Gourmetführer

Guide Michelin: "Rutz" in Berlin bekommt dritten Stern

Das Rutz ist als erstes Berliner Restaurant mit drei Sternen ausgezeichnet worden. Der Guide Michelin bedachte auch drei weitere Lokale

Marco Müller im Restaurant "Rutz", das vom Guide Michelin als erstes Berliner Restaurant mit drei Sternen ausgezeichnet wurde.

Marco Müller im Restaurant "Rutz", das vom Guide Michelin als erstes Berliner Restaurant mit drei Sternen ausgezeichnet wurde.

Foto: Frank May / dpa

Berlin. Die Frage bei der Sterneverleihung des „Guide Michelin“ war immer die gleiche: Bekommt Berlin dieses Jahr ein Drei-Sterne-Restaurant oder nicht? Jahrelang lautete die Antwort auf diese Frage: Nein. 2020 jedoch ist die Schallmauer durchbrochen. Zum ersten Mal hat Deutschlands Genuss-Guide seine höchste Auszeichnung an ein Restaurant in der Hauptstadt vergeben. Insgeheim hatten viele mit Tim Raue gerechnet, doch freuen konnte sich ein anderer: Marco Müller, Küchenchef im Restaurant „Rutz“ an der Chausseestraße in Mitte.

„Wahnsinn“, sagte Müller der Berliner Morgenpost am Dienstagmittag. Und gleich noch einmal: „Wahnsinn! Mir ist das Essen aus dem Gesicht gefallen.“ Buchstäblich, denn Müller habe gerade mit seiner Familie beim Frühstück gesessen, als ein Anruf aus Frankreich kam. „Normalerweise lasse ich mich bei der gemeinsamen Zeit mit der Familie ungern stören, aber an einem solchen Tag habe ich mir gesagt, bei einer Nummer aus Frankreich könnte ich auch mal rangehen“, erzählt der 49-Jährige. Tatsächlich war der Chef des „Guide Michelin“ am Telefon, der ihm die Auszeichnung verkündete. „Da hat bei mir kurz der Atem ausgesetzt“, so Müller.

Rutz mit drei Sternen des Guide Michelin: "Sagenhafte Entwicklung"

Für alle Außenstehenden kam die Meldung ganz profan per Mail. Wegen des Coronavirus hatte Michelin die für Dienstagabend geplante Gala in Hamburg vor wenigen Tagen abgesagt. Die Freude trübt das nicht. „Die Küche von Marco Müller und seinem Team hat in nur kurzer Zeit eine sagenhafte Entwicklung vollzogen“, urteilt Gwendal Poullennec, Internationaler Direktor des „Guide Michelin“. „Die Gerichte sind voller Finesse, Ausdruck und toller geschmacklicher Balance. Auch in ihrem ausgeprägten Bezug zur Natur heben sie sich deutlich ab.“ Müllers Freude ist ihm deutlich anzuhören. „Hier haben alle ein eckiges Grinsen im Gesicht“, sagt er und tut etwas, „was wir sonst nie tun“. Nämlich schließen, um zu feiern.

Alle Sterne-Restaurants in Berlin auf einen Blick:

  • Rutz (3 Sterne), Chausseestraße 8, 10115 Berlin.
  • Lorenz Adlon Esszimmer (2 Sterne), Unter den Linden 77, 10117 Berlin
  • CODA Dessert Dining (2 Sterne), Friedelstraße 47, 12047 Berlin
  • Horváth (2 Sterne), Paul-Lincke-Ufer 44a, 10999 Berlin
  • Facil (2 Sterne), Potsdamer Straße 3, 10785 Berlin
  • Tim Raue (2 Sterne), Rudi-Dutschke-Straße 26, 10969 Berlin
  • 5-cinco by Paco Pérez (1 Stern), Drakestraße 1, 10787 Berlin
  • Bandol sur Mer (1 Stern), Torstraße 167, 10115 Berlin
  • Bieberbau (1 Stern), Durlacher Str. 15, 10715 Berlin
  • Cookies Cream (1 Stern), Behrenstraße 55, 10117 Berlin
  • Cordo (neu) (1 Stern), Große Hamburger Str. 32, 10115 Berlin
  • einsunternull (1 Stern), Hannoversche Str. 1, 10115 Berlin
  • ernst, Gerichtstraße 54, 13347 Berlin
  • Frühsammers Restaurant (1 Stern), Flinsberger Platz 8, 14193 Berlin
  • GOLVET (1 Stern), Potsdamer Straße 58, 10785 Berlin
  • Hugos (1 Stern), Budapester Str. 2, 10787 Berlin
  • Kin Dee (1 Stern), Lützowstraße 81, 10785 Berlin
  • Nobelhart & Schmutzig (1 Stern), Friedrichstraße 218, 10969 Berlin
  • Pauly Saal (1 Stern), Auguststraße 11 - 13, 10117 Berlin
  • prism (neu) (1 Stern), Fritschestraße 48, 10627 Berlin
  • Richard (1 Stern), Köpenicker Str. 174, 10997 Berlin
  • SAVU (1 Stern), Kurfürstendamm 160, 10709 Berlin
  • SKYKITCHEN (1 Stern), Landsberger Allee 106, 10369 Berlin
  • tulus lotrek (1 Stern), Fichtestraße 24, 10967 Berlin

