Restaurants

Wo Berlins Sterneköche gerne essen gehen

Gourmets genießen täglich die Kreationen der Sternerestaurants. Doch wo gehen Sterneköche selbst gern hin? Wir haben sie gefragt.

Sauli Kemppainen ist Sternekoch im Savu am Kurfürstendamm in Berlin.

Sauli Kemppainen ist Sternekoch im Savu am Kurfürstendamm in Berlin.

Foto: Verkko Henkilo

Berlins Sterneköche arbeiten jeden Tag auf allerhöchstem Niveau. „Normale“ Gericht gibt es bei ihnen nicht, alles, was ihre Küche verlässt, muss höchsten Ansprüchen genügen. Doch auch Küchenchefs von Restaurants mit einem oder sogar zwei Sternen gehen gerne mal selbst essen.

Nur wohin? Bevorzugen Sie die Kochkünste ihrer Kollegen, die ebenfalls im Guide Michelin stehen? Oder darf es auch mal die Currywurst vom Stand um die Ecke sein? Wir haben einige von Berlins Sterneköchen gefragt, welches ihre Lieblingsrestaurants sind.

Eberhard Lange geht ins Restaurant "An der Fähre" im Havelland

Eberhard Lange vom „Hugos“ im Hotel „Intercontinental“ an der Budapester Straße in Tiergarten (ein Stern) beispielsweise geht gar nicht so häufig essen. „Vielleicht so fünf- oder sechs Mal im Jahr“, erzählt er. „Und dann vor allem für Spionage, ich gucke mal, was andere so machen.“ Aber wenn er sich doch mal privat bewirten lässt, dann im Restaurant „An der Fähre“ in Ketzin im Havelland. „Das ist wunderbar draußen an der Havel gelegen und hat eine Terrasse.“ Was er dort schätzt? Die „ehrliche deutsche Küche.“ Dort kriege man schönen Zander mit Kartoffel-Radischen-Salat, Spargel mit Schnitzel, „eher die einfache Küche, aber mit schöner Qualität.“ Was er unter ehrlich versteht? „Eine vernünftige Hollandaise, selbst geschälter Spargel, kein eingefrorener Zander, eine selbst gemachte Kohlroulaade. Lange schätzt zudem die Abgeschiedenheit. „Ich will zum Esse Ruhe haben. Wenn man in den üblichen Restaurants isst, wird man oft erkannt.“ Weit ist Ketzin für ihn nicht, er wohnt selbst in Falkensee.

Restaurant & Café „An der Fähre“, An der Fähre 1, 14669 Ketzin, Tel.: 033233/80632, www.an-der-faehre.de

Tim Raue isst gerne in der Osteria Centrale an der Bleibtreustraße

Und Tim Raue? Der Berliner hat in diesem Jahr für sein Restaurant „Tim Raue“ in Kreuzberg erneut zwei Sterne bekommen, dazu 19,5 von 20 möglichen Punkten im „Gault & Millau“. Sein Restaurant steht auf Platz 40 der besten der Welt. Raue, der dienstlich ganz auf asiatisch setzt, geht privat gern italienisch essen. Raue: „Zu den großen Küchen der Welt gehört für mich die italienische, die nicht durch Perfektion glänzt, sondern mit großer Empathie und Herzlichkeit die Gäste für sich einnimmt.“ „Der Italiener“ sei ein Ort, an dem man sich wohlfühle, umsorgt werde – mit Weinen, die die Seele streicheln und Gerichten, die einen an die liebevolle Küche der Großmutter denken lasse.

Und welcher ist nun sein Lieblingsitaliener? „Mein Italiener ist die kleine und feine ‘Osteria Centrale’ von Roberto und Mila, mit einer grandiosen Weinkarte und einer Küche, die beste Produkte und sehr gutes Handwerk und vor allem wunderbare Aromen verbindet.“ Rau gerät bei dem Gedanken ins Schwärmen: „Der gebackene Paglietta, seine Pasta, das puristische Vitello Tonnato, aber vor allem die exzellenten Fischgänge sind hervorragend. Wann immer ich kann, gehe ich dorthin, um einen Abend zu verbringen, der mich träumen lässt. Von Italien, der Sonne, den Aromen und der Herzlichkeit dort.“

„Osteria Centrale“, Bleibtreustraße 51, 10623 Berlin, Tel. 030/31013263.

Sebastian Frank mag's chinesisch bei "Feed Back"

Auch das „Horváth“ von Sebastian Frank am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg zieren zwei Sterne und 17 Punkte im Gault & Millau. Auf der Karte des Österreichers stehen so exklusive Gerichte wie Pilzleber mit Apfelbalsam und Butterstriezl oder Lachsforelle Pralinee mit Röstgemüsreduktion und Rhabarber oder Juvenilferkel mit Selleriesaat und geeistem Pusztasalat. Und privat? Da bleibt Frank in seinem Kiez. Nur wenige Meter weiter liegt das „Feed Back“, das auf kantonesische Küche aus dem Herzen Chinas spezialisiert ist. Küchenchef Rong Dong Chen und Restaurantleiterin Ji Zheng servieren frische saisonale Produkte. Chen arbeitete zuvor im „China Club“ in Mitte, Zhengs Familie öffnete eines der ersten Chinarestaurants in Deutschland. Das war Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf der Karte stehen die traditionelle Wan Tan Suppe, Algensalat Siu Yuk, das ist traditioneller gegrillter Schweinebauch mit Pflaumensoße oder auch Red Duck, Alaska Pearl (gegrilltes Lachsfilet) und Gedämpfte Aubergine mit Pilzsoße, Ingwer und Lauch. Frank sagt zum „Feed Back“: „Hier gibt es sehr gute authentische kantonesische Küche.“ Sein Liebelingsgericht? „Ich mag am liebsten die gedämpften Auberginen.“ In dem Restaurant ist er regelmäßiger Gast und wo er kann, empfiehlt er das“Feed Back“.

