Spice for Life

Patrick Hahnel ist der Jäger nach dem besten Gewürz

Patrick Hahnel ist Chef von Spice for Life und Gewürzjäger. Um an die exotischsten Sorten zu kommen, reist er um die ganze Welt.

Patrick Hahnel inmitten des Sortiments von Spice for Life.

Patrick Hahnel inmitten des Sortiments von Spice for Life.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Als sich die grüne Tür zum „Dock 100“ am Borsigturm in Tegel öffnet, ist jeder Zweifel, ob man am richtigen Ort ist, verflogen. Denn selbst im Erdgeschoss duftet es nach exotischen Gewürzen. Der Geruch verstärkt sich um ein Vielfaches, sobald sich die Fahrstuhltüren oben in der 4. Etage öffnen. Hier, in nüchternen Geschäftsräumen im Norden Berlins, liegt der Firmensitz von „Spicebar“ und „Spice for Life“.

Es geht natürlich um Gewürze, aber nicht um irgendwelche. Während die Spicebar vor allem Gewürzmischungen anbietet – die man sich online auch selbst zusammenstellen kann – ist „Spice for Life“ spezieller, exklusiver. Die Gewürze der Spicebar finden sich inzwischen sogar bei dm oder im KaDeWe. Was Spice for Life in seinem Online-Shop anbietet, kann man teils nirgendwo sonst in Europa kaufen, so ausgesucht und hochwertig ist das Angebot.

„Spice for Life“: Raritäten und Besonderheiten

„Bei Spice for Life geht es um Raritäten und Besonderheiten, die man nicht in Masse kriegen kann“, sagt Patrick Hahnel, Gründer und Chef, und öffnet gleich einmal ein paar Döschen zum Probieren. Der 44-Jährige, der seit 20 Jahren in Berlin lebt, ist „Gewürzjäger“. Für sein Raritäten-Sortiment reist er ein- bis zweimal im Jahr durch die Welt, nach Vietnam, nach Kambodscha, immer auf der Jagd nach dem speziellen Pfeffer – sein Steckenpferd – oder anderen Seltenheiten, von denen man hierzulande noch nie gehört hat, wie Bananenzucker oder Hatsoi-Grillbeeren.

Hahnel bekommt Tipps, recherchiert, sucht nach Ansprechpartnern vor Ort, spricht direkt mit den Bauern in ihren Dörfern, lässt sich über die Felder führen und entscheidet sich nur für die aromatischste Qualität. Was für die Spicebar mit ihren großen Abnehmermengen nicht funktionieren würde, ist für Spice for Life genau richtig. Kunden, die sich für seinen Gewürzjägerclub anmelden, bekommen einmal im Jahr eine Box mit drei ausgesuchten Raritäten.

Hatsoi-Beere hilft gegen Magenschmerzen

Im Sortiment finden sich so exotische Namen wie gerösteter Bucay-Pfeffer aus Ecuador, fermentierter Timut-Pfeffer aus Nepal, den die Kleinbauern in Katmandu eigentlich nur für den Eigenbedarf anbauen oder Andaliman-Pfeffer von Sumatra, der wiederum nur wild wächst und gar nicht kultiviert wird. Ähnlich unbekannt ist die Hatsoi-Beere, auf die Hahnel in einer Apotheke in Hanoi aufmerksam wurde.

Die Beeren, die gegen Magenschmerzen helfen sollen, entsprachen allerdings nicht seinem Qualitätsanspruch. Also machte er sich auf die Suche, fand eine Bauernfamilie und hatte zum ersten Mal frische Bohnen in der Hand, die von 100 Jahre alten Bäumen stammten. Jetzt gibt es sie in seinem Shop – als Grillgewürz.

„Spice for Life“ gibt es seit 2011

Angefangen hat Hahnel als Programmierer. Doch als ein Freund ihn 2008 bat, einen Online-Shop mit ihm aufzumachen, kam er auf die Idee, einen Gewürzhandel aufzuziehen, weil er schon immer eine Schwäche dafür hatte. „Damals gab es noch nicht viele Gewürzfirmen, die sich für spezielle Sachen interessiert haben“, erinnert er sich.

2011 ging Spice for Life an den Start. Im gleichen Jahr hieß es auch „entweder Programmierer oder Gewürzjäger“. Die Wahl fiel Hahnel nicht schwer. 2015 kam zusammen mit Kai Dräger „Spicebar“ hinzu, das Angebot zum Selbermixen von Gewürzen.

Sein erster Gewürzjäger-Fang: der Andaliman-Pfeffer, eine zitronig schmeckende Szechuan-Pfefferart, die Hahnel sogar zum Aromatisieren seines Wassers verwendet. 2012 bekam er gerade mal 30 Kilogramm zusammen. Zu praktisch jeder Sorte kann Hahnel eine Geschichte erzählen. Einer seiner ersten Importe war der kleine lange Pfeffer aus Nepal. „Als ich die Säcke aufmachte, meinte der Kollege von hinten: ‘Kannst du mir auch noch einen Kakao machen?’“ Hahnel lacht. „Dabei war es der Pfeffer, der so roch.“ Also tauften sie ihn „Schokoladenpfeffer“, und so ist er heute bekannt.

„Alles nur vom Feinsten“

Bei Spice for Life gibt es auch einige wenige Gewürzmischungen, sie seien jedoch Randprodukte. Dennoch: „Alles nur vom Feinsten“, sagt Hahnel. So zum Beispiel der selbst gemischte Steakpfeffer. Auf der Zunge entfalten sich in Phasen erst Süße, dann etwas Säure, Frucht und am Ende die Schärfe. Seltene Sorten sind nicht immer verfügbar, weil die Ernte eines Jahres irgendwann aufgebraucht ist. „Wenn’s weg ist, ist’s weg“, sagt Hahnel. Dafür sind die Preise mit 4,90 Euro bis 12,90 Euro relativ moderat, weil die Firma selbst importiert.

Eine Pfeffermühle benutzt Hahnel übrigens nicht. Die meisten würden das Pfefferkorn nur zerquetschen und damit das Aroma herauspressen, womit es nicht dahin komme, wohin es solle. Er verwendet eine Mühle mit Klingen, die das Korn sehr fein schneidet und auch für den langen Pfeffer oder andere Gewürze geeignet ist. Warum aber sollte man deutlich mehr für den Pfeffer ausgeben als im Supermarkt? Hahnel scherzt: „Man kann sich auch Wein im Tetrapak kaufen, da gibt es bestimmt auch ein paar, die schmecken.“

Tatsächlich sind die Unterschiede zu „normalem“ Pfeffer schon beim Riechen enorm. Die Pfefferpflanze ist zudem arbeitsintensiv, häufig sind es Kleinbauern, von denen Hahnel seine Ware bezieht, die nicht auf Quantität setzen, sondern auf Qualität. Die unterste Region ist für ihn gemahlener Pfeffer im Streuer, wie er in vielen Restaurants üblich ist.

Hahnel ironisch: „Super, da bestellt man sich ein Steak für 30 Euro und kriegt dann so ‘nen Pfefferstreuer da hingestellt.“ Sein Wissen gibt der Gewürzjäger auch weiter, bei Seminaren, die in den Räumen von Spicebar und Spice for Life stattfinden. Denn schon die Welt des Pfeffers ist endlos, erst recht die der Gewürze.

Angebot und Informationen unter: www.spiceforlife.de