Adventskalender

Weihnachten in den USA: Cupcake küsst Lebkuchen

Konditorin und Buchautorin Cynthia Barcomi bereitet ein typisch amerikanisches Gebäck mit weihnachtlichen Aromen zu.

Cynthia Barcomi präsentiert ihre köstlichen Weihnachts-Cupcakes in ihrem Deli in den Sophie-Gips-Höfen Mitte.

Cynthia Barcomi präsentiert ihre köstlichen Weihnachts-Cupcakes in ihrem Deli in den Sophie-Gips-Höfen Mitte.

Foto: Sergej Glanze/ Funke Foto Services

Berlin. Muss man sie eigentlich noch vorstellen? Berlins ungekrönte Königin von Bagels, Cookies & Co., Backbuchautorin, Konditorin, Fernsehköchin und Kaffeehausbetreiberin – das ist Cynthia Barcomi. Die US-Amerikanerin lebt inzwischen länger in Berlin als in ihrem Heimatland. „Es hat sich einfach Schritt für Schritt ergeben.“ Sie war professionelle Tänzerin, bevor sie an der Spree mit ihren amerikanischen Gebäcken eine neue kulinarische Kultur etablierte.

Immer noch geht sie all ihren Projekten mit Enthusiasmus und Akribie nach. „Beim Backen muss jede Maßangabe genau sein“, sagt sie. Sie hat dies zur Maxime für jedes ihrer Rezepte erklärt. Wo Cynthia Barcomi drauf steht, ist Cynthia Barcomi drin. „Ich backe alles in einer ganz normalen Küche mit einem handelsüblichen Ofen, arbeite mit den üblichen Küchengeräten und verwende Zutaten, die man in jedem Supermarkt bekommt“.

Sie gibt einen Einblick in die tägliche Arbeit der Backbuchproduktion. Die Küche ist ihre eigene, in ihrem Zuhause in Zehlendorf, wo sie mit ihrem Ehemann und zweien der vier gemeinsamen Kinder im Alter von zwölf bis 31 Jahren lebt. Im Frühjahr kommt ihr neuestes Buch auf den Markt: Ein „modernes, saisonales und regionales Backbuch“, in dem die klassischen Rezepte zeitgemäß weiterentwickelt werden und damit auch glutenfrei oder vegan sind. Es sei, so die Profibäckerin, kein Problem, ohne tierische Zutaten wunderbare Torten, Kuchen und Gebäcke herzustellen.

Mit den „Gingerbread Cupcakes“, „Lebkuchen-Küchlein“ für den „Kulinarischen Adventskalender“ präsentiert sie ein typisches Weihnachtsgebäck ihrer Heimat, allerdings in abgewandelter Form. „In den USA wird Gingerbread in Keksform als auch als Kuchen gebacken. Ich mache aus dem Lebkuchenteig Cupcakes mit weihnachtlicher Dekoration. Am typischen Gingerbread-Geschmack habe ich lange getüftelt“, sagt sie.

Vor 25 Jahren, im Oktober 1994, eröffnete sie ihre Barcomi’s Kaffeerösterei in der Kreuzberger Bergmannstraße, 1997 kam das Barcomi’s Deli in den Sophie-Gips-Höfen in Mitte dazu. Ihre Kinder hätten auch ein Faible für die saftigen Lebkuchen-Weihnachtsküchlein, die im Kühlschrank bis zu vier Tage frisch bleiben. Allerdings erreichen sie selten ihr Haltbarkeitsdatum, sie werden schon vorher genascht. Auch in ihren beiden Cafés sind amerikanische Weihnachtsleckereien in der Adventszeit ein Muss. Es gebe, zählt sie auf, verschiedene Weihnachtskekse in Tüten zum Außer-Haus-Verkauf, Kaffee mit Weihnachtsgewürzen, heiße Schokolade und als besondere Köstlichkeiten Schoko-Maronen und glutenfreie Maronen-Brownies.

In Kindheit wurde das Fest amerikanisch gefeiert

Früher habe sie ihre Cupcakes mit einem Frischkäse-Frosting verziert, einer typisch amerikanischen Frischkäse-Puderzucker-Masse, wie man sie vom Carrot Cake kennt. Inzwischen arbeitet sie aber lieber mit einer aus klassischen amerikanischen Backstuben stammenden Buttercreme. „Die ist sehr stabil und funktioniert auch sehr gut bei Sommertorten, da sie ohne Ei hergestellt wird“, so die 56-Jährige, die in Seattle geboren wurde und über New York 1985 in das damals noch geteilte Berlin gekommen war.

Weihnachten freut sie sich vor allem auf viel Zeit mit der Familie. „Wir haben früher viel gebastelt und gebacken, vor allem Cookies mit Puderzuckergarnitur“, erinnert sie sich ihre Kindheit in Amerika. Der Hang zur Dekoration hat sich schon damals gezeigt. „Wir haben Styroporkugeln mit sehr viel Glitzer und Glimmer verziert“, erzählt sie. Aus Popcorn und Cranberrys wurden Ketten gebastelt, die anschließend draußen in die Bäume gehängt wurden. Aus Salzteig wurden kleine Körbchen gebacken. Beim Weihnachtsessen hielten es die Barcomis wie die meisten Amerikaner. Es wurde traditionell Truthahn serviert.