Das tun wahrscheinlich auch drei andere Restaurants in Berlin. Denn der Sternesegen hat auch das „Coda Dessert Dining“ bedacht. Erst vor einem Jahr hatte René Frank den ersten Stern bekommen, jetzt folgte sofort der zweite hinterher. Dadurch bleibt die Zahl der Zwei-Sterne-Häuser in Berlin gleich. „Tim Raue“ in Kreuzberg, das „Horváth“ von Sebastian Frank, ebenfalls in Kreuzberg, das „Facil“ im „The Mandala“ Hotel an der Potsdamer Straße und das „Lorenz Adlon Esszimmer“ im Hotel „Adlon“ behalten ihre beiden Sterne.

Neu in der Ein-Sterne-Riege hinzugekommen sind das „Cordo“ an der Großen Hamburger Straße, ebenfalls in Mitte, und das „Prism“ an der Fritschestraße in Charlottenburg. Behalten hat ihn auch der „Pauly-Saal“ in Mitte, allerdings unter neuem Küchenchef. Dirk Gieselmann hatte hier von Arne Anker übernommen. „Ich bin vor allem stolz auf mein Team, das trotz eines holprigen Starts jeden Tag mit der gleichen Motivation zur Arbeit kommt“, so Gieselmann. „Ohne diese Kraft hinter mir wäre es nicht möglich gewesen, in der kurzen Zeit dieses Niveau zu erreichen.“ Insgesamt 18 Restaurants in Berlin haben nun einen Stern.

Dazu zählt auch das „Kin Dee“, in dem eine der beiden Sterneköchinnen Berlins arbeitet. Dalad Kambhu war Model, hat sich das Kochen selbst beigebracht und jetzt ihren Stern, den sie im vergangenen Jahr erhalten hatte, verteidigt. „Ich hoffe, dass diese Leistung viele Frauen dazu inspiriert, ihren Träumen zu folgen und sie wissen lässt, dass sie in jedem Bereich erfolgreich sein können“, so Kambhu. „Aber wir sind längst nicht angekommen, es gibt noch viel zu ändern.“ Eine weitere erfreuliche Nachricht: Kein Sterne-Restaurant hat seine Auszeichnung verloren.

Lesen Sie auch: Michelin sagt Sterneverleihung wegen Coronavirus ab

In Brandenburg gab es keine neuen Sterne. Immerhin: Die drei Ein-Sterne-Restaurants behalten ihre Auszeichnung. Das sind das „17fuffzig“ im Hotel „Zur Bleiche“ im Spreewald, wo Alexander Müller von René Klages übernommen hatte. Auch das „Friedrich-Wilhelm“ und das „Kochzimmer in der Gaststätte zur Ratswaage“ in Potsdam behalten ihren Stern.

Bundesweit zeichnet der aktuelle Restaurantführer 308 Häuser aus, eines weniger als im Vorjahr. Drei Sterne konnten sich erneut zehn Restaurants erkochen. Hochburgen für Gourmets sind Berlin, Hamburg und München. In Hamburg und München konnten „The Table Kevin Fehling“ und das „Atelier“ die Top-Auszeichnung mit drei Sternen halten. Aber auch kleine Orte stechen wieder hervor – wie Andernach in Rheinland-Pfalz oder Baiersbronn im Schwarzwald. Dort wurden allerdings der „Schwarzwaldstube“ alle drei bisherigen Sterne gestrichen, weil das Restaurant nach einem verheerenden Brand schließen musste.

Wie es jetzt bei Marco Müller im „Rutz“ weitergeht? „Wir haben ja keinen Notfallplan für drei Sterne“, sagt Müller. „Wir können nicht sagen, wenn wir drei Sterne kriegen, machen wir das und das.“ Aber man habe sich in den Jahren immer weiter gesteigert, „und wir haben das auch in Zukunft vor.“ Müller: „Die drei Sterne haben wir ja nicht bekommen, weil wir die angeschrieben haben, sondern weil wir unsere Qualität, unser Produkt gesteigert haben. Ich kann nicht sagen, ich will was ändern, wenn wir sowieso Vollgas fahren. Wir bleiben weiter auf dem Gas.“

Guide Michelin: Diese deutschen Restaurants haben drei Sterne

  • „Rutz“ in Berlin
  • „Restaurant Bareiss“ in Baiersbronn (Baden-Württemberg)
  • „Atelier“ in München (Bayern)
  • „The Table“ in Hamburg
  • „Restaurant Überfahrt“ in Rottach-Egern (Bayern)
  • „Aqua“ in Wolfsburg (Niedersachsen)
  • „Vendôme“ in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen)
  • „Waldhotel Sonnora“ in Dreis (Rheinland-Pfalz)
  • „Victor's Fine Dining“ in Perl (Saarland)
  • „GästeHaus Klaus Erfort“ in Saarbrücken (Saarland)