau zeichnete das Lokal in der Oranienburger Straße im vergangenen Jahr mit 15 von 20 möglichen Punkten aus. Damit zählt das „The NoName“ zu den besten Adressen der Stadt.

Doch die Corona-Krise und die behördlichen Verfügungen haben für Geschäftsführerin Janina Atmadi alles verändert. Das Restaurant musste schließen, für die acht Mitarbeiter hat Atmadi Kurzarbeit beantragt. Über die entgangenen Einnahmen will sie lieber gar nicht erst sprechen. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt die „The NoName“-Chefin. „Aber wir wollen nicht resignieren“.

Mehr als 250 Gastronomen machen bei #BerlinLiefert mit

Atmadi hat sich mit ihrem Restaurant deswegen der Initiative #BerlinLiefert angeschlossen. Mehr als 250 Gaststätten und Restaurants in der deutschen Hauptstadt haben sich bislang auf dem Portal eingetragen, dass der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin Mitte der Woche ins Leben gerufen hat.

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„In unserer Branche verschärfen sich die fatalen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise von Tag zu Tag. Bereits jetzt befinden sich viele Betriebe am Rande ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit“, sagt Dehoga-Landes-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder angesichts leerer Hotelzimmer, verwaister Tagungssäle und geschlossener Kneipen und Restaurants.

Mithilfe der neuen Plattform wolle der Dehoga die Gastronomen unterstützen. „Zum einen erhalten die Berliner eine große Palette von leckeren Angeboten und zum anderen helfen die Berliner mit ihren Bestellungen den Gastronomen, die Krise zu überstehen“, erklärt Lengfelder. Die Zukunft vieler der rund 19.000 Unternehmen des Gastgewerbes in Berlin mit etwa 90.000 sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen sei durch die Corona-Krise akut bedroht, so der Verbandsvertreter.

Statt Fine-Dining nun hausgemachte Ravioli

Im Fine-Dining-Segment könne man selbstverständlich nicht die üblichen Kreationen einfach so auf das Außer-Haus-Geschäft übertragen, sagt Geschäftsführerin Janina Atmadi. „The NoName“ hat deswegen das Programm umgestellt. Zwischen Dienstag und Sonntag zwischen 12 und 19 Uhr können ausschließlich neue Ravioli-Gerichte geliefert und abgeholt werden. Angeboten werden die handgemachten Teigtaschen mit extravaganten Füllungen wie Shitake, Kalbsbäckchen oder Rochen für 12,50 Euro pro Portion. Bei Abholung kosten die Gerichte 1,50 Euro weniger.

„The NoName“ habe für das neue Geschäft trotz der durch die Corona-Krise ausbleibenden Einnahmen investiert, sagt Atmadi und nennt als Beispiel etwas die biologisch abbaubaren Verpackungen, in denen das Restaurant seine Ravioli auf die Straße schickt. Die liefer- und abholbaren Speisen würden gut angenommen. „Aber wirtschaftlich betrachtet, hilft uns das Außer-Haus-Geschäft kaum weiter“, erzählt die Restaurant-Chefin.

Wannsee-Gastronom erzielt durch Außer-Haus-Geschäft nur Bruchteil des üblichen Umsatzes

Seit ein paar Tagen versucht sich auch der Berliner Gastronom Steffen Kirchner am To-go-Geschäft. Kirchner, der direkt am Wannsee einen Biergarten und zwei Restaurants - darunter das Loretta am Wannsee - betreibt, bietet lediglich eine kleinere Speisekarte an. Currywurst mit Pommes, Leberkäse mit Kartoffelsalat, Bier und auch Kaffee können Kunden mitnehmen. Die verloren gegangenen Einnahmen fängt das neue Geschäft jedoch nicht mal ansatzweise auf. „Am vergangenen Sonntag haben wir keine fünf Prozent des normales Umsatzes gemacht“, sagt Kirchner.

Damit Gäste ohne Ansteckungsgefahr Speisen und Getränke mitnehmen können, hat er extra separate Ein- und Ausgänge geschaffen. Jegliche Bestuhlung habe er zudem abgebaut, damit niemand das Essen vor Ort verzehren könne, sagt Kirchner. Gastronomen drohen ansonsten hohe Strafen. Eigentlich war Kirchner mitten in den Vorbereitungen auf die neue Biergarten-Saison. Um die Corona-Krise zu überstehen, hat er seine 30 Mitarbeiter nun in Kurzarbeit geschickt. Auch einen Überbrückungskredit bei der Investitionsbank Berlin (IBB) hat er beantragt.

Wirt kritisiert den Senat wegen ausbleibender Zuschüsse für größere Unternehmen

Dass der Senat keine Zuschüsse für größere Firmen bereitstellt, kritisiert er scharf. „Kredite werden die Pleitewelle nur um zwei Jahre verschieben“, befürchtet der Gastronom. „Viele Betriebe sind nicht in der Lage Gelder zurückzuzahlen, weil wir das Essen ja nicht zweimal verkaufen können“, sagt Kirchner. Nun hofft er auf schnelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen. „In der Freiluftgastronomie haben wir die Möglichkeit, Tische weit auseinanderzustellen und auch beim Bestellen die Abstandsregeln einzuhalten“, so der Loretta-Chef.

Auch im „The NoName“ in Mitte hofft man auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Vor allem die Eigeninitiative ihrer Mitarbeiter hat Chefin Janina Atmadi in der Krise beeindruckt. Weil das Restaurant keine eigenen Lieferautos hatte, haben zwei Angestellte kurzerhand ihre Fahrräder zur Verfügung gestellt. Jetzt werden die Ravioli-Kreationen per Drahtesel nach Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg gefahren.