Als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, bekam sie Kochbücher aus den 50er-Jahren aus dem Familienbesitz, um für die Festtage gewappnet zu sein. Aus den alten Rezepten, ihren Abwandlungen und neuen Rezepten à la Cynthia Barcomi ist über die Jahre eine stattliche Sammlung entstanden, die sie immer noch weiterführt. „Unsere Kinder kennen die amerikanischen und deutschen Traditionen. Wie wichtig das ist, habe ich von meinen Eltern gelernt und ich gebe sie mit meinem Mann, der auch gebürtiger Amerikaner ist, weiter.“

Dieses Jahr wird an Heiligabend kulinarisch allerdings ein ganz anderer Kurs eingeschlagen, sagt sie: Bei den Barcomis wird Käsefondue serviert.

Barcomi’s Café Kaffeerösterei, Bergmannstr. 21, Kreuzberg, Mo.–Fr. 8–21, Sbd., So., Feiertage 9–21 Uhr, 24.12. 9–16 Uhr, 25.+26.12. geschlossen, 31.12. bis 18 Uhr, 1.1. ab 11 Uhr, Tel. 694 81 38, www.barcomis.de

Barcomi’s Deli, Sophie-Gips-Höfe, 2. Hof, Sophienstr. 21, Mitte, Mo.–Do. 9–19, Fr.+Sbd. 9–21, So., Feiertage 10–19 Uhr, 24.–26.12. geschlossen, 31.12. 9–18 Uhr, 1.1. 12–19 Uhr, Tel. 28 59 83 63, www.barcomis.de

Gingerbread Cupcakes

Zutaten für zwölf Stück

Zubereitungsdauer: 45 Minuten

Ermine Frosting:

– 100 g Zucker

– eine Prise Salz

– 175 ml Milch

– 30 g Mehl

– 175 g weiche Butter

Teig:

– 210 g Mehl

– 1 TL Zimt

– 1 TL gemahlener Ingwer

– ¼ TL gemahlene Nelken

– Prise Salz

– 60 g weiche Butter

– 100 g Zucker

– 1 Ei

– ½ TL Natron

– 125 ml Zuckerrübensirup (Grafschafter Goldsaft)

– 175 ml Wasser

– ¼ TL Natron

Kandierte Cranberrys:

– zwölf frische Cranberrys

– 100 g Zucker

– 100 ml Wasser

– 60 g Zucker zum Wälzen

Für das Ermine Frosting Zucker und eine Prise Salz mit der Milch in einen Topf geben. Erhitzen und ständig rühren, bis der Zucker sich auflöst. Das Mehl dazusieben und die Masse bei mittlerer Hitze eindicken lassen. Dabei mit einem Schneebesen rühren, damit nichts anbrennt und es keine Klumpen gibt. Das dauert ein paar Minuten.

Sobald die Masse eingedickt ist (wie ein Pudding), den Topf vom Herd nehmen. Die Creme in eine Schüssel geben und ein Stückchen Backpapier direkt auf die Oberfläche legen, damit sich keine Haut bildet. Die Schüssel etwa 20 Min. auf ein Gitter stellen, damit die Luft außen herum zirkulieren kann. Dann etwa eine Stunde kaltstellen.

In der Zwischenzeit die Cupcakes machen: Für den Teig den Ofen auf 180 Grad Celsius vorheizen. Muffinbackform mit Manschetten auskleiden.

Mehl, Gewürze und Salz vermengen. Butter und Zucker cremig schlagen. Das Ei hinzufügen und weiterschlagen. ½ TL Natron im Sirup verrühren und in die Zucker-Ei-Mischung schlagen.

Das Wasser zum Kochen bringen und den restlichen ¼ TL Natron hineingeben. Langsam abwechselnd die Mehl-Gewürze-Mischung und das kochende Wasser in die Zucker-Butter-Sirup-Mischung rühren, bis alles gut vermischt ist. Der Teig ist relativ flüssig – das ist richtig so.

Mit einem Esslöffel den Teig in die vorbereitete Muffinform geben und 20 Min. backen. Garprobe machen. Die Cupcakes vor dem Dekorieren auf einem Gitter völlig auskühlen lassen. Für die kandierten Cranberrys Wasser mit Zucker aufkochen, bis der Zucker sich aufgelöst hat. Vom Herd nehmen. Die Cranberrys im Sirup ein paar Minuten ziehen lassen. Mit einer Gabel die Cranberrys gut abtropfen lassen und in Zucker wälzen, bis sie rundum mit Zucker kandiert sind. Auf einem Küchentuch oder Gitter trocknen lassen. Nun das Frosting fertig machen: Mit Küchenmaschine oder Handmixer die weiche Butter cremig aufschlagen. Nach und nach die abgekühlte Creme dazugeben und weiter einige Minuten kräftig aufschlagen, bis das Frosting sehr luftig ist. Mit einer Palette oder Spritztülle das Frosting auf den Cupcakes auftragen. Anschließend mit einer kandierten Cranberry ausdekorieren.