„Feed Back“, Paul-Lincke-Ufer 45, 10999 Berlin, Telefon: 030/61654111, E-Mail: j.zheng@hotmail.de, www.feedbackberlin.de

Sauli Kemppainen mag das Hotspot und das Golvet

Am oberen Kudamm liegt das „Savu“, in dem der Finne Sauli Kemppainen Küchenchef ist. Seit März hat das Restaurant, in dem nordisch inspirierte Kreationen serviert werden, einen Stern. Kemppainen hat gleich mehrere Lieblingsrestaurants: „Wenn ich mit meiner Frau essen gehe, lieben wir das Hotspot: Großartige authentische chinesische Küche und fantastische Weine dazu, diese Kombination ist einzigartig in Berlin.“ Tatsächlich ist das Restaurant von Herrn Wu in der Nähe des „Savu“ bekannt für seine teils scharfen Gerichte aus den chinesischen Provinzen Szechuan, Jiangsu und aus Shanghai. Dazu serviert er deutsche Weine, besonders Rieslinge.

Wenn sich Kemppainen Sterneküche gönnt, dann geht er gerne ins „Golvet“ an der Potsdamer Straße, wo Björn Swanson kocht. Doch nicht nur die Gerichte wie zum Beispiel Marinierte Königskrabbe mit Gulaschsaft, Dürüm Döner mit Spargel oder das Eis von grünen Tomaten mit Anis, Kapern, Artischocken und gereiftem Cheddar haben es ihm angetan: „Dort genieße ich neben dem Essen vor allem auch die romantischen Sonnenuntergänge über dem Potsdamer Platz.“

Den schnellen Kaffee nimmt der Sternekoch gern im 24 Stunden geöffneten „Schwarzen Cafe“ an der Kantstraße. Und es gibt noch mehr: „Ausgiebig frühstücken mit der Familie gehe ich gern im ‘Parkcafé’ in Wilmersdorf. Und für einen Absacker findet man mich entweder in der ‘Victoria Bar’ oder im ‘Green Door’“. Fazit: „Ich liebe halt die Klassiker, und Charlottenburg-Schöneberg-Wilmersdorf ist mein Kiez!

„Hotspot“, Eisenzahnstraße 66, 10709 Berlin, Tel. 030/89 00 68 78, E-Mail: wu@restaurant-hotspot.de, www.restaurant-hotspot.de

„Golvet“, Potsdamer Straße 58, 10785 Berlin, Tel. 030/89 06 42 22, E-Mail: info@golvet.de, https://golvet.de

„Schwarzes Café“, Kantstraße 148, 10623 Berlin, 030/313 80 38, E-Mail: reservierung@schwarzescafe-berlin.de, www.schwarzescafe-berlin.de

„Victoria Bar“, Potsdamer Straße 102, 10785 Berlin, Tel. 030/25759977, E-Mail: stefan@victoriabar.de, https://victoriabar.de

„Green Door“, Winterfeldtstraße 50, 10781 Berlin, Tel. 030/215 25 15, www.greendoor.de

Stephan Hentschels Lieblingsrestaurant ist das „Renger-Patzsch“

Bodenständig mag es auch Stephan Hentschel vom „Cookies Cream“. Sein Lieblingsrestaurant ist das „Renger-Patzsch“ an der Wartburgstraße in Schöneberg. Er hat dort mal gearbeitet, nimmt dafür auch den Weg aus seinem Kiez an der Brunnenstraße in MItte auf sich. Hentschel liebt die bodenständige französische Küche mit ihren Elsässer Flammkuchen, Tarte flambée aux chanterelles, aber auch Sauerkraut mit Bauchspeck, Kassler, Rauchwurst und Kartoffeln oder Kalbstafelspitz mit Meerrettichsoße, kleinem Gemüse und Schwenkkartoffeln. Auch die besondere Atmosphäre und die Geschichte des Restaurants haben es ihm angetan. Benannt ist es nach Albert Renger-Patzsch, Fotograf der Neuen Sachlichkeit. Eröffnet wurde das „Renger-Patzsch“ in den 1980er-Jahren von Hannes Behrmann als „Storch“, war damals eines der In-Restaurants im Westen, Treffpunkt der Punk- und Neue-Deutsche-Welle-Szene. 2007 ging der „Storch“ in die Insolvenz, dann wurde es von Oliver Schupp vom „Würgeengel“ neu eröffnet. Hentschel geht dort oft mit seinen Eltern hin, wenn die in Berlin zu Besuch sind.

„Renger-Patzsch“, Wartburgstraße, 10823 Berlin, Tel. 030/7842059, E-Mail: info@renger-patzsch.com, www.renger-patzsch.com