Morgenpost-Tasting

Trinken wie die Hollywood-Stars im „Regent Berlin“

Im Monat Februar lädt die Bar des Hotels „Regent Berlin“ am Gendarmenmarkt zum Morgenpost-Tasting mit den Drinks der Filmhelden.

Filmreif: Assistant Bar-Managerin Sheila Scheidemann und Küchendirektor Klaus Beckmann. Foto: Maurizio Gambarini/Funke-Fotoservices

Filmreif: Assistant Bar-Managerin Sheila Scheidemann und Küchendirektor Klaus Beckmann. Foto: Maurizio Gambarini/Funke-Fotoservices

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Jeremy Irons kommt, Salma Hayek, Javier Bardem und Willem Dafoe auch. Das Hollywoodaufgebot zur Berlinale nimmt langsam konkrete Formen an. Fest steht auch, das „Regent“ am Gendarmenmarkt ist jedes Jahr eine Lieblingsadresse der internationalen VIPs. Schon vor dem Start am 20. Februar können Sie beim aktuellen Morgenpost-Tasting vor Ort auf Startauglichkeit probesitzen und sich bei den Lieblingsdrinks der Filmhelden wie Humphrey Bogart oder Marilyn Monroe fühlen. „Aber kommen Sie mir bloß nicht mit ‚geschüttelt oder gerührt?‘“, sagt Assistant Bar Managerin Sheila Scheidemann und lacht.

Erstens käme kein Bartender auf die Idee, einen Martini zu shaken, zweitens könne sie den Spruch schlicht nicht mehr hören. James Bond muss also draußen bleiben, vermissen werden Sie ihn nicht, versprochen.

Den Anfang macht ein anderer moderner Klassiker, der es dank Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda zum Lieblingsdrink einer ganzen Generation gebracht hat. Der Cosmopolitan tauchte 1934 erstmals in einem Cocktailbuch auf, auf seinen großen Durchbruch musste er jedoch bis auf die 90er-Jahre und „Sex and the City“ warten. Cranberrysaft, eine puristische Limette und das Martiniglas geben dem Cosmo eine liebliche Anmutung. Dabei handelt es sich hier mitnichten um einen „Frauendrink“. Mit Wodka und Cointreau „hat er richtig Dampf“, versichert Küchendirektor Klaus Beckmann.

Er jedenfalls habe nach dem Probieren des Tastingmenüs „ordentlich die Lampe angehabt“. Die Nase ist frisch und herb-limettig, beim ersten Schluck sorgt die Cranberry zusätzlich für milde Süße, während sich der Wodka dezent im Hintergrund hält. „Er erfüllt seinen Zweck, lässt aber den anderen Komponenten den Vortritt“, sagt Scheidemann. Eine Spirituose mit kerzengeradem Rückgrat, findet Beckmann. Dazu brauche es einen ehrlichen, handfesten Gang. Die Wahl fiel auf handgeschnittenes Rindertatar mit pochiertem Ei und Hering auf Pumpernickel. Ein herzhaftes Pendant zum fruchtigen Drink mit einer Kombination aus Frische, Salzigkeit, herben Noten und einer kernigen Textur.

Dauertrend Whisky Sour

Zwar nicht filmgetreu zum Frühstück, aber als zweiten Gang serviert Sheila Scheidemann einen Whisky Sour: Bourbon, Orangenbitter, Zitrone und Zucker, geshaked und im Tumbler mit eingelegten Cocktailkirschen serviert – fertig ist der Drink, dessen Ursprünge ins 19. Jahrhundert zurückgehen und der seitdem niemals aus der Mode kam.

Mit einem Bulleit hat Scheidemann einen extra rauchigen Whisky gewählt, der „ganz langsam von hinten kommt“. Tatsächlich ist der Drink an der Nase zunächst vorwiegend zitronig mit ein wenig Süße.

Erst am Gaumen entfalten sich die würzigen Noten des Alkohols, die abermals von der Frische der Zitrusfrüchte und der schweren Marzipannote der Kirsche umrahmt werden. Ein Erdnussbuttersandwich kombiniert Tom Ewell alias Richard Sherman in „Das verflixte 7. Jahr“ mit zwei Whisky Sour zum perfekten Start in den Tag. „Ich bin sehr wohl in der Lage, mir mein eigenes Frühstück zuzubereiten“, versichert er der Sekretärin Miss Morris.

