Adventskalender

Wo Melomakrona zum Weihnachtsfest gehören

Auch in Griechenland gewinnt Weihnachten eine immer größere Bedeutung. Was dann gegessen wird, zeigt das Restaurant Ousia.

Melomakronia, die ovalen Kekse aus Mehl, Öl, Zucker, Orangensaft und Zimt, werden nach dem Backen mit einem Sirup aus Honig und Zucker getränkt und mit gehackten Nüssen oder Mandeln bestreut.

Melomakronia, die ovalen Kekse aus Mehl, Öl, Zucker, Orangensaft und Zimt, werden nach dem Backen mit einem Sirup aus Honig und Zucker getränkt und mit gehackten Nüssen oder Mandeln bestreut.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. „Ohne Melomakrona geht es nicht“, weiß Niko Gortsas. Nicht, dass Weihnachten die gleiche Bedeutung hätte wie in Deutschland. Das vom Ionischen Meer, dem Mittelmeer und der Ägais umgebene Land ist stärker mit dem 6. Januar (Theophania, Fest der Erscheinung des Herrn), Ostern und dem 15. August (Pnanagia, Fest der Allerheiligen Muttergottes) verbandelt.

Dennoch ist das Fest zu Christi Geburt präsent. „Vor allem die ältere Generation backt bis zum 10. Dezember für Weihnachten. Dann findet sich überall in den Wohnungen Gebäck wie eben Melomarkrona“, so Gortsas über die ovalen Kekse aus Mehl, Öl, Zucker, Orangensaft und Zimt, die nach dem Backen mit einem Sirup aus Honig und Zucker getränkt und zudem noch mit gehackten Nüssen oder Mandeln bestreut werden. „Mit Honig sind sie etwa vier bis fünf Wochen haltbar, ohne vier bis fünf Monate. Dann sind sie auch noch vegan“, sagt der 50-Jährige, der aus dem südwestlich von Thessaloniki gelegenen Katerini stammt und als Sechsjähriger nach Berlin kam.

Weihnachten ist in Griechenland das Fest der Freunde

Vor 20 Jahren hat er das Ousies in Schöneberg eröffnet. Das ist inzwischen in die Nähe des Bayerischen Platzes gezogen und heißt nun Ousia. Dieses Jahr hat Gortsas ein paar Häuser weiter noch das Privatrestaurant Tavernaki Ousia eröffnet. „Man bringt Melomakrona, wie Gebäck überhaupt, in Griechenland als Geschenk mit, wenn man eingeladen ist“, erzählt Filippos Kontomichis, der ab Januar als Koch fürs Privatrestaurant arbeiten wird.

"Bei uns ist Weihnachten ein sehr familiäres Fest mit viel Essen. Es gibt Lamm, Schwein, Kalb, aber auch Gans, dazu Ofenkartoffeln oder auch eine Art griechisches Risotto“, erzählt der 30-Jährige aus Preveza an der Westküste des Peloponnes, der seit fünf Jahren in Berlin lebt. „Auch Wild wird in Griechenland an Weihnachten gegessen.“ Wenn man auch keine so große Weihnachtsnation wie Deutschland sei, räumt der Ousia-Betreiber ein, feiere man doch drei Tage lang, und das sei, hinsichtlich der vielen Großfamilien in Griechenland, im Grunde genommen zu wenig. Zudem sei Weihnachten auch das Fest der Freunde. „Wer Lust hat, kommt vorbei“, so Gortsas.

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In seiner alten wie neuen Heimat ist Weihnachten vor allem auch eines: ein Fest für die Kinder. Traditionell ziehen sie am ersten Weihnachtsfeiertag durch den Ort, von Haus zu Haus. Sie verkünden singend die freudige Nachricht von der Geburt Christi. Begleitet von Triangeln singen sie „Kalanda“. Dieses Lied, das sich von Region zu Region etwas unterscheidet, soll das Haus und die Familie segnen. Als Belohnung erhalten die kleinen Sänger und Sängerinnen etwas Geld. In früheren Zeiten gab es Weihnachtsgebäck, getrocknete Feigen und Nüsse. Dabei ist frühes Aufstehen angesagt. Wer zuerst kommt, wird der Tradition nach reicher belohnt.

Weihnachtsbäume gibt es auch, sie sind aber auch mit der griechischen Tradition des „in die Erde stürzenden Baumes“ verbunden. Das ganze Jahr über versuchen kleine Dämonen aus der Unterwelt ihn zu fällen. Kurz bevor ihnen dies jedoch gelingt, wird Jesus geboren. Die Kobolde verlassen die Unterwelt und machen sich daran, die Menschen zwölf Tage lang zu ärgern.

Der Weihnachtszauber ist in Griechenland eher dezent

Neujahr ist dem engsten Familienkreis vorbehalten. Am ersten Tag des Jahres, berichtet Filippos Kontomichis, wird Vasilopia, ein Neujahrsbrot oder -kuchen, gebacken. In den wird, wie man es auch in anderen Ländern bei Festgebäck findet, eine Münze eingebacken. Sie soll dem Finder Glück bescheren. „Geschenke gibt es bei uns nicht an Weihnachten, sondern an Neujahr“, beschreibt Gastronom Gortsas einen weiteren Unterschied zu den hiesigen Weihnachtsgebräuchen.