Klaus Beckmann hat sich für ein eleganteres Rote-Bete-Ceviche mit Garnele entschieden. Die erdigen Aromen der Bete werden durch Räuchern potenziert und kommen dem Drink entgegen; hinzu kommen die Salzigkeit von Meeresfrucht und Krabbenchip sowie eine feine Säure aus Limette und Frische von Koriander, die mit dem Whisky Sour auf einer harmonischen Linie liegen.

Feiern wie Gatsby

Feiern wie „Der große Gatsby“ lässt es sich mit dem nachfolgenden Gin Rickey, den Sheila Scheidemann – ganz im Sinne der Dekadenz der 1920er-Jahre – mit etwas Blattgold bestäubt. „Wir lassen uns ja nicht lumpen.“ Das hätte bestimmt auch Jay Gatsby gefallen, der den Drink mit Gin, Limette, Zucker und Soda zur Erfrischung an einem heißen Sommertag serviert, dessen sich überschlagende Ereignisse zum tragischen Ende der Geschichte führen.

Tatsächlich entschleunigt das Sodawasser den Gang ein wenig. Für die persönliche Note und eine schöne Optik hat die „Regent“-Bartenderin den Zucker durch Lavendelsirup ersetzt. Die blumige Nuance macht sich bereits an der Nase bemerkbar, kombiniert mit Zitrusaromen, die durch die Wahl eines Tanqueray noch verstärkt werden.

Beides wird beim ersten Schluck intensiver und von Klaus Beckmann mit einem echten Wohlfühlpairing eingefangen. Der Küchenchef schickt eine Lauchtarte mit Trüffelschaum und Parmesan. Der Teig ist dabei butterzart und verschmilzt beinahe mit dem erdigen Hauch des Trüffels und der Würzigkeit des Käses. „Ich könnte mich mit der Tarte einreiben“, sagt Scheidemann. „Das ist uns in der Tat ganz gut gelungen“, findet Beckmann. Jetzt noch einen großen Schluck dazu nehmen und auf der Zunge manifestiert sich ein Sommer in der Provence.

Zu Hollywoodruhm verhalfen in den 80er-Jahren die „Blues Brothers“ John Belushi und Dan Aykroyd dem Orange Whip. Detective Burton Mercer möchte die beiden bei einem Konzert verhaften – nicht jedoch, ohne sich vorher einen Drink zu genehmigen. Mit Rum, Wodka, Sahne und Orangensaft ist der Orange Whip in jeglicher Hinsicht ein Schwergewicht. „Zum Diätmachen sind die Leute auf jeden Fall nicht da“, sagt Sheila Scheidemann.

Getoppt wird der Drink von Paprikapulver, um den Bogen zum Gulasch von Klaus Beckmann zu schlagen. Daneben ist die Nase cremig und nussig. Der rauchige Rum hat dann beim ersten Schluck seinen großen Auftritt und sorgt dafür, dass die gehaltvolle Süße nicht erschlagend wirkt. Würziges Fleisch und ein handfester Serviettenknödel sind dazu genau das richtige Gegengewicht. Etwas Crème fraîche und Schärfe erfrischen und nehmen dem Gang seine Mächtigkeit.

Zum Abschluss gibt es den Champagnercocktail

Kein anderer als ein Champagnercocktail käme für den letzten Drink bei diesem Tasting in Frage. Serviert allerdings mit weniger Schwermut als in „Rick’s Café Américain“ beim letzten Treffen von Humphrey Bogart und Ingrid Bergman alias Rick und Ilsa in „Casablanca“. Sheila Scheidemann ergänzt Cognac und Cointreau zum klassischen Rezept mit einem Würfel Zucker, Bitter und Champagner. Die Nase wird dadurch bittersüß mit intensivem Sprudel, die Optik geht ins Bernsteinfarbene. Am Gaumen sind die zusätzlichen Aromen dann jedoch angenehm dezent und lassen dem Champagner den Vortritt. „Jetzt gibt’s noch nen Pudding“, sagt Klaus Beckmann und meint eine Crème brûlée, die die Küche begleitend serviert.

Nicht ganz klassisch allerdings, sondern mit einem Hauch Kardamom. Die Karamellkruste ist knackig und intensiv süß, die Creme streichzart mit einem ausgewogenen Spiel von Zimt, Vanille und einem Hauch Kardamom. Ganz großes Kino!

Fünf Cocktails inklusive Food-Pairing gibt es vom 7. bis zum 16. Februar für 49,90 Euro pro Person jeweils um 18.30 Uhr in der Bar des „Regent Berlin“, Charlottenstraße 49, 10117 Berlin. Reservierungen unter Telefon 20 33 63 63 und nur solange die Plätze reichen. Mindestteilnehmerzahl: sechs Personen.