Wenn auch der Weihnachtszauber mit Lichterglanz und teils üppiger Dekoration auch in Griechenland zunimmt, kommt er noch lange nicht an die deutschen Gepflogenheiten heran. Dennoch werden in den Straßen Lichterketten aufgehängt und durch die inzwischen auch in Griechenland vertretenen deutschen Supermärkte sind entsprechende Delikatessen im Angebot, „Ich habe noch niemals soviel Beleuchtung gesehen, das ist schon extrem“, erinnert sich der Koch an sein erstes Weihnachten in Berlin. Niko Gortsas ist mit der deutschen Weihnacht aufgewachsen und zelebriert sie vor allem traditionell deutsch. „Am Heiligabend bleibt das Restaurant geschlossen. Wir feiern normalerweise mit Familie und Freunden entweder bei mir zu Hause oder bei den Eltern in Lankwitz“, sagt er. „Bei uns gehört Gänsebraten zu Weihnachten. Wir essen ihn allerdings schon am 24. Dezember, denn am 25. und 26. Dezember ist das Ousia wieder geöffnet“, sagt er.

An Weihnachten, so Gortsas, werde es kein Weihnachtsmenü in dem auf original griechische Küche nach authentischen Rezepten sowie Mezes, die Tapas-ähnlichen griechischen Vorspeisen, spezialisierten Restaurant geben. „Unsere Gäste wissen und schätzen das“, so Gortsas.

„Letztes Jahr bin ich nach 44 Jahren das erste Mal an Weihnachten wieder in meinem Heimatdorf gewesen. Das war ungemein entspannt. Die Familie lebt in der Nähe des Olymps, und das ist beeindruckend schön“, schwärmt er vom Fest in der Heimat. „Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren es 22 Grad, oben auf dem Olymp acht Grad, und es lag Schnee, diese Gegensätze sind einmalig.“

In Griechenland ist der 25. Dezember für die orthodoxen Christen das Ende der vorweihnachtlichen 40-tägigen Fastenzeit. Kein Wunder, dass dann üppig getafelt wird und auch gefüllter Truthahn aufgetischt wird. Wegen des teils angenehm warmen Wetters um die 20 Grad, wird auch schon einmal draußen ein Spanferkel am Spieß zubereitet.

Neben Melomakrona gehören auch Christopsomo, das traditionelle Weihnachtsbrot, und Kourabiedes, Butterplätzchen mit Mandeln“ in die Weihnachtszeit. Niko Gortsas und Filippos Kontomichis haben längst auch ihre Lieblingsnaschereien auf den hiesigen bunten Tellern und vom Adventskaffee gefunden: „Ich liebe Christstollen.“

Taverna Ousia, Grunewaldstr. 54, Schöneberg, Mi.–Mo. ab 17 Uhr, 24.12. geschlossen, Tel. 216 79 57, www.taverna-ousia.de

Das Rezept für Melomakrona

Zutaten:

  • 240 g Sonnenblumenöl
  • 240 g Olivenöl
  • 50 g Cognac
  • 160 g Frischer O-Saft
  • 1 TL Soda
  • 200 g. Zucker
  • 1 TL Gewürznelken
  • 2 TL Zimt
  • Schale von 2 Orangen
  • 900 g. Mehl
  • 2 TL Backpulver

Mehl und Backpulver in eine Schüssel sieben und zur Seite stellen. In einem anderen Topf Oliven-, Sonnenblumenöl, Cognac, Zucker, Zimt, Gewürznelken und Orangenschalen kochen. Alles mit Schneebesen gut verrühren bis sich alles auflöst und der Zucker schmilzt. Soda im O-Saft auflösen und zur Mischung geben. Mit Schneebesen verrühren. Zum Schluss sukzessive das Mehl (Schüssel 1) hinzufügen und leicht unterrühren, so dass es von der Mischung gut aufgenommen wird. Nicht zu lange verrühren, damit die Mischung nicht zäh wird. Die Melomakarona aus der Mischung formen. Ofen auf 190 Grad Umluft vorheizen und die Melomakarona für 20-25 min. backen und abkühlen lassen.

Für den Sirup:

  • 400 g. Zucker
  • 400 g Wasser
  • 400 g. Thymian-Honig
  • ½ Zitrone (Saft)
  • gemahlene Walnüsse

Alles in einem Topf kochen, nach dem Aufkochen noch drei Minuten köcheln. Den Schaum, der sich auf der Oberfläche gebildet hat, abschöpfen. Die kalten Melomakarona in den warmen Sirup tauchen. Wir tauchen sie eins nach dem anderen in den Sirup – von jeder Seite ca. 20 Sekunden lang. Solange der Sirup auf den Melomakarona warm ist, großzügig mit gemahlenen Nüssen bestreuen.